Vitamin E fördert den Knochenabbau bei Mäusen und Ratten

Die Beimengung von Vitamin E in ihr Futter führte bei Mäusen und Ratten zu einem deutlichen Abbau ihrer Knochenmasse.

Ein Zusatz von Vitamin E in ihrem Futter reduzierte die Knochenmasse der Nagetiere innerhalb von acht Wochen um etwa 20%. Offensichtlich fördert das Vitamin die Produktion von Zellen, die Knochenmaterial abbauen. Gesundheitsapostel empfahlen bislang Vitamin E aufgrund seiner zellschützenden Wirkung als Nahrungsergänzungsmittel, doch diese neuen Forschungsergebnisse könnten seinen guten Ruf schädigen.

Während die positive Wirkung der fettlöslichen Vitamine A, D und K auf Knochen bekannt und gut untersucht ist, ist der Einfluss von Vitamin E auf das Skelett noch weitgehend unklar. Wegen seiner erwiesenen antioxidativen Eigenschaften hielt man es bisher für einen wirksamen Schutz vor Arteriosklerose und Alterungserscheinungen. In den USA nimmt immerhin jeder zehnte Erwachsene tagtäglich Vitamin E als Nahrungsergänzungsmittel ein.

Ein Mangel an Vitamin E im Körper bedingt eine hohe Knochenmasse

Umso überraschender die Ergebnisse, von denen Shu Takeda und Kollegen in dem renommierten Fachblatt „Nature Medicine“ berichten: Zunächst verglichen sie die Knochenmasse von Mäusen, die unter chronischem Mangel an Vitamin E leiden, mit gesunden Artgenossen. Dazu verwendeten sie eine spezielle, genmanipulierte Art. Diese Mäuse wiesen eine viel höhere Knochenmasse in der Wirbelsäule und den langen Knochen auf als die Vergleichsgruppe – offensichtlich verursacht durch den Vitamin E Mangel. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sich Vitamin E auf die körpereigene Produktion von Knochen abbauenden Zellen auswirkt.

Störung des Gleichgewichts zwischen Knochenaufbau und -abbau

Im gesunden Körper herrscht nämlich ein ständiger Knochenumbau, der das Gewebe leistungsfähig hält. Knochen abbauende Zellen (Osteoklasten) stehen im Gleichgewicht mit Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten). Die gefürchtete Osteoporose beispielsweise wird manchmal behandelt indem man mit einer Salbe die Osteoklasten hemmt.

Die Forscher fanden heraus, dass die gängigste Form des Vitamin E im Körper, das so genannte Alpha-Tocepherol, die Bildung der Osteoklasten fördert und verstärkt. Die Substanz stört demnach das gesunde Gleichgewicht, was zum übermäßigen Knochenabbau führt. Anhand von Versuchen an kultivierten Knochenzellen im Reagenzglas und mit ausgefeilten Tracerexperimenten konnten die Forscher auch die komplizierten molekularen Grundlagen dieser Vorgänge klären.

Vitamin E im Futter führt zu verstärktem Abbau von Knochensubstanz

Deutlich wurde die potentiell schädliche Wirkung von Vitamin E auf die Knochenstabilität, als sie die Substanz gesunden Mäusen und Ratten ins Futter mischten. Die Dosis entsprach dabei der Menge, die üblicherweise als Nahrungsergänzungsmittel für Menschen empfohlen wird. Die Oberschenkelknochen der behandelten Tiere verloren im Vergleich zu ihren nicht behandelten Artgenossen sichtbar an Substanz, wie man in dem Foto (Mikro-CT Aufnahmen) gut erkennen kann. Oben links der Oberschenkelknochen einer unbehandelten Ratte, rechts einer Ratte die regelmäßig Vitamin E erhielt. Darunter sind beide vergrößert dargestellt.

Es besteht Forschungsbedarf

Ihre Ergebnisse widersprechen teilweise früheren Untersuchungen, was aber daran liegen könne, dass diese nicht so gut kontrolliert und umfangreich waren, merken die Wissenschaftler an. Angesichts der weitverbreiteten Einnahme von Vitaminpräparaten, die Vitamin E enthalten, seine ausführliche Forschungen an der Wirkung auf das menschliche Skelett dringend erforderlich.

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