Volksmedizinische Rezepte der Roma und Sinti

Traditionelle Rezepte der Ròm sind wertvolles naturmedizinisches Wissen. Viele Inhaltsstoffe sind pharmazeutisch anerkannt und in Medikamenten enthalten.

Ihre alte Heilkunde ermöglichte dem verfolgten Volk der Roma und Sinti (Ròm) das Gesundbleiben und Überleben in einer überwiegend feindlich gesinnten Umgebung. Durch ihre Naturverbundenheit erwarben sie einen reichen Erfahrungsschatz. Er ermöglichte es den Ròm, aus der Natur zu lesen und sich ihre Kräfte zunutze zu machen.

Rezepte der Ròm mit Äpfeln

Äpfel enthalten Zucker, Pektine, organische Säuren, Gerbstoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Somit besitzen sie eine große Wirkungsvielfalt. So fördern sie die Verdauung. Dazu darf man den Apfel nicht schneiden oder schälen, sondern muss in großen Bissen davon essen. Dafür sollte die Frucht leicht erwärmt sein. Man kann sie am Lagerfeuer leicht anbraten. Jeder Bissen sollte gründlich gekaut werden. Wer in dieser Art jeweils morgens und abends einen Apfel isst, hat keine Verdauungsbeschwerden mehr, wenn keine schlimmeren Ursachen vorliegen. Apfelschalentee hilft bei Blasenstörungen. Man trocknet die Apfelschalen und reibt sie zu einem Pulver. Drei Esslöffel dieses Pulvers gibt man in einen halben Liter kochendes Wasser. Dann kühlt man den Tee aus und trinkt jeweils die Hälfte vor dem Mittagessen und das restliche Getränk vor dem Abendessen. Dieser Tee schmeckt und wirkt harntreibend.

Apfeltee lindert Gallenbeschwerden. Für diesen Gallentee schneidet man vier Äpfel mit Schale und Kerngehäuse in kleine Stücke. Dann kocht man alles zehn Minuten in einem Liter Wasser und lässt den Tee anschließend eine Stunde ziehen. Dann sollte man täglich vier Gläser über den Tag verteilt trinken. Mit einer Apfelpomade lassen sich wirksam Frostschäden und andere offene Stellen an Füßen behandeln. Man nimmt dazu eine Handvoll wilder Äpfel, entfernt die Kerne und zerstampft sie zu einem Brei. Diesen Brei verkocht man mit drei Löffeln frischer Butter, bis eine weiße Masse entsteht. Diese Apfelpomade lässt man auskühlen und kann dann reichlich die geschädigten Stellen der Füße damit bestreichen. Auch für aufgesprungene Lippen ist die Apfelpomade geeignet.

Rezepte der Ròm mit Heidelbeeren und Honig

Getrocknete Heidelbeeren helfen bei Durchfall und Darmerkrankungen. Dafür kann man sie einfach kauen und schlucken. Noch wirksamer ist das Abkochen getrockneter Beeren und Blätter. Man kocht einen Esslöffel voll mit einem Viertelliter Wasser etwa drei Minuten. Dann lässt man diesen Tee ebenso lange ziehen, bevor man ihn trinkt. Die Heidelbeere ist reich an Gerbstoffen, die den Durchfall beenden. Zucker oder andere Süßungsmittel dürfen nicht dazu gemischt werden, da sie abführend wirken. Heidelbeerblätter helfen gegen Blutzucker. Zuckerkranke sollten täglich einen Tee aus zwei gestrichenen Esslöffeln getrockneter Heidelbeerblätter trinken. Diese Mischung wird mit einem Viertelliter kochendem Wasser überbrüht. Auch dieser Tee darf nicht gesüßt werden. Man trinkt ihn über den Tag verteilt zwischen den Mahlzeiten.

Erleidet man Brandwunden, Hautabschürfungen oder andere Verletzungen, so streicht man reichlich Honig auf die betroffenen Stellen und lässt ihn eintrocknen. Das lindert Schmerzen und unterstützt die Heilung. Honig enthält vitaminreichen und hormonhaltigen Weiselfuttersaft. Weiterhin Zucker, Wachse und Kittharze. Dadurch heilen Wunden besser. Auch können Entzündungen und Eiterungen verhindert werden. Ein Esslöffel Honig in einem Glas lauwarmen Wasser morgens und abends getrunken soll die Fruchtbarkeit junger Frauen erhöhen. Auch wenn die Monatsregel bei Frauen gestört ist, wird diese Honigkur empfohlen. Zwei Löffel Honig täglich stärken das Immunsystem, wirken heilend und kräftigend.

Kräuterrezepte der Ròm

Bei asthmatischen Atembeschwerden und Bronchitis wird empfohlen, die Blätter des Huflattichs zu sammeln und zu trocknen. Später soll man sie wie Tabak verwenden und rauchen. Dill hilft stillenden Müttern den Milchfluss zu fördern und Blähungen beim Kind zu vermeiden. Dazu werden die getrocknete Dolde und Furcht dieser Pflanze in einem Viertelliter Wasser aufgekocht. Anschließend lässt man den Sud zehn Minuten ziehen, bevor man ihn trinken kann. Vor einer langen Wanderung schneidet man frisches Eisenkraut und legt sich Blätter und Blüten in die Schuhe. So beugt man schneller Ermüdung vor. Eisenkraut enthält ätherische Öle und Gerbstoffe. Es besitzt dadurch eine erfrischende Wirkung.

Ein Kräutertee aus je einem Löffel Lavendel, Thymian, Salbei und Rosmarin auf einen halben Liter Wasser hilft bei Verbrennungen. Mit dieser Flüssigkeit befeuchtet man die Brandwunde und tränkt feuchte Umschläge. Besonders geeignet bei Verbrennungen mit heißer Milch. Aufbauend wirkt der spezielle Kräuterwein der Ròm, bekannt als “Siffrit“. Er besteht aus herbem Weißwein, der mit Zitrone, Kümmel und Trester vermischt wird. Trester ist der Pressrückstand beim Wein- oder Obstpressen. Die in ihm enthaltenen Pektine wirken mobilisierend. Man bereitet Siffrit zu, indem man drei Liter Weißwein in einen Topf gibt. Dazu kommen der Saft von drei Zitronen, ein halber Stängel Vanille und ein Esslöffel Kümmelsamen. Dann wird ein Tuch aus Naturfaser über den Topf gelegt. Anschließend verschließt man den Topf darüber mit einem Deckel und lässt ihn eine Woche stehen. Nun filtert man die Flüssigkeit durch ein Tuch und gibt einen Achtelliter reinen Trester hinzu. Damit ist der Kräuterwein fertig. Getrunken in kleinen Mengen schenkt er Kraft und Fröhlichkeit.

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