Rosmarin – Heilpflanze des Jahres 2018

Jedes Jahr erneut kürt die Jury des Vereins NHV Theophrastus eine Pflanze zur „Heilpflanze des Jahres“. In 2017 ist es der Rosmarin (Rosmarinus officinalis).

Der Rosmarin ist ein immergrünes, aromatisch duftendes Gewächs, welches im Mittelmeer-Raum Südeuropas und Nordafrikas beheimatet ist, sich daher entsprechend wärmebedürftig und frostempfindlich zeigt. Der Stängel ist vierkantig und flaumig behaart. Die gegenständigen Blätter haben eine lanzettliche, beinahe nadelförmige Gestalt, eine Länge von zwei bis drei Zentimetern und sind mit einer dicken Haut ausgestattet; auf der unteren Blattseite zeigt sich eine weißfilzige Behaarung: Somit deuten alle pflanzlichen Merkmale auf die Trockenresistenz des Rosmarin hin. Daher wird auch verständlich, dass der Rosmarin nur auf einem durchlässigen, trockenen Boden und in einem milden bis warmen Klima gedeihen kann. Die hellblauen Lippenblüten stehen in Scheinquirlen, die zu kurzen Trauben gebündelt sind.

Wissenschaftlich heißt der Romarin „Rosmarinus officinalis“ und gehört zur Familie Lippenblütler (Lamiaceae, Labiatae). Seine näheren Verwandten sind Salbei, Thymian und Taubnessel, die ebenfalls wichtige Heilpflanzen sind. Der Rosmarin wird in manchen deutschsprachigen Gegenden auch Kranzenkraut, Meertau oder Weihrauchwurz genannt.

Die Geschichte des Rosmarin

Da die Pflanze im Mittelmeergebiet beheimatet ist und wertvolle Wirkstoffe beinhaltet, wurde sie von den dort lebenden Menschen schon früh genutzt. Im Alten Ägypten wurden Rosmarinzweige den toten Pharaonen ins Grab gelegt, damit ihnen eine gute Reise ins Land der Seelen beschert werden würde. Im klassischen Altertum der Griechen wurde die Pflanze der Göttin Aphrodite geweiht und diente bei verschiedenen Anlässen als Schmuck. Bei Zeremonien der Antike galt sie auch als Symbol der Ehe, der Liebe, aber genauso des Todes. Solche Sitten und Gebräuche wurden bis ins Mittelalter fortgesetzt. In Deutschland wurde deshalb Rosmarin als Geister abweisendes Kraut geschätzt.

Rosmarin als Heilpflanze

Als Heil- und Gewürzpflanze wurde der Rosmarin erstaunlicherweise erst spät entdeckt. Dioskurides erwähnt nur seine wärmende Kraft und sein Einsatz bei Gelbsucht.

Erst ab dem Mittelalter wurde seine heilende Wirkung nachweislich gerühmt. Kolonisierende Benediktinermönche brachten ihn nach Mitteleuropa, die Verbreitung hierzulande erfolgte über das Capitulare de villis, die Landesgüterverordnung von Karl dem Großen. In mittelalterlichen Kräuterbüchern spielte er eine wichtige Rolle. Er wurde nicht nur gegen allerlei Beschwerden empfohlen, sondern auch zur Stärkung der Potenz. In Ziegenmilch gekocht, sollte der Rosmarin gegen Tuberkulose helfen und äußerlich wurde die Milch gegen Hautkrebs verwendet.

Klostermedizin und Kräuterbücher

Dank des Capitulare de Villis Karls des Großen fand der Rosmarin seine Aufnahme im Klostergarten von St. Gallen. Auch in anderen europäischen Ländern tauchte er auf, so beispielsweise in Frankreich und in England. Als Nektarspender erlangte er Berühmtheit durch den würzigen Geschmack des aus seinem Nektar bereiteten Honigs. Besonders bekannt wurde er im 14. Jahrhundert durch den ungarischen Königinnen-Geist (Aqua Regia Hungaria), der aus dem Destillat frischer Rosmarinblüten gewonnen wird. Mit diesem Getränk wurde die damals 72-jährige, an Rheuma erkrankte und gelähmte Isabella von Ungarn angeblich derart munter und verjüngt, dass der König von Polen um ihre Hand anhielt. In den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts nimmt der Rosmarin seinen festen Platz als Heilpflanze ein.

Die Wirkung des Rosmarin

Die Angaben über seine Wirkungen und die Liste der Indikationen wurden im Laufe der Zeit immer umfangreicher. Nach Lonicerus (1564) soll er leber-, blut- und gebärmutterreinigend, erweichend, schweiß- und harntreibend, emmenagog (menstruationsfördernd) und verdauungsfördernd sein sowie Epilepsie, Krebs und Fußgicht heilen, schließlich auch zur Erhöhung der Fruchtbarkeit beitragen.

Für Matthiolus (1626) war er vor allem Stärkungs- und Anregungsmittel und wurde zur Reinigung von Wunden eingesetzt. 1675 erschien von einem unbekannten Autor ein Buch, das sich nur mit der Verwendung von Rosmarin beschäftigte (Rosmarinbüchlein, mit 200 Rezepten für ,,Curen un Arzeneyen“).

In Weinmanns Phytanthoza iconographia (1745) ist die Pflanze auch bei Seh-, Gehör- und Gedächtnisschwäche, Frauenleiden (fluor albus, Amenorrhoe, Sterilität), Anämie, Magenkrämpfen, Wassersucht angezeigt. In der Volksheilkunde wurde er nicht nur als verdauungsförderndes Mittel, sondern auch als Abortivum gepriesen.

Bei Madaus (1938) findet man beachtenswerte Hinweise aus der tschechischen Volksmedizin. Nach Veleslavin soll Rosmarin Augen, Magen und Gehirn stärken, üblen Mundgeruch beseitigen, Fall-, Schwind- und Gelbsucht, Husten und Pest heilen und Zähne reinigen, wobei die Anwendungsweisen der verschiedenen Pflanzenteile etwas irritierend wirken (Bad, Inhalation; Asche, in Ziegenmilch gekocht, in Kornsprit mazeriert, trocken gekaut; Wurzel, Blätter, Blüten).

Anwendungsmöglichkeiten

In der heutigen Zeit ist nur die Blattdroge (Rosmarini Folium, früher Folia Rosmarini) offiziell und anerkannt. Die Droge wird aus Blättern gewonnen, die während und nach der Blüte im Sommer gesammelt wurden. Außerdem finden Verwendung die aus den Blättern hergestellten Zubereitungen (Salbe, Spiritus, Öl). Nach der Monographie der Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamtes werden für die Droge Anwendungsgebiete wie innerlich dyspeptische Beschwerden (Verdauungsbeschwerden) und unterstützende Therapie rheumatischer Erkrankungen sowie äußerlich Kreislaufbeschwerden angegeben. Sie soll innerlich krampflösend im Bereich der Gallenwege und des Dünndarms wirken, positiv die Schlagkraft des Herzmuskels beeinflussen, den Koronardurchfluss steigern, äußerlich die Haut reizen und die Durchblutung fördern. Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sind nicht bekannt. Doch können größere Dosen des Öls heftige Gastro-Enteritiden und Nephritiden (akute oder chronisch entzündliche Erkrankungen der Niere) auslösen.

Der Rosmarin ist eines der wenigen Kräuter, die niedrigen Blutdruck stärken können. Diese Wirkung erfolgt aufgrund der Stärkung von Herz und Kreislauf, auch nervöse Herzbeschwerden und Herzrhythmusstörungen kann man mit Rosmarin behandeln. Zur Stärkung des Verdauungssystems und zur Beseitigung von Blähungen kann man Rosmarin-Tee trinken oder Mahlzeiten damit würzen. Zur Stärkung der Nerven ist Rosmarin besonders gut geeignet. Man kann auch Kopfschmerzen und Migräne damit lindern. Dazu kann man Rosmarin innerlich einnehmen oder äußerlich anwenden und beispielsweise das verdünnte ätherische Öl auf die Stirn reiben. Rosmarin kann ausbleibende Periodenblutungen auslösen und Menstruationskrämpfe lindern; auch gegen Wechseljahrsbeschwerden kann Rosmarin helfen. In der Schwangerschaft sollte man Rosmarin nicht verwenden.

Volksmedizin und Rezepturen

Auch aktuell sind aus der Volksmedizin noch zahlreiche Rezepte bekannt. Zweige des Rosmarins wurden kleinen Kindern in die Wiege gelegt, um sie zu schützen. Bräute wurden mit dem Rosmarin geschmückt und auch Gräbern diente er zum Schmuck. So stand der ganze Lebenslauf im Zeichen des Rosmarins. Zur Anregung dient Rosmarin als Ersatz von Kaffee oder Schwarzen Tee, auch zur Verbesserung des Zustandes von Patienten mit niedrigem Blutdruck und Schwäche. Messegue (1976) schreibt: ,,Der Rosmarin ist in erster Linie ein unvergleichliches Anregungsmittel. Ich habe Dutzenden von Blutarmen, Rekonvaleszenten, Greisen, Erschöpften, Neurasthenikern (Nervenschwäche, Formen der Neurose) und Depressiven mit Rosmarinaufguss und -bädern in wenigen Tagen neue Kraft gegeben.“ Für den Tee sollte man eine gute Handvoll Rosmarinblätter mit einem Liter kochendem Wasser übergießen, einige Minuten stehen lassen, abseihen, davon täglich drei Tassen trinken. Bei Krämpfen ist die Einnahme von einer Tasse empfohlen. Messegue: ,,Es (das Rosmarin-Kraut) ist krampfstillend: ich empfehle es gegen Husten, Keuchhusten, Asthma, Herzklopfen, Nervosität, Angstgefühle, Schlaflosigkeit und gegen nervös bedingte Migräne.“ Das Rezept für ein Hand- oder Fußbad: Einen Liter Wasser zum Kochen bringen, fünf Minuten stehen lassen; wenn die Flüssigkeit kaum noch lauwarm ist, zwei gute Hände voll getrockneter Rosmarinzweige hineingeben und diese Mischung, vor Staub geschützt, vier bis fünf Stunden stehen lassen (Basispräparat); für ein Hand- oder Fußbad zwei Liter Wasser aufkochen, fünf Minuten stehen lassen, dann einen Liter des Basispräparates hineingießen, darin baden.

Frische oder getrocknete Rosmarinblätter sind natürlich auch ein hervorragendes Gewürz, das insbesondere in der italienischen, französischen und spanischen Küche, häufig gemischt mit anderen Kräutern, verwendet wird. Rosmarin hat einen kampferartigen, würzigen Duft sowie einen herben, etwas scharfen, bitter-aromatischen Geschmack.

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