Traumdeutung

Es gibt banale, unwichtige Träume und es gibt wichtige, visionäre Träume. Wie kann man sie unterscheiden?

Für Sigmund Freud war der Traum der „Königsweg zum Unbewußten“, zum persönlichen, individuellen Unbewussten. Sein Weggefährte Carl Gustav Jung fand in Träumen neben persönlichen Inhalten Spuren einer überindividuellen, kollektiven Dimension. Beide waren sich einig, dass Träume nicht begrifflich gestaltet sind, denn Träume teilen sich in einer symbolischen Bildersprache mit. Dies gilt gleichermaßen für individuelle und kollektive Träume.

Wie erkennt man Träume der kollektiven Dimension?

Merkmale überindividueller Träume sind, so Carl Gustav Jung, archetypische Bilder, machtvolle Symbole für den Ursprung des Welterlebens, die Ur-Mutter, das Weibliche, das Männliche, die Allmacht; ebenso gibt es in allen Kulturen auffindbare abstrakte archetypische Muster wie zum Beispiel das Mandala. Der britische Intellektuelle Aldous Huxley schrieb, noch unter dem Einfluss eines wissenschaftlich kontrollierten Drogenexperiment, den Essay „Himmel und Hölle“. Darin gibt er zu bedenken, dass in den meisten banalen Träumen die Farbigkeit keine Rolle spiele; sollte aber Farbe nach einem Traum erinnerlich sein, dann wäre dies möglicherweise ein Hinweis auf einen visionären Traum. Wichtigere Indizien liefern die Trauminhalte selbst; visionäre Träume sind wesensfremd, seltsam und mitunter irritierend; sie unterscheiden sich deutlich von banalen persönlichen Träumen. Auszug aus einem Traumtagebuch:“…eine Gestalt taucht auf. Sie hat weißes Haar und trägt ein dunkelrotes Gewand. Sie schaut mich an und verwandelt sich in eine hell leuchtende Treppe.“

Träume sind Bilderrätsel

Eindrucksvolle Erhabenheit ist nicht notwendigerweise ein obligatorisches Merkmal visionärer Träume. Sehr oft erscheinen wichtige Träume skurril und erinnern an Schabernack. Da abstrakte Botschaften nicht begrifflich vermittelt werden können, teilt sich der Traum in Bildern mit. So wird zum Beispiel der Begriff Verstrickung durch wirres Seilgeflecht dargestellt oder Erfolg durch den Sprung über eine Mauer. Über viele Jahre hinweg notierte die Schauspielerin Christine Mylius ihre Träume in einem Traumtagebuch. Die Deutung der Träume war Thema ihres Buches “Traumjournal – Experiment mit der Zukunft“ Herausgeber war Hans Bender, Leiter des Freiburger Instituts für Psychohygiene und Grenzgebiete der Psychologie. Ein Beispiel aus diesem Buch illustriert die Bilderrätsel-Sprache des Traums. Die kleine Bergpension der Eltern von Christine Mylius war existentiell von Wassermangel bedroht. Bohrungen nach Wasser waren erfolglos, es gab Unfälle und Schachteinbrüche. Vor ihrer Reise zu ihren Eltern nach Oberbayern notierte sie diesen Traum: „Ich sah meine Mutter bis zu den Knien im Wasser stehen und ein fettes Schwein an den Ohren herausziehen.“ Als sie am folgenden Tag in ihrem Elternhaus eintraf, erlebte sie dies:“Meine Mutter kam mir strahlend entgegen. Sie umarmte mich mit den Worten: Stell dir vor, wir haben ein Mordsschwein. Endlich ist das Wasser da!“ In der Sprache der IT-Generation könnte man den Traum als Link in die Zukunft bezeichnen.

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