Sturzprophylaxe für Senioren – keine Angst vor dem Boden

Auch Angst vor dem Boden kann bei älteren Menschen zu Stürzen führen. Diese Angst kann gemindert werden, wenn der Boden zu einem bekannten Terrain wird.

Ein wichtiger sturzverstärkender Faktor bei Senioren ist die Angst vor dem Boden. Diesen haben die meisten älteren Menschen schon seit Jahren nicht mehr von dichtem gesehen, geschweige denn erfahren. Daher verwundert es auch nicht, wenn sie Angst davor entwickeln. Dabei kann das Erfahren des Bodens und die Gewissheit, von diesem selbstständig aufstehen zu können, zu hoher Selbstwirksamkeit beitragen und daher Stürze effektiv verhindern. Das Erforschen des Bodens auch im hohen Alter ist mit wenig Aufwand umsetzbar und sollte daher in einer Sturzprophylaxe für Senioren nicht fehlen.

Wie auf den Boden runter kommen und auch wieder hoch?

In Angeboten zur Sturzprophylaxe sollten Strategien vermittelt werden, um gefahrlos auf den Boden zu kommen und von diesem auch wieder aufzustehen. Denn meistens speist sich die Angst vor dem Boden eher aus der Befürchtung, von diesem nicht wieder aufstehen zu können. Da ältere Menschen oft vielfältige Einschränkungen des Bewegungsapparates mitbringen, ist es hilfreich, hier individuelle Strategien zu entwickeln. Je nach Erfordernis kann dies das Benutzen von alltäglichen Gegenständen wie Tischen oder Stühlen zur Hilfestellung beim Hinsetzen und Aufstehen einschließen. Oder das Abpolstern des Bodens mit Sitzkissen, um sich schmerzfrei auf diesem aufhalten zu können. Eventuell ist aber auch das Abstützen am eigenen Körper, mit den Händen auf den Oberschenkeln und dann mit den Händen immer weiter runterwandernd, die Variante, die am ehesten beim Hinsetzen umgesetzt werden kann. Im Grunde ist es günstig, mit so wenig Hilfsmitteln wie möglich auszukommen, wenn aber welche nötig sind, sollte deren Gebrauch so ausgiebig geübt werden, bis dazu Sicherheit vorherrscht.

Besonders bei Senioren mit gesundheitlichen Einschränkungen sollte ein sturzverhinderndes Training von Physiotherapeuten durchgeführt werden, da diese zuverlässig einschätzen können, mit welchen Erkrankungen welche Bewegungsabläufe möglich, sinnvoll und trainierbar sind. Stehen dem Üben auf dem Boden zu viele Hindernisse entgegen, kann immer noch ein Training für Senioren im Bewegungsbad oder in Hockergymnastikgruppen zur Sturzprophylaxe hilfreich sein.

Erfahren des Bodens als feste und unterstützende Unterlage

Wenn Senioren sich selbstständig auf den Boden bewegen können, ist es sinnvoll, auch Übungen zur Wahrnehmung des Bodens anzuschließen, denn die Angst vor dem Boden rührt auch daher, dass dessen Vorteile nicht gesehen oder nicht als positiv bewertet werden. So kann ein Sturz auf den Boden zwar Verletzungen nach sich ziehen, aber wenn man sich schon dort befindet, dann gibt es keinen Ort, der mehr Sicherheit und Stand- beziehungsweise Sitzfestigkeit bietet. So ist es nach einem Sturz also auch möglich, die tragende Funktion des Bodens zu nutzen, um sich hier auszuruhen, sich selbst zu beruhigen und das Aufstehen zu planen.

Diese positive Bewertung sollte unterstützt werden, über die bewusste Wahrnehmung der Fläche, auf der man sitzt oder kniet. Wahrnehmende Übungen hierzu sollten immer wieder eingestreut werden, aber eher nicht explizit als Übung vermittelt werden, sondern im Rahmen der Arbeit am Boden integriert werden. So kann die Frage nach der Temperatur des Bodens vorangestellt sein und daraufhin die eigene Fortbewegungsart angepasst werden, je nachdem, ob die Temperatur als angenehm empfunden wird und zu längerem Verweilen einlädt oder eine unangenehme Temperatur dazu verführt, die Kontaktflächen schnell zu verlassen.

Spielerisch, und wenn die Senioren für derartige Unternehmungen genügend Fitness mitbringen, kann man den Boden auch auf Barfußwegen oder in Barfußparks erfahren.

Erkunden des Bodens in der Fortbewegung

Der Boden sollte von den Senioren auch in allen möglichen Arten der Fortbewegung erkundet werden. Krabbeln im Vierfüßlerstand, Robben, Rollen oder Vorwärtsrutschen im Sitz – es geht für die Senioren darum, mit dem Boden vertraut zu werden und zu erfahren, dass sie Möglichkeiten haben, sich auf dem Boden eigenständig fort zu bewegen und diese Möglichkeiten kennen zu lernen. Dabei ist zu beachten, dass jeder nur die Varianten wählt, die für ihn umsetzbar sind, denn Druckempfindlichkeiten, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen verhindern manche Stellungen und Bewegungsabläufe. Auch sollten die Senioren eingeladen werden, für sie gangbare Varianten selbst zu entwickeln und so eventuell auch ungewöhnliche Arten der Fortbewegung zu entdecken.

Auf dem Boden spielen

Es gibt eine Vielzahl von Übungen auf dem Boden, um diesen als normalen Aufenthaltsort ins Bewusstsein zu bringen und dort zu verankern. Je mehr sich Senioren auf dem Boden bewegen, umso normaler wird ihnen der Aufenthalt dort erscheinen und daher keine zusätzliche Angst bei einem Sturz auslösen. Da eine gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit dazu beiträgt, den Fokus nicht auf die Angst zu legen, ist der Boden auf diese Weise erfahrbar, ohne gleichzeitig die Angst damit zu verknüpfen.

In Gruppen ist es möglich, dass sich die Teilnehmer Dinge über den Boden zurollen oder zuschieben, auch Luftballons können über den Boden gepustet werden oder Gegenstände werden mit den Füßen an verschiedene Orte transportiert, jeder in seiner Fortbewegungsart. Auch bildliche Vorstelllungen können hilfreich sein, den Boden mit Freude zu nutzen – sich wie eine Katze strecken und dehnen, an imaginierten Blumen am Boden schnüffeln und ähnliches. Wird der Boden somit zu einem normalen Aufenthaltsort, der bekannt ist, ist die Angst vor dem Boden im Sinne der Sturzprophylaxe gebannt und damit ein wichtiger Grund, warum Senioren stürzen, beseitigt.

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