Volkskrankheit Alzheimer – Früherkennung macht die Demenz-Erkrankung sichtbar

Mehr als die Hälfte aller Demenz-Fälle in Deutschland sind Alzheimer-Erkrankungen. Fortschritte in der Medizin können das Leiden der Betroffenen lindern.

Ob Herbert Wehner sie eindeutig hatte, ist ungeklärt. Ronald Reagan litt unter ihr und sprach darüber. Bei Rita Hayworth hieß es, sie sei eine Folgeerscheinung ihrer Alkoholsucht: die Volkskrankheit Alzheimer.Der Patenonkel mit seinen Gestern-war-alles-besser-Geschichten aus der tiefen Vergangenheit, der den Wochentag vergisst. Die Großmutter, die sich an ihren ersten Tanzabend erinnert, aber nicht weiß, wo sie ist. Die Tante, die nicht mehr sprechen kann und anderen immer mehr aus dem Weg geht – fast jeder kennt solche Beispiele und bringt sie mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung. Das ist nicht immer ganz korrekt.

Das Alter ist nicht immer schuld

Das Verhalten der Betroffenen muss nicht unbedingt etwas mit Alzheimer zu tun haben. Alle seelischen Veränderungen, die sich etwa in Sprach- und Orientierungslosigkeit zeigen, nennen Mediziner „Demenz“. Diese Demenz kann auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden. So führt eine Durchblutungsstörung im Gehirn zu einer Demenz, wenn sie nicht entsprechend medikamentös behandelt wird. Auch bei Funktionsstörungen der Schilddrüse und bei einem Mangel an Vitamin B 12 können vorübergehende Bewusstseinsmängel auftreten.

Steigende Zahlen bei Demenzerkrankungen

Dennoch: Die Alzheimer-Krankheit macht in Deutschland 50 bis 70 Prozent aller Demenz-Fälle aus. Häufig wird die Schwere der seelischen Veränderung des Betroffenen von den Angehörigen unterschätzt. Die Vergesslichkeit, der Orientierungs- und Sprachverlust werden häufig auf das Alter geschoben und ansonsten ignoriert. Weniger als ein Drittel der Demenzpatienten nimmt fachärztliche Hilfe in Anspruch und nur 15 Prozent werden stationär behandelt. Untersuchungen in mehreren westlichen Ländern haben ergeben, dass etwa drei Prozent der über 60-Jährigen an Alzheimer erkrankt sind. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden demografischen Entwicklung werden die Krankheitsfälle in Zukunft zunehmen. Studien gehen derzeit von 800.000 Alzheimer-Kranken aus und die Zahl wird in den nächsten Dekaden die Millionengrenze übersteigen.

Ursache der Alzheimer-Krankheit: Eiweißablagerungen

Nach wie vor ist immer noch nicht klar, wie die Krankheit entsteht. Die Wissenschaft hat früh herausgefunden, dass Eiweißablagerungen im Gehirn die Nervenzellen zerstören. Dies beeinträchtigt die Hirnfunktionen und führt zu allmählich auftretenden Gedächtnis- und Denkstörungen. Der deutsche Neurologe Alois Alzheimer entdeckte bereits 1907 diese Ablagerungen im Gehirn, daher wurde die Krankheit nach ihm benannt. Wie und warum es zu den veränderten Eiweißstrukturen kommt, ist noch ungeklärt.

Früherkennungstest für Demenzerkrankungen

Die international am häufigsten angewandte Methode zur Bestimmung des Denkvermögens ist der MMSE-Test (Mini-Mental-State-Examination). Dieser Test, der nur wenige Minuten dauert, beinhaltet Fragen, die Hinweise auf Merkfähigkeit, Sprache, Orientierung und Konzentration liefern. Der Demenzfrüherkennungstest TFDD (Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung) ist ähnlich, bezieht aber die Angaben und Beobachtungen der Angehörigen mit ein. Fällt einer dieser Tests positiv aus, so heißt das noch nicht, dass es sich um Alzheimer handelt. Um organische Ursachen für Störungen des Denkvermögens auszuschließen, nimmt der Arzt Blutuntersuchungen vor und führt röntgenologische Untersuchungen durch.

Alzheimer durch Röntgentechnik erkennbar

So genannte bildgebende Verfahren erlauben den Blick in den Körper eines Menschen und machen unter anderem die krankhaften Veränderungen im Gehirn sichtbar. Die Positronen-Emissions-Tomografie ermöglicht durch die Einnahme von radioaktiven Substanzen vor der Röntgenuntersuchung die Messung des Blutflusses im Gehirn. Auf Schichtbildern des Gehirns lassen sich verminderter Glukosewechsel und reduzierter Sauerstoffverbrauch feststellen. Beides sind Anzeichen für krankhafte Prozesse im Gehirn. Auf den Schichtbildern sind sie als fleckige Muster zu sehen. Die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), bekannter als Kernspintomografie, überprüft mit einem parallel durchgeführten Gedächtnistest die Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses. US-amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass sich beim Vorgang des Erinnerns bestimmte Hirnstrukturen durch die MRT abbilden lassen. Diese Methode macht verminderte Hirnsignale sichtbar. So ist eine Früherkennung von Alzheimer röntgenologisch möglich.

Linderung durch Medikamente

Heilen lässt sich Alzheimer nicht, aber lindern. Eine wichtige Bedeutung nimmt dabei die medikamentöse Behandlung ein. Zur Weitergabe von Informationen im Gehirn wird etwa der Botenstoff Acetylcholin benötigt. Im Verlauf der Alzheimer-Krankheit nimmt dieser rapide ab. Mit verschiedenen Medikamenten wird versucht, diesen Abbau zu bremsen. Die Medikamente, auch Acetylcholinesterase genannt, steigern die geistige Leistungsfähigkeit und verbessern die Bewältigung von Alltagssituationen. Ist die Krankheit fortgeschritten, werden häufig Antidepressiva und Psychopharmaka verordnet, außerdem werden Neuroleptika ergänzt. Mit diesen Mitteln will man das Ausmaß an emotionalen Verhaltensstörungen wie Aggressivität vermindern, ohne die Wahrnehmungen der Betroffenen einzudämmen.

Soziale Betreuung bei Alzheimer

Wichtig ist außerdem die soziale Betreuung des Erkrankten. Gedächtnisübungen, Sinnes- und Erlebnistrainings verlangsamen in der Regel den Verlauf von Alzheimer. Die pharmazeutischen Unternehmen Eisai und Pfizer gründeten die Alzheimer Hilfe (www.alois.de), die neben einem Informations- und Beratungsservice auch für Patienten und Angehörige Kontakte zu Selbsthilfegruppen vermittelt.

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