Uniklinikum Würzburg: Transplantationen im Kommen

Die Transplantationsmedizin in Würzburg schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle

Würzburger Herzchirurgen haben sein Leben gerettet, sagt der 64-jährige Herr K. Der frühere aktive Tennisspieler war nach wiederholten Herzinfarkten nicht mehr belastbar, litt unter schwerster Atemnot und hatte den Tod vor Augen. Nach Monaten auf der Hochdringlichkeitsliste und Wochen auf der herzchirurgischen Intensivstation des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) kam nachts der Anruf, dass ein geeignetes Spenderorgan verfügbar sei. Herr K ist einer von sieben Patienten, die im Jahr 2011 am UKW ein neues Herz erhalten haben. Seit der Wiederaufnahme des Herztransplantationsprogramms durch Prof. Rainer Leyh im Jahr 2008 sind noch nie so viele Patienten in einem Jahr in Würzburg herztransplantiert worden.

Bedarf von bis zu 20 Herztransplantationen jährlich

Prof. Leyh, Sprecher des Würzburger Transplantationszentrums und Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie am UKW, schätzt den Bedarf für die Region Unterfranken und Südhessen auf 15 bis 20 Herztransplantationen pro Jahr. „Würden diese Patientinnen und Patienten, die in der Vergangenheit häufig gar nicht für eine Transplantation vorgestellt wurden, in Zukunft alle am UKW behandelt, würden wir damit schon in die Gruppe der größeren Herztransplantationszentren in Deutschland vorstoßen“, schildert Prof. Leyh.

Entscheidend für den Erfolg einer Organverpflanzung sei die sorgfältige Auswahl der Kandidaten. „Problematisch ist dabei oft, dass viele Patienten über lange Jahre hinweg schwer krank sind und kaum noch über die für einen erfolgreichen Verlauf wichtigen Rumpf- und Beinmuskeln verfügen“, führt der Würzburger Herzexperte aus. Dennoch müsse fast kein Herzpatient mehr todkrank nach Hause geschickt werden, da mit Kunstherzsystemen eine Alternative für diejenigen zur Verfügung stehe, die nicht mehr herztransplantiert werden können.

Nieren auch bei unpassenden Blutgruppen transplantierbar

Szenenwechsel: Der 58-jährige Herr T. wird stationär aufgenommen. Seit zwei Jahren ist er nierenkrank und muss seither dreimal wöchentlich an die Dialysemaschine. Seine Frau will ihm eine Niere spenden, aber leider passt ihre Blutgruppe nicht perfekt zu der ihres Mannes. „Seit Januar 2011 ist dies keine unüberwindliche Hürde mehr“, sagt Dr. Kai Lopau, Facharzt für Nierenerkrankungen und mitverantwortlich für das Nierentransplantationsprogramm am Würzburger Uniklinikum. „Mit der neu eingeführten Immunadsorption sind wir in der Lage, Transplantationen von Lebendspendern über die Blutgruppe hinweg durchzuführen.“

Für das personal- und kostenintensive Verfahren ist eine überaus exakte Abstimmung zwischen Nephrologen, Anästhesisten und transplantierenden Urologen notwendig. Die Empfänger bekommen bereits vier Wochen vor der Transplantation ein bestimmtes Medikament infundiert, zwei Wochen vor dem Operationstermin beginnen die Würzburger Mediziner damit, Abwehrstoffe gegen die fremde Blutgruppe aus dem Blut des Empfänger herauszufiltern, so dass die neue Niere nicht sofort abgestoßen wird. Vier dieser besonderen Nierentransplantationen wurden im Jahr 2011 durchgeführt, eine weitere im Januar dieses Jahres. „Alle Operationen sind gelungen, alle Organe arbeiten, es gab keine Abstoßungen, keiner der Patienten muss mehr dialysieren“, resümiert Dr. Lopau.

Fast 50 Nieren in 2011 verpflanzt

„Durch die Möglichkeiten der Immunadsorption und vor allem auch durch die Steigerung der Nierentransplantationen im Rahmen von Lebendspenden, die im Vergleich zum Jahr 2010 verdreifacht werden konnten, wurde im letzten Jahr mit 49 Nierentransplantationen das beste Ergebnis am Würzburger Nierentransplantationszentrum seit dem Jahr 1984 erzielt“, berichtet Prof. Hubertus Riedmiller, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie am UKW. „Trotz dieser erfreulichen Zahlen müssen wir aber unverändert weiter an diesem Thema arbeiten, denn immer noch warten über 230 Patienten aus dem Würzburger Einzugsgebiet auf eine neue Niere – und das teilweise schon über zehn Jahre“, betont Dr. Lopau.

Experten für Lebertransplantation am UKW zusammengezogen

Es ist der 4. Januar 2012, die 51-jährige Emma S. ist seit fast drei Monaten im Würzburger Uniklinikum in stationärer Behandlung. Eine fortschreitende Leberzirrhose infolge einer Virushepatitis bewirkt seit dem Sommer 2011 bei ihr immer wieder schwere Episoden des so genannten Leberkomas. Neben wiederkehrenden Blutungen aufgrund der eingeschränkten Blutgerinnung versagen seit einigen Wochen auch die Nieren ihren Dienst, eine häufige Folge des schweren Leberversagens. Heute ist eine geeignete Spenderleber für Frau S verfügbar geworden. Ein achtköpfiges Team aus Narkoseärzten, Chirurgen und Pflegekräften ersetzt in einer zehnstündigen Operation ihre kranke Leber gegen das Spenderorgan. Am folgenden Tag kann ihr Ehemann seine Frau auf der Intensivstation bereits in die Arme schließen, drei Wochen später wird Emma S. nach Hause entlassen. Sie ist die Vierte von insgesamt sieben Patientinnen und Patienten, die seit September 2011 am UKW eine neue Leber erhalten haben.

„Alle Patientinnen und Patienten haben die Operation und die schwere postoperative Phase gut überstanden und konnten nach spätestens 24 Tagen nach Hause oder in die Reha gehen“, freut sich Prof. Ingo Klein, der in der Chirurgischen Klinik I das Transplantationsprogramm leitet. Prof. Klein wurde im September 2011, nach fast dreijähriger Tätigkeit an der University of California in San Francisco, einem der größten Transplantationszentren in den USA, auf die am Würzburger Großkrankenhaus neu geschaffene Professur für Leber- und Transplantationschirurgie berufen. Neben dem anästhesiologischen Funktionsoberarzt Dr. Thorsten Smul, der sich ebenfalls mehrere Monate in San Francisco auf die neue Aufgabe vorbereiten konnte, wird das Lebertransplantationsprogramm seit Beginn dieses Jahres durch Prof. Andreas Geier in der Medizinischen Klinik II verstärkt, der vom Universitätsspital Zürich auf die ebenfalls neu geschaffene Professur für Hepatologie berufen wurde.

„Durch die Zusammenstellung dieses beispielhaften interdisziplinären Teams ist es dem Klinikum gelungen, die heimatnahe Versorgung von Patienten in Endstadien der Lebererkrankung optimal zu gewährleisten und den Transplantationsstandort Würzburg in seiner Bedeutung weiter zu stärken“, unterstreicht Prof. Christoph-Thomas Germer, Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie am UKW.

In den nächsten Monaten sollen die Wartelisten für Herz- und Lebertransplantation weiter ausgebaut werden. Zusätzlich soll ein Programm zur Bauchspeicheldrüsentransplantation das Angebot des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Würzburg abrunden. „Beide Maßnahmen erhöhen die Chancen auf weitere Organangebote für unsere Patienten und auf ein erfolgreiche heimatnahe Transplantation“ ist Prof. Leyh überzeugt.

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