Wo hört „sich Sorgen machen“ auf und fängt Stalking an?

Der Begriff Stalking ist in der heutigen Zeit viel verwendet, doch wann ist es eigentlich Stalking und nicht mehr nur Sorgen machen?

Zwei Menschen lernen sich kennen. Sie mögen die gleichen Dinge, verbringen gerne Zeit miteinander, es ist alles sehr intensiv und passt einfach perfekt zusammen. Es scheint zumindest so. Es scheint fast zu perfekt zu sein, so dass einem schon fast Zweifel kommen können, wo da der Haken ist. Aber es scheint keinen zu geben.

Sie schreiben sich viele, liebe kleine Nachrichten, telefonieren, treffen sich. Alles ist einfach wunderbar. Sie fühlen sich wie im siebenten Himmel, sagen sich schon nach kurzer Zeit gegenseitig, dass sie sich lieben. Sie planen viele Dinge, die sie zusammen machen wollen, sogar schon Urlaub, nach nur wenigen Wochen. Und wenn es nur ein Kurztrip ist.

Doch dann fängt einer der beiden an, sich scheinbar zurück zu ziehen. Es ist so viel Arbeit angefallen, dass diese erst einmal erledigt werden muss. Klar. Ist ja auch vollkommen in Ordnung. Arbeit muss sein. Es muss ja auch das Geld reinkommen, damit man zusammen Urlaub machen kann. Vor allem, wenn derjenige selbstständig ist.

Doch immer häufiger treten auch andere Probleme auf. Die andere Person erkrankt – nicht schlimm, aber mit der kleinen Hoffnung, ein wenig gepflegt zu werden. Das Versprechen wird auch gleich gegeben. Doch auf einmal heißt es, es geht nicht, die Arbeit muss gemacht werden, lass uns nächste Woche weitermachen. Schock. Aber es ist alles gut, als sie sich trotzdem spontan treffen.

Ein paar Tage später der nächste Schock. Auf der anderen Seite passiert etwas Unerwartetes. Auf Grund diverser Missverständnisse erfolgt eine Festnahme. Da ist es doch nur selbstverständlich, dass man sich Sorgen macht. Doch der Festgenommene blockt und kapselt sich ab. Aufregung. Was ist da los? Ich will doch nur wissen, dass es dem anderen gut geht.

Nichts. Kein Kontakt.

Nach zwei Tagen dann Vorwürfe – nicht wirklich schlimm – dass man sich gestalkt fühlt.

Okay, also einen Gang zurück. Kein Drägeln mehr, dass man sich sehen könnte, weniger Nachrichten. Aber es scheint trotzdem alles okay.

Eine Woche später, man hat sich nicht gesehen, endlich wieder eine Verabredung. Aber … nicht erreichbar. Was ist da los? Es stellte sich heraus, dass die Technik versagt hat und deswegen kein Kontakt möglich war. Also wieder alles gut, man trifft sich, alles ist wieder schön.

Man verbleibt mit einem „Du sagst mir Bescheid, wenn Du Zeit hast und weißt, wie viel Arbeit auf Dich wartet.“ Doch die Nachrichten werden immer weniger, bis drei Tage später die nächste schlechte Nachricht wartet – ein Herzinfarkt.

Ist es nicht auch jetzt selbstverständlich, dass man sich sehen will und wissen, dass es dem anderen gut geht? Ist es heute schon zu viel, wenn man dem Freund – sei es nur „ein Freund“ oder „der Freund“ – einen Genesungsbesuch abstatten will.

Ist das schon Stalking? Oder ist das einfach nur Sorgen machen? Schließlich will man doch – wenn man der Meinung ist, den perfekten Partner gefunden zu haben mit dem man sogar schon ein „Ich liebe Dich“ ausgetauscht hat – diesen Menschen nicht wieder verlieren.

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