Sevillana: die populäre Tanz-Form des Flamenco

Sevillanas sind vier Tänze in strenger Choreografie und etwas leichter zu erlernen als Flamenco. Sie drücken überschwängliche Freude aus.

Außerhalb Spaniens wird Flamenco als andalusische Folklore gesehen, so wie Schuhplattler mit Bayern gleich gesetzt wird. Flamenco aber steht ursprünglich nicht für den Tanz, es war der wehmütige Gesang der Gitanos, der Zigeuner, dargeboten nur von Männern. Der Tanz kam erst später, ebenso die Gitarrenbegleitung. Heute gibt es aber nicht nur Flamencotänzer, sondern auch Tänzerinnen in den schönen gerüschten Kleidern. Doch sagen selbst die Andalusierinnen, dass Flamenco am besten die Zigeuner interpretieren können, dass man selten an deren individuelle Ausdruckskunst reichen kann.

In Sevilla aber wurde eine leichter erlernbare Abart des Flamenco, die Sevillana, erfunden. Eigentlich sind es vier Sevillanas (ausgesprochen: Sevijanas), eine Folge von vier Tänzen mit vorgeschriebenen Schrittkombinationen. Sie werden von Laien leicht mit Flamenco in einen Topf geworfen, aber sie sind leichter zu erlernen als der ernsthafte Flamenco und im Gegensatz zu ihm strahlen sie nicht Schwermut, sondern Freude aus.

Andalusiens fröhlicher Volkstanz

Was aus dem Flamenco übernommen wurde, sind nicht nur die Rüschen-Kleider, sondern auf jeden Fall die eleganten Handbewegungen, indischen Tempeltänzerinnen nicht unähnlich. Auf den ersten Blick sehen sie schwierig aus, doch geübte Strickerinnen tun sich leichter, wenn sie sich daran erinnern, wie sie eine gefallene Strickmasche wieder aufnehmen und durchfädeln: Lockere Drehbewegungen aus dem Handgelenk gehören auch zu den Übungen in den ersten Sevillana-Tanzstunden, noch vor der ersten Schrittfolge. Ein Trick auch für Anfängerinnen: Man darf auch nur die Hände in die Hüften stemmen und die Hüften hin-und her bewegen. Letzteres ist dem nicht so kundigen männlichen Partner überhaupt erlaubt. Übrigens ist klar, das man bewegliche Hüften haben muss für diesen herrlichen Tanz – á la Shakira.

Vier Tänze mit strenger vorgeschriebener Choreografie

Wer glaubt, man müsse nur wie bei den anderen lateinamerikanischen Tänzen einen Grundschritt lernen wie bei Samba oder Rumba und dann nur ein paar Drehungen dazu, der ist gründlich auf dem Holzweg. Es gibt zwar einen Fünfer-Grundschritt, den Paseillo, der sich wiederholt, doch an diesen Grundschritt kommen Überkreuzungen, mal mit, mal ohne ganze Drehung, dann wechselt der Takt in einen Vierer-Takt, dann kann es zu einem Dreier-Schritt kommen und zu einem Zweier-Takt! Von den Pirouetten und Stampfschritten ganz zu schweigen.

Nicht zu vergessen natürlich die Handbewegungen dazu: Beim Tanzen also bewegt man die Arme gegengleich, ist die eine Hand oben, ist die andere unten, doch nicht ruckartig geht dies auseinander sondern in schlangengleichen Bewegungen. Jede Tanzlehrerin hat den berühmten Tipp auf Lager: Man stelle sich vor, man recke sich mit der Hand hoch, drehe eine Glühbirne aus einer Lampe, wische die staubige Birne an der Seite am Kleid ab und werfe die Glühbirne dann weg in den Abfalleimer.

Der langen Rede kurzer Sinn: Dies ist kein Tanz mit eigenen Interpretationsmöglichkeiten, sondern eine strenge Choreografie. Die Sevillana teilt sich also auf in die Prima (die erste), Segunda (die Zweite), die Tercera (die Dritte) und die Quarta (die Vierte).

Eine eigene Musik gibt es zur Sevillana

Sevillanas sind ein eigener rhythmischer Gesang mit Gitarren. Die Schwierigkeit: Man setzt mit dem Tanzen nicht gleichzeitig mit deren Anfang ein, nein, man muss den ersten Textblock abwarten, sich nur in den Hüften wiegen und nach einem Instrumentalgang mit dem neuerlichen Gesang anfangen – gleichzeitig. Und man sollte mit der Schlusspose gleichzeitig mit der Musik zu Ende sein !

Es ist für Nicht-Einheinmische, die es nicht schon als Kinder im Kindergarten lernen, anfangs so verwirrend, wie es sich anhört. Das Ganze ist eine Auswendiglern- und Konzentrationsleistung. Bei den Ferias, den Volksfesten, sucht man sich einen Partner, gerne auch eine andere Sevillana-Tänzerin in malerischem Rüschenkleid und führt den Tanz als Paar gegengleich, also spiegelbildlich vor.

Der Kursaufwand aber lohnt sich: Die Fröhlichkeit des Tanzes ist ansteckend und hat einen unschätzbaren Vorteil: Man kann Sevillana auch alleine tanzen, ohne einen männlichen Tanzmuffel aufs Parkett zerren zu müssen !

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