Hilfreiche Behandlung von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

Noch vor 50 Jahren galten Zwangsstörungen oft als unheilbar. Mittlerweile bieten verhaltenstherapeutische Techniken reale Erfolge.

Die 1960er Jahre brachten eine echte Wende in der Therapierbarkeit von Zwangsstörungen, als innerhalb der Verhaltenstherapie die Wirksamkeit von Konfrontationsbehandlungen erkannt wurde. So lernen Betroffene, sich mit angstbesetzten Situationen zu konfrontieren. Dabei verzichten Zwangserkrankte mit therapeutischer Unterstützung ganz bewusst darauf, zwanghafte Gedanken oder Handlungen zur Linderung der inneren Anspannung auszuführen. Konfrontationstechniken lindern Zwangsstörungen erheblich.

Hilfreiche Therapieangebote für Zwangsstörungen

Die therapeutische Konfrontation hilft wirksam, vom Zwang zu befreien. Sie gilt als zentrales Element hilfreicher Behandlung. Weiterhin wurden positive Wirkungen spezieller Medikamente entdeckt, um den Drang nach Zwangshandlungen zu dämpfen. Eingesetzte Wirkstoffe beeinflussen den Botenstoff Serotonin im Gehirn. So wird die Symptomreduktion medikamentös erreicht. Jedoch sind Ergebnisse medikamentöser Behandlung selten so erfolgreich, wie die Besserung nach einer Verhaltenstherapie. In einigen Fällen kann die Kombination aus Medikamenten und unterstützender Konfrontationsbehandlung zu effektiven Ergebnissen führen. Können Betroffenen beide Behandlungswege nicht helfen, so kommen in seltenen Fällen andere Verfahren zur Anwendung. Dabei handelt es sich um die Elektro-Konvulsions-Therapie (EKT), die transkranielle Hirnstimulation und neurochirurgische Behandlungen. Für diese drei Behandlungsformen gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege und ihr Einsatz bei Zwangsstörungen ist umstritten. Hingegen belegen viele Studien die nachweisbaren Behandlungserfolge der Verhaltenstherapie.

Die Angst Betroffener vor einer Therapie

Obwohl nicht zeitgemäß, halten immer noch viele Menschen den Gang zu einem Psychotherapeuten oder Psychiater für fragwürdig. Sie möchten einfach nicht zu den Leuten gehören, die so etwas brauchen. Die Angst, in seinem sozialen Umfeld als “verrückt” wahrgenommen zu werden, immer noch tief sitzende Vorurteile gegen psychische Erkrankungen in der Gesellschaft und viele falsche Vorstellungen über Therapien halten Betroffene oft jahrelang davon ab, sich wirksam helfen zu lassen. Auch schämen sich viele Zwangserkrankte unendlich dafür, von diesem Leiden betroffen zu sein. Sie möchten es um jeden Preis verbergen und allein damit klar kommen. So befinden sich Betroffene oft in einer quälenden Situation. Ihr Leben besteht in vielen Bereichen nur noch aus Anstrengung, Frustration und der Vermeidung von Angst. Die Leidensfähigkeit ist bei ihnen oft groß, so dass sie es lange schaffen ihre Krankheit zu verdrängen und irgendwie damit zu leben. Zwang und Zwangsrituale haben in ihrer spezifischen Dynamik etwas Verlässliches. Um sich aus der Gefangenschaft des Zwangs zu befreien, muss der Betroffene seine Angst vor Veränderung überwinden. Erst wenn der persönliche Leidensdruck zu hoch wird, wächst die Hoffnung auf Veränderung. So entstehen Bereitschaft und Mut zur Therapie.

Auswahl der geeigneten Therapie

Psychotherapie ist in Deutschland begrifflich nicht eindeutig geschützt. Vorsicht bei der Auswahl eines geeigneten Therapeuten wird deshalb empfohlen. Die Berufsbezeichnung “psychologischer Psychotherapeut” und “ärztlicher Psychotherapeut” ist seit 1999 geschützt. Sie darf nur angegeben werden, wenn lange Ausbildungszeiten absolviert wurden und nachweisbare Qualifikation vorliegt. “Psychotherapie” darf jedoch begrifflich von jedem verwendet werden, ohne damit auch eine Garantie für hochwertige Behandlungsabläufe zu erhalten. Empfehlenswert sind Formen der Psychotherapie, die von einem gut ausgebildeten und approbierten Psychotherapeuten angeboten und von den Krankenkassen bezahlt werden. Bei der Behandlung von Zwangsstörungen ist das verhaltenstherapeutische Verfahren dem tiefenpsychologischen Verfahren einer Psychoanalyse nachweislich weit überlegen. Als bewährtes Behandlungsverfahren spielen in der Verhaltenstherapie Modelllernen, klassische Konditionierung und operantes Lernen zentrale Rollen.

Grundlagen der Verhaltenstherapie

Die Art, wie man denkt oder sich verhält, entsteht nicht zufällig. Sie wird unter bestimmten Bedingungen erlernt. Von dieser Tatsache ausgehend, unterstützt die Verhaltenstherapie Menschen, um neue Lernmuster und Erfahrungsfelder zu entwickeln. So stärkt diese Therapieform Zwangserkrankte, neue Bewältigungsstrategien für ihre Krankheitssymptome anzuwenden. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen die gemeinsam zu erkennenden Verhaltensweisen und Denkprozesse des Betroffenen. Der Behandlungsablauf wird von hilfreichen Therapietechniken bestimmt, die zu einer strukturiert geplanten Verbesserung der Krankheitssituation führen. Eine Verhaltenstherapie ist keine Schablone, die gleichförmig auf jeden Betroffenen angewendet wird. Jeder Patient erstellt gemeinsam mit seinem Therapeuten einen individuellen Behandlungsplan, der auf seine persönliche Situation abgestimmt wird. Menschen mit Zwangssymptomen können durch die Verhaltenstherapie befähigt werden, wieder selbstbestimmt, eigenverantwortlich und erfolgreich ihr eigenes Leben zu gestalten. Untersuchungen ergaben, dass sich mehr als 80 Prozent der Patienten durch verhaltenstherapeutische Hilfe effektiv von ihren Zwängen befreien konnten.

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