Beckenbodentraining auch für Männer wichtig

Beckenbodentraining passiert meist hinter vorgehaltener Hand. Verbergen sich dahinter doch meistens eher peinliche Beschwerden wie Harninkontinenz.

Viele Männer erfahren erst nach einer Krankheit, dass sie einen Beckenboden haben, der mit Muskeln ausgestattet ist, die ebenso trainiert werden wollen wie Bizeps und Co. Wenn sie nämlich nach einer Prostata-Operation den Urin nicht mehr halten können. Harninkontinenz ist eine häufige Folge dieser Prostata-Eingriffe.

Die Muskulatur im Beckenboden soll die Blase in Position halten und die Harnröhre stützen. Nur so ist gewährleistet, dass ein Druck aufgebaut werden kann, um die Blase geschlossen zu halten.

Mit dem Alter erschlafft diese Muskulatur und es kann zu einer Harninkontinenz kommen. Harninkontinenz ist dann gegeben, wenn ein Patient nicht mehr in der Lage ist, den Urin in der Blase zu halten und so Ort und Zeitpunkt der Blasenentleerung selbst bestimmen zu können. Auch durch Übergewicht und schlechte Körperhaltung kann eine Inkontinenz begünstigt werden.

Warum der Beckenboden trainiert werden sollte

Dem Beckenboden und der ihn umgebenden Muskulatur schenken die meisten Männer Beachtung, wenn:

  • sie den Urin nicht mehr richtig halten können
  • sie nach einer Prostata-OP einnässen
  • sie Erektionsprobleme haben

Wahrscheinlich wissen sie sogar, dass ein entsprechendes Training diese lästigen und peinlichen Symptome eventuell verhindern könnte, auf Gymnastik zur Prävention lassen sie sich aber doch nicht ein. Männer machen keine Gymnastik, und für „unten rum“ schon mal gar nicht.

Dabei kann ein regelmäßiges Training wirklich vieles bewirken, und das oft in erstaunlich kurzer Zeit:

  • Training, schon vor dem operativen Eingriff an der Prostata, hilft – manchmal schon nach drei Wochen – den spontanen Urinabgang zu verhindern. Das erhöht die Lebensqualität ungemein.
  • Durch Training kann einer Vergrößerung der Prostata und Erektionsstörungen vorgebeugt werden.
  • Auch das sexuelle Lustempfinden kann durch regelmäßiges Training der Muskulatur im Beckenboden gesteigert werden, weil es die Durchblutung des Penis fördert.

Wo und was ist überhaupt die Beckenbodenmuskulatur?

Beim Menschen ist der Beckenboden bindegewebig, muskulös und befindet sich – wie der Name vermuten lässt – am Boden der Beckenhöhle. Er besteht aus drei Muskelschichten, die zwischen Steißbein, Schambein und den Sitzknochen wie ein Trampolin gespannt sind. Um dieses Muskelgeflecht zu finden, legen sich Männer am besten entspannt auf den Rücken und ertasten es am Damm zwischen Hodensack und After. Mit den Fingern ist die Muskelkontraktion zu spüren.

Krankenkassen unterstützen das Training

Es ist nie zu spät, das Training der Beckenbodenmuskulatur zu beginnen. Wichtig ist allerdings – und das in jedem Alter – regelmäßig zu trainieren. Meisten sind täglich fünfzehn Minuten ausreichend, verteilt auf drei Einheiten, so die Meinung der Experten. Und das Schöne – viele Übungen können sogar in der Öffentlichkeit, zum Beispiel im Büro, durchgeführt werden.

Sportvereine und Physiotherapie-Praxen bieten gezieltes Beckenbodentraining auch für Männer an. Geleitet werden diese Bewegungskurse von speziell dafür ausgebildeten und qualifizierten Übungsleitern, Trainern und Therapeuten. Die Kurse werden im Rahmen der gesundheitlicher Prävention oder Rehabilitation angeboten. Bei letzteren ist eine ärztliche Verordnung Voraussetzung für die Teilnahme.

Für die Präventionskurse ist eine solche Verordnung nicht erforderlich. Viele Krankenkassen unterstützen die regelmäßige Teilnahme mit einem Zuschuss zu den Kursgebühren (bis zu 80 %).

Die Teilnehmer lernen in den Kursen, ihren eigenen Körper deutlicher wahrzunehmen und bekommen Anleitung zu vielen Übungen, die sie auch zu Hause durchführen können.

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