Teeküche – ein Streitpunkt in deutschen Unternehmen

In vielen Betrieben ist die Teeküche ein fester Bestandteil. Mitarbeiter können sich hier heiße Getränke zubereiten und ihre mitgebrachten Mahlzeiten kalt stellen. Außerdem nutzen viele Angestellte die Teeküche, um kurz mal ein Schwätzchen mit Kollegen zu halten und von der Arbeit abzuschalten. Somit ist die Teeküche also eine wunderbare Einrichtung, welche die Arbeitsatmosphäre verbessert. Sollte man meinen. Doch ist sie auch Grund für viel Streit und Diskussion.

Schon morgens stellt sich die Frage: Wer kocht den Kaffee?

Jeder Mitarbeiter, der seinen morgendlichen Koffeinschub braucht, um in Schwung zu kommen, wünscht sich, zuerst eine Tasse Kaffee auf der Arbeit zu trinken. Doch wer kocht sie? Hier scheinen sich auch alle einig zu sein: Ich nicht! Hätte man eigentlich noch genug Zeit für eine Tasse Kaffee vor der eigentlichen Arbeit gehabt, ist man plötzlich in Zeitnot, wenn es darum gibt, die Kanne selbst aufzusetzen. Irgendwie scheint die naive Hoffnung zu bestehen, dass der Kaffee sich schon selbst zubereiten wird. Wie ein Wunder wird der frischgebrühte Kaffee bereit stehen, wenn man nur lange genug wartet. In Wirklichkeit hat sich aber einfach nur ein Kollege oder eine Kollegin erbarmt, deren Kaffeedurst einfach zu groß ist, um die Situation auszusitzen.

Und was geschieht, wenn man die letzte Tasse aus der Kanne schüttet? Es gibt das ungeschriebene Gesetz: Wer die letzte Tasse nimmt, setzt neuen Kaffee auf. Theoretisch. Wenn sich diese Regel aber in der Praxis durchsetzen würde, käme es nicht täglich dazu, dass Kollegen verzweifelt aufseufzen, weil die Kanne schon wieder leer ist und keiner es für nötig hielt, frischen Kaffee zu kochen. Ob dieses Phänomens könnte man fast auf die Idee kommen, dass Kaffeekochen ein Mysterium ist, in welches nur wenige eingeweiht sind.

Das dreckige Geschirr

Schnell eine Kleinigkeit gegessen und dann wieder an die Arbeit. Nur, wohin mit dem schmutzigen Geschirr? Man könnte es schnell abspülen, antrocknen und dann wieder zurück an die Arbeit gehen. Aber die Pause ist sowieso schon so kurz. Da ist es viel einfacher, den benutzen Teller einfach zu den anderen in die Spüle zu stellen. Irgendjemand wird das schon abwaschen. Gegen dieses Phänomen können auch schöne Schilder, auf denen jeder gebeten wird, sein Geschirr selbst zu spülen, nicht wirklich etwas ausrichten.

Jetzt könnte man meinen, dass dieses Problem nicht auftritt, wenn die Teeküche über den Luxus einer Spülmaschine verfügt. Doch weit gefehlt! Das schmutzige Geschirr findet zwar grundsätzlich den Weg in die Maschine, aber was soll man tun, wenn sie voll ist? Anschalten? Oder noch schlimmer: Wenn das saubere Geschirr noch nicht ausgeräumt wurde? Es selber tun? Dafür ist keine Zeit. Also landet das schmutzige Geschirr doch wieder in der Spüle. Irgendjemand wird sich schon darum kümmern.

Die dreckige Küche

Stellt sich schon das Kaffeekochen und das Spülen als Hindernis dar, ist nicht verwunderlich, dass gerade das Reinigen der Teeküche an sich dann zu einem unendlichen Streitthema wird. Jeder Mitarbeiter benutzt die Küche, aber niemand will sie reinigen. Schön ist es, wenn die Firma eine Putzfirma kommen lässt, welche auch die Teeküche wieder auf Vordermann bringt. Doch in allen anderen Fällen, kann es hier zu einem großen Streitpunkt kommen. Nur wenige Nutzer sehen die Notwendigkeit ein, Kaffeeränder auf der Arbeitsplatte gleich zu entfernen. Das schadet doch nicht. Und außerdem: Warum soll man den Schmutz von anderen wegmachen? Hier scheint es eindeutig an sozialer Kompetenz zu fehlen. Auch ein Putzplan kann da nicht wirklich helfen, denn der Diensthabende wird sich sicher oft darüber ärgern, dass seine Kollegen solche Schweine sind. Konflikte, sie weitreichende Folgen haben können, sind vorprogrammiert.

Die Konsequenz

Die Mitarbeiter wollen zwar eine Teeküche, aber keiner fühlt sich dafür verantwortlich. Alle wollen davon profitieren, aber nur ganz wenige etwas dafür tun. Daraus ergibt sich Diskussionsstoff und eine Küche, die oft nach kurzer Zeit aussieht, als habe eine Bombe eingeschlagen. Als Konsequenz gehen immer mehr Firmen dazu über, die Teeküche ganz abzuschaffen. Alternativ dazu wird der Belegschaft zwar eine Teeküche zugestanden. Diese ist von ihrer Einrichtung her aber meist schon so unansehnlich, dass es finanziell nicht schade ist, wenn sie von den Mitarbeitern schnell vermüllt wird.

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