Warum der Dezember so anders ist

Der Monat Dezember, der in Dunkelheit, Stille und Geheimnisse gehüllt ist und Übergang von Alten zu Neuen ist, hat eine besondere Wirkung auf Menschen.

Der Dezember ist rein faktisch betrachtet nicht mehr als einer von zwölf Monaten im Lauf des Kalenderjahres. Und doch löst er innerlich eine so ganz andere Stimmung aus als die übrigen Monate. Hat es damit zu tun, weil der Dezember uns mit Dunkelheit und langen Nächten umgibt? Ist es wegen Weihnachten, das in der christlichen Welt gefeiert wird? Oder weil das Jahr sich dem Ende zuneigt und dazu anhält, über Vergangenes nachzudenken? Was hat uns besonders bewegt in den zurückliegenden zwölf Monaten? Schon die Römer feierten in dem Monat die Saturnalien, ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn, der als Herrscher des urzeitlichen goldenen Zeitalters galt. Die heidnischen Germanen dagegen feierten im Dezember den kürzesten Tag im Jahr und nannten ihn Yule; auch Jul ist gebräuchlich. Sie feierten ihn als den Tag der Wintersonnenwende, als die Geburt der Sonne und gleichzeitig als Beginn eines neuen Jahres. So nahm der Wintermonat Dezember schon immer eine besondere Stellung für die Menschen ein. Es verwundert deshalb nicht, dass sich im Laufe der Zeit viele Bräuche um ihn gebildet haben. Teils leben sie heute in verschiedenen Silvesterbräuchen weiter.

Der Dezember und seine vielen Bezeichnungen

Im römischen Kalender war der December der zehnte Monat (lateinisch decem = zehn) des 354-tägigen Mondkalenders. Im Jahr 153 vor Christus wurde der Jahresbeginn durch Gaius Iulius Caesar um zwei Monate vorverlegt. Dadurch entfiel dann die Namens- und Zählbeziehung. Die alte deutsche Bezeichnung für Dezember ist Julmond und erinnert wie erwähnt an die heidnischen Germanen und ihre Feier der Wintersonnenwende. Im frühen Christentum hieß der Dezember Christmond oder Christmonat, da Weihnachten als Christfest im Dezember gefeiert wird. Auch Heilmond ist bekannt, an die Anlehnung Christi, als Heilsbringer. Im Althochdeutschen hieß der Dezember Heilagmanoth: der Heilige Monat. Im Mittelalter war auch der lateinische Name (im Genitiv) gebräuchlich, nämlich DecembrisDustermond ist ebenfalls eine alte Bezeichnung für den Monat Dezember und leitet sich von finsterlichtarm ab.

Ein besonderes Erlebnis im Dezember ist eine Nachtwanderung

Die Nächte im Dezember sind etwas ganz besonderes. Schon um vier Uhr nachmittags fängt es an zu dämmern. Vielleicht liegt die Landschaft bereits unter einer Eis- und Schneedecke, und Frost stellt sich mit der Dämmerung ein. So werden im Dezember vielerorts so genannte Nachtwanderungen veranstaltet. Meist zwischen den Jahren, also zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen. Ausgerüstet mit Fackeln und warm angezogen geht es dann in so einer Winternacht hinaus aus den Städten und hinein in den Winterwald. Dunkelheit und Stille sind hier besonders spürbar und lassen die nächtlichen Wanderer bei derart Ungewohntem an frühere Zeiten denken.

Wie mag es wohl den Vorfahren ergangen sein, als das Leben noch nicht von Technik und Fortschriftt erleichtert war? Die Nachtwanderer können es sich nicht wirklich vorstellen. Der warme Atem vor ihren Gesichtern bildet in der kalten Luft Dampfschwaden. Rufe von nachtaktiven Vögeln sind zu vernehmen, von einer Eule, einem Käuzchen. Ein Reh nimmt Ausreiß vor den Fackelträgern. Im Unterholz ist ein Rascheln zu vernehmen. Ist es ein Fuchs? Ein Dachs? Dann wieder Stille, endlose Stille. Die lodernden Fackeln lassen Baumstrümpfe und Geäst gespenstisch gefährlich aussehen. Eine andere Welt tut sich den Nachtwanderern auf, fernab vom gleißenden Licht der Shoppingmeilen und Großstädte.

Ein Blick zum Sternenhimmel. Der ist in einer klaren Dezembernacht besonders eindrucksvoll und schön. Wie dunkler Samt, übersät mit Diamantensplitter ist er anzusehen. Der Mond hat sich dazu gesellt und rundet das Himmelszelt ab. Ein Bild, das die Nachtwanderer fasziniert. Die Frage nach dem Stern von Bethlehem, wie er in der Weihnachtsgeschichte erwähnt wird, tut sich auf in diesen Tagen. Wer weiß schon, ob es diesen Stern tatsächlich gab. Priester und Astrologen haben ebenso wie chinesische Sternforscher die Veränderungen beobachtet, die sich in der Anfangsphase des Christentums am Himmel zugetragen haben. Doch der „Stern von Bethlehem“ findet bei ihnen keine Erwähnung. Die Nacht, ohnehin etwas, das die Fantasie beflügelt, eine Nacht im Dezember draußen erlebt, tut es im besonderen Maße.

Die letzten Dezembertage regen zum Nachdenken an

Dezembertage, insbesondere die letzten Tage dieses letzten Monats im Jahr, halten zum Nachdenken an. Bilanz über das zurückliegende Jahr wird gezogen. Was war gut und bleibt positiv in Erinnerung, was war weniger gut. Über Menschen wird nachgedacht, die unseren Lebensweg nicht mehr kreuzen werden, weil sie übers Jahr verstorben sind. Mit ihnen schließen sich die Gedankengänge über Zurückliegendes und wenden sich Kommenden zu und wagen einen Ausblick auf die Zukunft. Was wird das neue Jahr bringen? Und wie zu allen Zeiten in diesen letzten Tagen, sind Menschen zwischen den Jahren, in den so genannten Rauhnächten, empfänglicher als zu jeder anderen Zeit im Jahr. Diese besonderen Tage im Dezember nämllich schließen die Vergangenheit auf und gewähren einen Blick zwischen die Welten.

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