Wie funktioniert ein Schutz vor Blitz in der Natur optimal

Tipps vom ADFC für Radfahrer. Ein Erfahrungsbericht von der Insel Norderney, der aufzeigt, welche Vorkehrungsmaßnahmen bei Gewitter schützen können. In den letzten Jahren sind Gewitter, die sich für Ausflügler, nach ihren bisherigen Erfahrungen, nicht deutlich genug ankündigten, häufig. Besonders Radfahrer, die eine Fahrt ins Gelände machen, sind im Fall eines Witterungsumschwunges, gefährdet. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gibt Verhaltenstipps für Radfahrer.

Sicherheitsvorkehrungen vor einer Radtour

Es ist gut schon vor der Fahrt genau zu wissen, welches Wetter vorhergesagt wird. Eine ausgezeichnete Möglichkeit im Internet, die Gefahr durch Wetterumschläge zu minimieren, ist das Wetterportal Wetter.info. Es ist günstig sich eine App auf sein Mobiltelefon herunter zu laden, damit jeder sich, zum Beispiel während einer Verschnaufpause darüber informieren kann, ob sich das Wetter auch weiterhin hält oder eine Programmänderung erfolgen muss. Wer seine Schäfchen sicher ans Ziel bringen will, kümmert sich ebenfalls um die Beantwortung der Frage, ob es an der Tour Unterkunftsmöglichkeiten und/oder ausreichend gesicherte Schutzhütten gibt, die im Bedarfsfall angesteuert werden können?

Woran wird ein Witterungsumschwung erkannt?

Gewitter kündigen sich gewöhnlich durch eine ungewöhnliche Hitze an. Menschen und Tiere sind leicht gereizt. Kühe blöken auf der Weide laut, Pferde laufen unruhig, oft mit rollenden Augen, ängstlich über die Weide. Manchmal sind auch Bauern mit dem Trecker unterwegs die Gegenstände oder Tiere schnell vor dem Unwetter bergen. Es sind heraufziehende Quellwolken und entferntes Donnergrollen, das Wanderer und Radfahrer verstärkt zu Schutzmaßnahmen aktivieren sollten.

Welche Maßnahmen müssen bei Gewitter unverzüglich getroffen werden

Wer oft mit dem Fahrrad fährt genießt die Natur meist nicht alleine, sondern mit der Familie und Freunden. Vor einer solchen Tour ist es wichtig, dass alle Mitfahrer die Verhaltensregeln im Fall eines Unwetters kennen und diesen auch folgen wollen. Damit alle wieder heil nach Hause kommen ist es notwendig den Anordnungen einer Person, ohne Diskussion, zu folgen. Im Lauf der Jahre haben sich einige Regeln als besonders wirkungsvoll erwiesen:

  • Bei einem drohenden Gewitter, besonders im freien Gelände, sofort vom Rad ab steigen
  • Auf keinen Fall das Rad fest halten, Griffe und Reifen sind keine ausreichende Isolierung
  • Sich möglichst weit vom Rad entfernen

Der Abteilungsleiter Verkehr und Technik, beim ADFC, Roland Huhn rät

Wer bei Unwetter Schutz in einer Hütte sucht, muss gesichert wissen, dass diese einen Blitzableiter hat. Bietet sich eine solche Möglichkeit nicht an, ist ein Wald, der möglichst gleich hohe Bäume hat, relativ sicher. Trotzdem sollte man sich vom Waldrand, den Baumstämmen und vom Schutz durch einzelne Äste fern halten. Auch einzeln herausragende Bäume und einzeln auf einem Feld stehende Bäume müssen im Fall eines Gewitters großräumig gemiedent werden.

Wo und wie hat können sich Ausflügler vor Gewitter schützen?

Wer, trotz aller Vorkehrungen, plötzlich von einem Unwetter überrascht wird, muss sich, so Roland Huhn, ähnlich wie ein Hase, gegen den Urinstinkt eines Menschen verhalten.

  • Falsch ist, den Schutz unter Bäumen suchen
  • Richtig ist, bei Gewitter die tiefste Stelle im Gelände ermittelt und aufgesuchten

Wer in der Gruppe fährt sollte darauf achten, dass die Teilnehmer sich nicht zusammen, sondern einzeln, in Rufnähe, praktischer weise über ihrem Gepäck, hin hocken. Die Arme sollen möglichst eng an den Körper gehalten und die Füße zusammen gehalten werden. Das sei, die Sicherste Stellung um sich vor einem Blitzeinschlag zu schützen.

Erfahrungsbericht von Norderney, wie sich Menschen bei Unwetter erfolgreich schützten

Im Sommer 1972 ereignete sich auf der Nordseeinsel Norderney ein Unwetter, das für einige Menschen tödlich endete, für andere, die sich an der gleichen Stelle befanden, harmlos ausging. Welche Vorkehrungen halfen den Einen und was führte zum Tod der Anderen?

Die Situation auf Norderney vor dem Gewitter

Es waren zu diesem Zeitpunkt nachweislich zwei unterschiedliche Kinder Gruppen mit ihren Betreuerinnen am Nordstrand und in den Dünen unterwegs. Die eine Gruppe bestand aus einer Erzieherin und etwa 30 Kindern, die zu Fuß auf dem Rückweg zum Kinderkurheim waren. Die zweite Gruppe bestand aus einigen Erzieherinnen und Hilfskräften, die sich mit einem gemieteten Bus auf dem Spielplatz in den Dünen, bei der Molkerei, aufhielten. Urlauber die verunglückten, befanden sich ohne Schutz am Strand.

Welche Vorkehrungen hatten die Menschen getroffen?

Die Erzieherin der ersten Gruppe war mit dem Wetter und der Umgebung nicht vertraut, weil sie erst vor wenigen Tagen ihre Stelle angetreten hatte. Sie und die ihr anvertrauten Kinder waren zum Zeitpunkt des Unglücks auf einer Anhöhe, kurz vor der rettenden Unterkunft, wähnten sich quasi schon im Trockenen. Es ist anzunehmen, dass sich auch die Kinder in der Umgebung nicht aus kannten. Die Urlauber am Strand hatten offensichtlich keine Vorkehrungen getroffen. Ihnen erschien es am Sichersten, nicht die Dünen aufzusuchen, sondern am Strand Richtung Stadt zu marschieren.

Die dritte Gruppe hatte sich zwar auch zu einem Aufenthalt am Strand entschlossen, es wurden aber vorher Sicherungsmaßnahmen getroffen: Es waren ausgebildete Erzieherinnen die schon lange auf der Insel lebten, die mit den Kindern, Neulingen und einigen Praktikantinnen unterwegs waren. Sie hatten ein festes Ziel: Badestrand und Spielplatz. Um dort hin zu kommen hatten sie einen Bus gemietet, der sie an einer vorher verabredeten Stelle, zu einem bestimmten Zeitpunkt, abholen sollte. Über den Ausflug war die Heimleitung informiert. Es war verabredet worden, dass der Bus bei ungünstigem Wetter die Gruppe früher abholen sollte. Busfahrer und Erzieherinnen waren gut miteinander bekannt und fuhren fast täglich miteinander.

Obwohl den Kindern ein Bad im Meer versprochen war, wurde dieses von Schwimmern des DLRG, schon bei den ersten Anzeichen eines Witterungsumschwunges abgesagt. Die 60 Kinder waren damit, da sie schon im Badeanzug vor dem Wasser standen, nicht einverstanden. Erwachsene und Kinder zog sich, trotz murren, gemeinsam ins Haus am Spielplatz zurück. Dort verspeisten sie den mitgebrachten Kuchen und labte sich an den Getränken. Die Stimmung verbesserte sich rasch, da tatsächlich ein heftiges Unwetter mit Regen, Sturm und Gewitter heraufzog und alle froh waren im geschützten Haus zu sein. Gegen die Angst einzelner Personen, half der gemeinsame, laute Gesang, mit Gitarrenbegleitung. Ungemütlich wurde es, als es einen sehr lauten Donnerschlag gab, der sogar einige Nieten in den Stühlen elektrisierte. Kinder sprachen davon, dass ein riesiger Blitz aus der bodennahe Steckdose zu sehen war. Verletzt wurde niemand. Gegen die Angst wurde weiter gesungen.

Wie wurde die anschließende Krise bewältigt?

Einige erfahrene Erzieherinnen beratschlagten, von den Kindern unbemerkt, was zu tun sei. Sie entschlossen sich, das Unwetter abzuwarten und rechneten damit, dass der Busfahrer flexibel reagieren werde. Sie sahen keine Gefahr, wollten sich aber über die allgemeine Lage informieren. Zu diesem Zweck verließ eine der Erzieherinnen das Haus. Schon kurze Zeit später kehrte sie zurück und berichtete von einem Unglück gleich vor der Tür. Von Polizei und Rettungskräften dort erfuhr sie vom Tod einer Erzieherin, der Verletzung zweier Kinder die an ihrer Hand liefen und vom verstörten herum irren der restlichen Kinder. Zum gleichen Zeitpunkt war wenige hundert Meter weiter, am Strand, wahrscheinlich von gleichem Blitz, ein Urlauber getötet worden. Alle Personen die sich im mit einem Blitzableiter versehenen Spielhaus und Geräteschuppen befanden, überstanden das Unwetter unbehelligt. Alle Kinder bekamen von den Vorfällen direkt nichts mit, da sie erst nachdem die Rettungskräfte abgezogen waren, schnell, durch den Regen, zum Bus eilten.

Welche Vorsichtsmaßnahmen hätten das Unglück günstig beeinflussen können?

Selbst wenn die Erzieherin mit Umgebung und Wetter vertraut gewesen wäre, war es von der Heimleitung unverantwortlich die Betreuerin mit so vielen Kindern alleine los zu schicken. Wie später bekannt wurde, wusste man im Heim nicht einmal wohin sie mit den Kindern gegangen war. Die mindesten Sicherheitsvorkehrungen vor einem Ausflug sind:

  • Besprechung wer mit wem wohin geht
  • Genügend Begleiter
  • Genaue Verhaltensmaßregeln bei Unwetter einüben

Zwei ergänzende Artikel: Tatsachen über die Entwicklung von Tornados in Deutschland und Klimaveränderung – Gefahr extremer Hagelstürme. Sie zeigen Gefahren und ihre Hintergründe an, die zukünftig verstärkt auftreten werden.

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