Vorteile der ambulanten Alkoholtherapie

Was passiert bei einer ambulanten alkoholtherapie? Besonders geeignet für Selbständige und Führungskräfte. Selbständige, die alkoholkrank sind, können sich eine stationäre Therapie oft mangels Zeit nicht leisten. Die ambulante Therapie ist eine praktikable Alternative.

Bei der Alkoholentwöhnung durchläuft der Betroffene in der Regel eine stationäre Therapie, die zwischen acht Wochen und vier Monaten dauert. In dieser Zeit lebt der Alkoholkranke in einer Art „Käseglocke“, er wird vom Alltag draußen abgeschirmt. Nach der Therapie muss er sich wieder der Realität stellen, muss versuchen, dem Auf und Ab des Lebens ohne Alkohol gerecht zu werden. Oft wird dies als Schock empfunden und es kommt zu einem Rückfall.

Ein weiterer Nachteil der stationären Therapie: Selbständige und angestellte Führungskräfte können es sich nicht leisten, mal eben vier Monate lang aus dem Arbeitsleben zu verschwinden. Gerade für sie bietet sich eine ambulante Therapie an, die ebenfalls von der Krankenkasse bezahlt wird. Sie hat zudem den Vorteil, dass man sie neben der normalen Arbeit absolviert und dass niemand sonst davon erfährt.

Diese Therapiemöglichkeit ist noch relativ unbekannt, wird aber an Bedeutung zunehmen. Der zentrale Vorteil: Der Patient wird nicht aus seiner Lebens- und Arbeitsumgebung gelöst und hat die Chance, auf diese Weise seine Problematik direkt im Alltag in den Griff zu bekommen. Allerdings erfordert dies eine hohe Motivation und viel Eigeninitiative und Selbstverantwortung. Ganz wichtig: Die ambulante Behandlung ist eine Sache für Spezialisten und nicht für jeden Hausarzt oder „normale“ Psychotherapeuten.

Nur suchterfahrene Therapeuten wählen

Wer sich für eine ambulante Therapie entscheidet, sollte niedergelassene Ärztliche oder Psychologische Psychotherapeuten wählen, die über spezielle Aus- und Weiterbildungen und entsprechende Erfahrung verfügen. Für die Therapie von Abhängigkeitskranken reicht eine normale Psychotherapie-Ausbildung nicht aus. Abhängigkeitserkrankungen weisen eine ganze Reihe von Eigenheiten auf, was eine besondere Fachkenntnis erfordert.

Wer Therapieversuche bei durchaus qualifizierten, aber nicht suchterfahrenen Psychotherapeuten unternommen hatte, berichtet in aller Regel, er habe sich bereits in grundsätzlichen Fragen nicht verstanden gefühlt. So klagte ein Patient über fruchtlose Sitzungen mit seinem Therapeuten: „Wir müssen über das zentrale Thema reden können, nicht nur über das Drumherum. Dinge, die für mich eine Tragödie bedeuten, nimmt er nicht wichtig. Dann wird es ein gegenseitiges Spiel.“

Psychotherapie ohne spezifische Suchtaspekte ist zu wenig direktiv, nicht klar genug, bietet zu viele Möglichkeiten, sich selber – nicht nur den Therapeuten – weiter zu belügen. Nur ein suchterfahrener Therapeut kennt die typischen Störungen, die bestimmten Zusammenhänge und Verläufe. Der Alkoholiker und auch seine Angehörigen sind nun einmal gestört in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung, nur ein erfahrener Therapeut kann die „Sprüche“ und falschen Gedankengänge erkennen, die selbst dem Betroffenen nicht sofort bewusst sind. Zudem kennt der Suchtexperte das gesamte Hilfenetz und verfügt über die richtigen Kontakte und Kontaktadressen.

Ambulante Alkoholtherapie fordert motivierte Patienten

Die ambulante Therapie funktioniert nur bei gut motivierten Patienten. Gar nicht so selten suchen Patienten wegen Störungen, die erst aus dem Alkoholismus entstanden sind, einen Therapeuten auf, ohne sich bewusst zu sein, dass eigentlich der Alkohol das Problem ist.

Nötig ist die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit und zur Übernahme einer größeren (Mit-)Verantwortung. Vor und nach der Therapiesitzung muss es möglich sein, um die Kneipe an der nächsten Ecke einen Bogen zu machen. Der Vorsatz zur Abstinenz während der Therapie ist unabdingbar. Außerdem erfordert die Therapie eine ausreichende Frequenz und Regelmäßigkeit . Falls notwendig, sollte zuvor eine stationäre Entgiftung stattgefunden haben

Vor der eigentlichen Therapie finden probatorische Therapiesitzungen statt. In diesen Stunden klären Patient und Therapeut gemeinsam, ob sie miteinander arbeiten können. Sollte eine persönliche Abneigung bestehen, ist es nicht sinnvoll, die Therapie aufzunehmen. Außerdem ist zu prüfen, ob der Therapeut oder die Therapeutin für die Bearbeitung einer bestimmten Problematik optimal geeignet ist. Eine alkoholkranke Frau mit einem sexuellen Missbrauch in der Vorgeschichte dürfte bei einer Therapeutin besser aufgehoben sein, ein alkoholkranker Mann mit Gewaltproblematik besser bei einem Therapeuten.

Wichtig für Alkoholkranke: Selbsthilfegruppen besuchen

Ein wichtiger Punkt ist die Vereinbarung, dass der Patient während der ambulanten Therapie regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besucht und darüber auch berichtet. Die Gruppe gibt ihm vieles, was ihm die Einzeltherapie nicht geben kann: das Wissen und das Gefühl, nicht der einzige Alkoholkranke zu sein, das Erleben, wie es anderen geht, die Ähnliches durchgemacht haben, die schon weiter sind in ihrer Abstinenz, die schon mehr Übung darin haben, Probleme ohne das Suchtmittel zu lösen, aber auch beispielhaft, wie sie mit Rückfällen umgehen.

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