Lust und Frust im gemeinsamen Bett

Das Bett eines Paares kann ein Ort voller Liebe und Leidenschaft sein, aber auch ein nächtliches Schlachtfeld.

Das Schlafzimmer hat im Laufe der Geschichte eine interessante Wandlung erfahren. Die reichen Römer protzten mit ihren Schlafstätten und ließen sich mit ihren Betten auch schon mal durch die Stadt tragen, das Bett war der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Auch der europäische Adel handhabte das später so, lud allerdings die Gäste nicht mehr zum Mitliegen ein. Anders sah es bei den ärmeren Menschen aus, sie teilten sich im Gemeinschaftszimmer das einzige Bett zum Schlafen, mit allen, die sich unter ihrem Dach befanden. Dass Schlafen und alles andere, was man im Bett so tun kann, einen privaten Charakter haben könnte, war bis dahin ein gänzlich unbekannter Gedanke.

Das änderte sich im 19. Jahrhundert, als Schlafen und Wohnen getrennt wurden und das Schlafzimmer im heutigen Sinne Einzug hielt. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Sitte eingebürgert, dass Paare in der Regel in einem gemeinsamen Zimmer schlafen und damit auch einen exklusiven Raum für Liebe, Leidenschaft und Lust haben.

Wenn es dunkel wird, verwandelt sich manches Schlafzimmer aber unvermittelt in ein Schlachtfeld, auf dem erbitterte Kämpfe um die Nachtruhe ausgefochten werden. So wird aus Lust schnell Frust, Beziehungen werden belastet und zerbrechen sogar. Dabei reicht es manchmal schon, die Schlafsituation anzupassen.

Was brauchen Paare im Bett?

Paare tragen besonders ihre sexuellen Vorlieben oft im Bett aus. Und da ist erlaubt, was Spaß macht, solange alle freiwillig mitmachen. In der Intimität des privaten Schlafzimmers wird der Liebe gefrönt, Leidenschaft gelebt, ausprobiert, Lust empfunden, vertraut und sich fallen gelassen. Für viele Paare ist dieser gemeinsame Raum und die dort gemachten Erfahrungen ein wichtiger Grundpfeiler ihrer Beziehung.

Probleme tauchen oft erst dann auf, wenn das gemeinsame Schlafzimmer auch zum Schlafen benutzt werden soll, denn nicht jedes Paar, das sich ansonsten im Bett wortlos versteht, harmoniert auch in diesem Punkt. Wenn einer auch dann noch bei offenem Fenster schlafen will, obwohl der andere vor Kälte schon unter drei Decken liegt, kann es schwer werden mit dem Frieden im Bett. Einer will lesen, der andere kann mit Licht nicht schlafen; einer findet nur in den Schlaf, wenn er Hörbücher hört, während den anderen das Gerede wahnsinnig macht; einer möchte beim Schlafen dem Partner möglichst nahe sein, der andere kommt partout nicht zur Ruhe, wenn einer an ihm dranklebt. Und wenn es dann mit dem Einschlafen geklappt hat, sind die Probleme noch lange nicht vom Tisch. Solange einer schnarcht, dass sich die Balken biegen, wird es für den anderen mitunter schwer, einzuschlummern; einschlafen kann auch schwer werden, wenn man den Partner verdächtigt, gerade zu ersticken, wenn dieser erst ewig keine Luft mehr holt, dann anfängt, wild zu zappeln, nach Luft schnappt und wieder in einen unruhigen Schlaf fällt – nicht jeder bevorzugt so aufregende Unterhaltung in den dunklen Stunden.

Wer seinen Partner so gern hat, dass all das nicht wichtig ist, den Störenfried morgens trotzdem liebt wie verrückt, wer auch nach solchen Nächten tagsüber ausgeruht und leistungsfähig ist, der sollte sich zu seiner Liebesfähigkeit und Toleranz gratulieren. Wem bei solchen Geschehnissen aber Lust, Leidenschaft und das Gefühl tiefer Verbundenheit abhanden kommen, muss nicht verzweifeln. Es ist ja nicht in Stein gemeißelt, dass man im gleichen Bett liegen muss, wenn man schlafen will.

Getrennt oder zusammen schlafen – eine Frage der Liebe?

Es ist eindeutig eine Frage der Liebe, ob man zusammen schläft oder getrennt. Und zwar der Liebe – zu sich selbst, zum anderen und zur gemeinsamen Beziehung. Wenn die Nächte extrem belastet sind, kann man kaum darauf hoffen, dass die Beziehung auf Dauer keine Risse bekommen wird. Und bevor man faule Kompromisse eingeht, die später in einem Streit zum Argument werden, sollte man Denktabus hinter sich lassen und Alternativen abwägen.

Ein Paar kann wunderbar im Leben harmonieren, aber nicht im Bett. Schlafforscher wie Professor Dr. Jürgen Zulley von der Universität Regensburg plädieren daher schon länger für individuelle Lösungen. Wenn schon im gleichen Bett schlafen, dann sollte jeder seine eigenen Sachen haben: Matratze, Decke, Kopfkissen. Gegen Geräusche helfen eventuell Otoplastiken vom Hörgeräteakustiker, diese Ohrstöpsel werden individuell angefertigt, dichten optimal gegen Scharchgeräusche ab und stören nicht beim Schlafen; gegen Tritte, Stöße und nächtliches Gerangel helfen größere Betten.

Wenn auch diese Maßnahmen nicht zur befriedigenden Nachtruhe für beide führen, dann helfen eventuell getrennte Schlafzimmer. Es wäre einen Versuch wert – vielleicht erstmal für einige Wochen auf der Couch – um zu sehen, was die fehlende Nähe zum Partner in der Nacht mit dem Schlaf anstellt. Manch einer merkt erst dann, dass die Nervensäge nun zwar weg ist, aber der Schlaf trotzdem nicht erholsamer wird, weil die Nähe zum geliebten Menschen fehlt. Hält dieser Zustand an, ist das gemeinsame Schlafzimmer die bessere Wahl. Erhöht sich aber der Erholungsfaktor, sollte das getrennte Bett zur Gewohnheit werden, zumindest zum Schlafen.

Sich im Bett verabreden – romantisch oder angestrengt?

Das Sexualleben wird sich bei getrennten Betten verändern, denn man muss sich nun extra treffen, um leidenschaftliche Erlebnisse zu teilen. Das sollte man auch, denn sonst besteht die Gefahr, dass aus der Beziehung bald eine Wohngemeinschaft wird. Ob man sich dabei für die Liebe verabredet oder nicht, ist Geschmackssache. Bei unverhofften Besuchen in der Nacht kann sich der besuchte Partner nun zumindest immer sicher sein, was gerade gewünscht ist, wenn sich der Partner ins Bett schleicht. Und bei den Paaren, die sich zu Sex und Leidenschaft verabreden, mag eventuell auch die Vorfreude schon zum Vorspiel zählen und beflügelnd wirken.

Wichtig ist letztlich nur die subjektive Einschätzung der Tagesform. Wer objektiv zu zweit schlechter schläft, sich aber subjektiv besser fühlt, dem ist unbedingt das gemeinsame Bett empfohlen. Und wer es nicht jeden Morgen aufs Neue schafft, sich die nächtliche Nervensäge schön zu reden, der ist besser mit getrennten Betten bedient, zumindest zum Schlafen. Liebe und Leidenschaft hängen ja nicht grundsätzlich mit der Nachtruhe zusammen.

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