Dioxine und PCBs kommen über die Luft in Böden und Lebensmittel

Dioxine gibt es in Boden, Luft und Wasser: Über die Nahrungskette kommen sie in die Lebensmittel. Die Dioxin- & PCB-Belastung hat abgenommen und stagniert.

Fällt der Feldhase mitten im Feld über den Feldsalat her, mümmelt der Mümmelmann mit dem Feldsalat Dioxine; fällt der Fuchs mitten im Feld über den Feldhasen her, frisst Reineke Fuchs die Dioxine aus Meister Lampe: Dioxine und dioxinähnliche PCBs sind weltweit verbreitete Schadstoffe, sie kommen in allen Nahrungsketten der Erde in verschiedenen Konzentrationen vor. Futtert der Mensch als Allesfresser dem Vegetarier Feldhase den Feldsalat weg, nimmt der Mensch Dioxine auf; futtert der Mensch dem Raubtier Fuchs den Feldhasen weg, nimmt der Mensch Dioxine auf – der Mensch steht am Ende von Nahrungsketten: Nach wissenschaftlichen Schätzungen befinden sich etwa 0,05 Prozent aller poly-chlorierten Dibenzo-p-Dioxine (PCDD) und Dibenzo-Furane (PCDF) weltweit in und an lebendigen Organismen – an Pflanzen, in Menschen und Tieren.

Dioxine und PCBs – unpopuläre POPs in Boden, Luft und Wasser

Dioxine und poly-chlorierte Biphenyle (PCB) gehören als chemische Subtanzgruppen zum dreckigen Dutzend der zwölf gefährlichsten Verbindungen für uns Menschen und die Umwelt, man ordnet sie als POPs in die Gruppe der persistenten organischen Schadstoffe ein (Persistent Organic Pollutants). Man schätzt, dass sich

  • über zwei Drittel aller in die Umwelt freigesetzten Dioxine im Boden befinden,
  • knapp ein Drittel der Dioxine in Gewässer-Sedimenten vorkommen,
  • knapp ein Prozent der Dioxine in der Luft und als Staub umherschweben,
  • und sich etwa ein Prozent der Dioxine im Wasser verdünnisiert haben.

Während weltweit mehr als eine Million Tonnen PCBs nur durch industrielle menschliche Aktivitäten entstanden und freigesetzt wurden, entstehen Dioxine auch natürlich in geringeren Mengen bei Waldbränden und Vulkanausbrüchen.

Dioxin- & PCB-Belastung hat in Europa abgenommen

Die Quellen der Dioxin- und dioxinähnlichen PCB-Belastung unserer Umwelt sind normalerweise menschlichen Ursprungs: Dioxine entstanden vor allem durch thermische Prozesse in Müllverbrennungsanlagen oder Kohlekraftwerken oberhalb höherer Temperaturen von 300 Grad Celsius. Nach 1975 wurde die Herstellung von PCBs weltweit in vielen Ländern eingestellt und verboten, durch die verbesserte Reinigung der Rauchgase aus Müllverbrennungsanlagen entweichen seit 1990 auch in Europa weniger Dioxine in die Luft (siehe Abbildung 2 nach Europäischer Umweltagentur: PCDD und PCDF rot; PCB blau). Die Emissionen haben europaweit von 1990 bis 2000 deutlich abgenommen.

Dioxin- & PCB-Belastung stagniert in Deutschland

Nach der Berichterstattung atmosphärischer Emissionen in Deutschland stagnieren allerdings von 2000 bis 2008 die Dioxin- und PCB-Emissionen: Sie liegen in Deutschland jährlich bei etwa 17 bis 19 Kilogramm PCB und circa 76 Gramm Dioxin nach I-TEQ (Internationaler Dioxin-Toxizitäts-Äquivalent, total dioxin toxic equivalence). Heute stammen ungefähr ein Viertel der Dioxin-Schadstoffe aus der Befeuerung unserer Heizungsanlagen, besonders schädlich ist hier die verbotene Verbrennung von lackierten oder mit Holzschutzmitteln behandeltem Holz.

Dioxine und PCBs kommen über die Luft und mit Klärschlamm für Jahrzehnte in den Boden

In den Boden gelangen Dioxine und PCBs überwiegend über den Luftpfad, aber auch die landwirtschaftliche Düngung mit Düngern aus Klärschlamm kann dazu beitragen (siehe Diagramm-Schema nach Fraunhofer IME). Als chemisch langlebige oder persistente Schadstoffe betragen die Halbwertszeiten von PCDD, PCDF und PCB in Böden und Sedimenten bis zu einigen Jahrzehnten: Das Seveso-Dioxin 2,3,7,8-TCDD baut sich zum Beispiel je nach Bodenart innerhalb von 1 bis 14 Jahren um die Hälfte ab – in Gewässersedimenten baut es sich innerhalb 2 Jahre um die Hälfte ab. In kurzer Zeit lässt sich die Dioxin-Belastung unserer Umwelt also nicht beseitigen, über die in den Böden abgelagerten Dioxine kommt es immer wieder zur Verschmutzung von Futtermitteln und Lebensmitteln für eine abwechslungsreiche Diät mit Obst und Gemüse.

Weiterführende Literatur:

Bundesinstituts für Risikobewertung (2010): „Aufnahme von Umweltkontaminanten über Lebensmittel (Cadmium, Blei, Quecksilber, Dioxine und PCB). Ergebnisse des Forschungsprojektes LExUKon“ (BfR, 60 Seiten).

Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) (2010): „Expositionsbetrachtung und Beurteilung des Transfers von Dioxinen, dioxinähnlichen PCB und PCB“.

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