Wie entsteht eine Lawine?

Lawinen – wie entstehen sie? Jeden Winter fordern Lawinen (das Wort leitet sich her vom lateinischen Wort labina = das Rutschen, Gleiten) viele Opfer. Nicht nur unvorsichtige Skifahrer zählen dazu. Im schlimmsten Fall versinken ganze Ortschaften unter den Schneemassen, die als Schneebretter oder Lockerschneelawinen zu Tal gehen. Durchschnittlich über 100 Menschen finden jährlich in den europäischen Alpen den Weißen Tod. Um dieser Gefahr begegnen zu können, ist es wichtig, die Ursachen zu erforschen. Damit befasst sich das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung.

Zwei Arten von Lawinen

Die Entstehung einer Lawine hängt von der Menge des Schnees, der Temperatur und den Windbedingungen ab. So entwickeln sich bei starkem Schneefall meist die sog. Lockerschnee- oder Staublawinen, welche von einem Punkt ausgehen und weniger gefährlich sind. Lösen sich größere Teile einer Schneedecke, spricht man von Schneebrettlawinen. Sie entstehen an Hängen mit einem Neigungswinkel von mehr als dreißig Grad. Schneebrettlawinen bewegen sich vorwiegend fließend fort und erreichen dabei bis zu einhundert Kilometer pro Stunde. In sehr steilem Gelände kann das Tempo der Schneemassen sogar auf bis zu dreihundert Kilometer pro Stunde anwachsen.

Schichtungen

Eine Schneedecke besteht regelmäßig aus mehreren Schichten von unterschiedlicher Konsistenz, bedingt durch wechselnde Temperaturen. Scheint bei schönem Wetter die Sonne auf ein Schneefeld, wird die oberste Schicht angetaut und gefriert bei nächtlichem Temperaturrückgang wieder. Auf dieser –nunmehr verharschten – Schicht findet Neuschnee nicht genügend Halt und kann sich mit der darunter liegenden Schneelage nicht verbinden. Innerhalb der Schneedecke entsteht infolgedessen ein Bruch und größere Teile lösen sich vom Hang. Dies kann spontan oder durch äußere Einwirkung geschehen.

Scherriss und Antiriss

Löst sich ein Teil der obersten Schneedecke und rutscht zu Tal, werden die umliegenden Bereiche mit erfasst. Wird also ein Riss zwischen zwei benachbarten Schichten größer, bezeichnen die Schneeforscher diesen Vorgang als Scherriss. Dass etwa Skifahrer oder Tiere diesen Prozess auslösen können erscheint logisch. Aber dass eine Lawine auch ohne direkte äußere Einwirkung, beispielweise am Hang oberhalb eines Skifahrers in Bewegung gerät, ist auf den ersten Blick nicht recht nachvollziehbar. Wissenschaftler erklären dieses Phänomen folgendermaßen: wird die oberste Schneedecke belastet, breitet sich der Bruch nach allen Seiten aus. Das hat wiederum zur Folge, dass instabile Zwischenschichten auf Grund des Gewichts der darüber liegenden Schneemassen kollabieren und in Bewegung geraten. So kann eine Lawine an einem anderen Ort als dem eigentlichen Auslösepunkt abgehen. Fachleute sprechen in diesem Fall von einem Antiriss.

Künstlich ausgelöste Lawinen

Um die Gefahr von Verschüttungen zu bannen, werden Schneefelder in für Menschen relevanten Gebieten genau beobachtet. Geraten Schneemassen in einen kritischen Zustand, werden sie kontrolliert in Bewegung gesetzt. Oft reichen dabei schon Schallwellen, um eine Lawine auszulösen. Meist werden aber spezielle Geschosse auf die Schneebretter oder den angrenzenden nackten Fels abgefeuert. Damit wird eine Art Mini-Erdbeben bewirkt und der Berg schüttelt seine Schneefracht ab. Einen natürlichen Schutz vor Lawinen bietet ein intakter Bergwald. Die Bäume verhindern nämlich große zusammenhängende Schneefelder und bremsen zu Tal donnernde Schneemassen.

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