Sirtuine – stille Schalter der Lebensverlängerung

Eine Gruppe miteinander verwandter Eiweiße beeinflusst Gesundheit und Lebenserwartung. Der Clou: wir können auf sie einwirken.

Mit der Entdeckung des ersten Sirtuins in der Bierhefe fing es an. Mit Sirtuinen in der Fruchtfliege und im beliebten Forschungsobkjekt Caenorhabditis, einem Wurm, ging es weiter. Sie bilden eine Familie mit sieben Verwandten. Heute weiß man, dass diese Eiweiße in fast allen Organismen von der Bakterie bis zum Menschen vorkommen. Bei Wissenschaftlern klingeln dann alle Alarmglocken: da muss es sich um zentrale Stoffe handeln, die entscheidende Lebensvorgänge beeinflussen. Seitdem ranken sich auch viele Mythen um diese Neuentdeckungen. Viele sind nicht von der Hand zu weisen: Sirtuine wirken, zumindest in der Maus, lebensverlängernd und sie wehren viele Krankheiten ab, die sich mit höherem Alter einstellen. Sind sie also wahre Wundermittel?

Das Potenzial zum Wundermittel

Ja und nein. Es gibt tatsächlich viele Hinweise darauf, dass Sirtuine das Leben verlängern, Alterskrankheiten abwehren, hilfreich sind bei Fettleibigkeit, Herzerkrankungen, der Gehirnfunktion und Krebs. Da die Forschung jedoch erst am Anfang steht, sind die Einzelheiten noch nicht bekannt. Klar ist, dass sie im Zentrum vieler regulatorischer Vorgänge stehen: Sie wirken auf andere und werden selbst kontrolliert. Damit sind sie wichtige Rädchen bei der Steuerung von Lebewesen.

Zusammen mit Vitamin B3 vollführen die Sirtuine eine chemische Reaktion. Sie entfernen kleine Stoffschnipsel vor allem von Eiweißen, die Einfluss auf das Ablesen der Erbinformation haben. Damit haben sie Einfluss auf die Verwirklichung unserer Erbanlagen. Der Clou ist, dass wir mit unserem Lebensstil die Menge an Sirtuinen in unserem Körper beeinflussen können. Die Epigenetik, eine neu entdeckte Säule der Vererbung, spielt auch hier eine Rolle. Epigenetik meint den Einfluss der Umwelt auf unsere Erbanlagen und ihrer Verwirklichung. Hat sich die Umwelt in den Erbanlagen, den Genen, niedergeschlagen, können die Veränderungen sogar an die Nachkommen weitergegeben werden.

Sport und Polyphenole steigern die Sirtuin-Spiegel

Im Fall der Sirtuine ist bekannt, dass Drosselung der Kalorienzufuhr, Sport, Rauchen, Alkohol, Kälteexposition, oxidativer Stress und Pflanzenprodukte einen Einfluss auf die Menge an Sirtuinen im Körper haben. Außer beim Rauchen wird meist die Menge erhöht. Es kommt jedoch auf die genauen Bedingungen an. Offensichtlich wirkt Resveratrol, der Stoff aus den Schalen roter Trauben, am besten nach einer körperlichen Belastung. Sport dagegen scheint bei Jungen wie alten wie ein Jungbrunnen zu wirken. In jedem Alter erhöht besonders Ausdauersport die Mengen an Sirtuinen, obwohl die Level bei Älteren niedriger sind als bei Jüngeren. Wenn man es nicht übertreibt, könnte sich also ein Gläschen Rotwein nach einer Ausdauerbelastung als Jungbrunnen anbieten. Ebenso ist aber grüner Tee eine Quelle für Polyphenole wie das Resveratrol.

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