Karrierekiller nach einer Beförderung

Wünschenswerte Umgangsformen von Vorgesetzten. Gerade nach einer Beförderung zum Abteilungsleiter, Geschäftsführer oder Vorstand kicken sich viele Arbeitnehmer durch ihr Verhalten selbst ins Aus.

Viele Arbeitnehmer gehen davon aus, dass sie lediglich aufgrund überdurchschnittlicher fachlicher Leistung und hohem beruflichem Engagement befördert werden. Eine nicht unerhebliche Rolle bei einer Beförderung spielen neben den vorgenannten Kriterien jedoch die so genannten „Soft Skills“, also die sozialen Kompetenzen einer Führungskraft. Viele neue Chefs verspielen aufgrund ihres Verhaltens jedoch sehr schnell Sympathien und Vertrauen, was sich letztendlich trotz entsprechender Fachkompetenz nachteilig auf die weitere Karriere auswirken kann.

Neue Visitenkarten schon vor Stellenantritt gewünscht

Viele Arbeitnehmer, die befördert wurden, neigen dazu, ihre neue Wichtigkeit auf unangemessene Weise zu dokumentieren. Oft wird die (zukünftige) Sekretärin/Assistentin schon vor Arbeitsantritt der neuen Stelle damit beauftragt, neue Visitenkarten fertigen zu lassen, auf denen dann auch minutiös die Position des Chefs dokumentiert ist. Laut Stepstone neigen zudem viele neue Vorgesetzte dazu, ihre Beförderung schon vor Stellenantritt in sozialen Netzwerken im Internet wie etwa StudiVZ oder XING zu kommunizieren. Ein derartiges Verhalten wird von den (zukünftigen) Untergebenenen und Mitarbeitern selbstverständlich registriert und oft auch entsprechend sanktioniert oder einfach negativ bewertet.

Vollmundige Ankündigungen von Veränderungen

Manche Chefs reduzieren ihren Beliebtheitsgrad schon vor Stellenantritt deutlich durch Aussagen wie „Ab jetzt weht hier ein anderer Wind!“ oder „Vergessen Sie die Organisation von meinem Vorgänger/meiner Vorgängerin. Unter mir wird alles anders“. Wie jeder andere Arbeitnehmer muss sich auch ein neuer Vorgesetzter erst in seinen neuen Aufgabenbereich einarbeiten und sollte sich ohne genaue Kenntnis der Arbeitssituation und der informellen Netzwerke innerhalb eines bestehenden Teams erst einmal zurückhalten, wobei solche Drohungen und Ankündigungen wie die oben genannten ohnehin nicht als sozial verträglich einzustufen sind, insbesondere dann nicht, wenn in dem Zusammenhang möglicherweise auch noch die Person des Vorgängers abgewertet wird. Der Vorgesetzte erweckt durch solche Äußerungen den Eindruck, eine Schreckensherrschaft implementieren zu wollen.

Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Untergebenen

Eine Sekretärin/Assistentin, die mit dem normalen Tagesgeschäft und etwaigen Sonderaufgaben wie etwa Devisenbeschaffung, Reiseorganisation, Rechnungstellung usw. normalerweise vollkommen ausgelastet ist, wird es sehr übel nehmen, wenn sie zu ihren üblichen Aufgaben auch noch mit Nebensächlichkeiten genervt wird und einigen Mitarbeitern hinterhertelefonieren muss, nur weil der Karton mit den Tombstones* und Urkunden unter Umständen noch nicht zusammen mit anderen Umzugskartons aus einer anderen Niederlassung angeliefert wurde, zumal derartige Dinge nicht wirklich notwendig sind für den Arbeitsalltag. Es wirkt geradezu lächerlich, wenn der neue Chef dann noch sinngemäß die Aussage trifft, dass seine Akten und Fachbücher ruhig beim Umzug abhanden kommen können, aber dass er/sie ohne seine Tombstones nicht lebensfähig sei.

Auch registrieren die Mitarbeiter sehr genau, wenn es Unterschiede in der Behandlung von Personen unterschiedlicher Stati innerhalb des Unternehmens gibt. Ein Chef macht sich keine Freunde, wenn er seine Mitarbeiter und Untergebenen herablassend und geringschätzig behandelt bzw. es ihnen gegenüber an der notwendigen Höflichkeit fehlen lässt, während höher- oder zumindest gleichgestellte Personen auf überfreundliche Art hofiert werden. Ähnliches gilt auch, wenn ein Chef nur das Gespräch mit seinen Mitarbeitern sucht, um sie auszuhorchen, diese aber sonst links liegen lässt oder soziale Kontakte unter Teammitgliedern durch abwertende Äußerungen, Drohungen und andere Sanktionen zu unterbinden versucht („Lachen wirft ein schlechtes Licht auf die Firma!“, „Persönliche Beziehungen zwischen Mitarbeitern sehe ich nicht gerne!“).

Vertrauen verspielen statt Vertrauen schaffen

Ein Chef verspielt schnell das Vertrauen seiner Mitarbeiter, wenn er beispielsweise den Controller damit beauftragt, ihm den aktuellen Quartalsbericht bis zum nächsten Morgen vorzulegen, dieser und eventuell einige seiner Mitarbeiter unter Umständen dafür Überstunden machen, um den Bericht termingerecht vorzulegen, dann aber doch nur eine negative Rückmeldung bekommt – sei es, dass der Chef sich an diese Anweisung gar nicht mehr erinnern kann oder dass er ja eigentlich lieber den aktuellen Marketingbericht gehabt hätte und seine Mitarbeiter somit mal wieder alles vollkommen falsch verstanden haben. Dies wirkt auf die involvierten Mitarbeiter wie persönliche Schikane oder gar Mobbing (beziehungsweise in diesem Fall Bossing).

Unterschätzung informeller Netzwerke

In Organigrammen werden die formellen Netzwerke einer Firma dargestellt. Beispielsweise steht der kaufmännische Geschäftsführer seinem Ressort entsprechend vor, unter ihm stehen die Leiter der Controlling- und der Marketingabteilung und darunter wiederum weitere fachliche Mitarbeiter, wobei die einzelnen Abteilungen meist noch in unterschiedliche Zuständigkeiten aufgesplittet sind.

Nicht zu unterschätzen sind jedoch die informellen Netzwerke, die nicht nur einen Chef, sondern auch jeden anderen Mitarbeiter zu Fall bringen können, wenn er diese nicht beachtet. Hierbei stehen eher soziale und persönliche Beziehungen zwischen einzelnen Mitarbeitern und Vorgesetzten im Vordergrund. Gerade über die informellen Netzwerke werden nicht nur geschäftsrelevante Informationen, sondern auch persönliche Dinge kommuniziert, oft auch über die Abteilung hinaus, so dass sich negative Rückmeldungen über den Führungsstil des eigenen Chefs nicht nur im eigenen Team verbreiten, sondern auch in anderen Abteilungen, unter Umständen auch zu Vorgesetzten, die in der Unternehmenshierarchie höher stehen als der eigene Vorgesetzte. Im ungünstigsten Fall kann dies in Verbindung mit den oben beschriebenen Verhaltensweisen zu einem Karrierekiller werden.

* Tombstones: zu deutsch „Grabsteine“. In Acrylglas gegossene kleine Urkunden, die die Akquirierung oder den erfolgreichen Abschluss eines einzelnen Projekts bescheinigen. Meist wird der Auftragswert mit angegeben. Diese Auszeichnungen sind jedoch eher informell, wichtiger ist in jedem Fall der Vermerk auf besondere Leistungen in der Personalakte.

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