CCC Mainfranken: Ein Spitzenzentrum der Krebsmedizin

Anfang Juli 2011 hat die Deutsche Krebshilfe das Comprehensive Cancer Center Mainfranken als onkologisches Spitzenzentrum anerkannt.

Die Deutsche Krebshilfe hat am 6. Juli 2011 in Berlin die Ergebnisse der Begutachtung von Onkologischen Spitzenzentren vorgestellt. Zu den Onkologischen Spitzenzentren gehört jetzt auch das Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken an der Universität Würzburg: Das Team um Prof. Ralf Bargou – Direktor des Zentrums – konnte die internationalen Gutachter und Experten der Deutschen Krebshilfe davon überzeugen, dass es die Kriterien für eine interdisziplinäre Patientenversorgung auf höchstem Niveau erfüllt. Daher wurde der Universitätsstandort Würzburg in das Programm aufgenommen.

Warum ein Zertifizierungs- und Anerkennungsprozess?

Die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren durch Fortschritte in der Vorbeugung, Früherkennung, Diagnostik und Therapie deutlich verbessert. Wozu braucht es dann ein so aufwändiges Zertifizierungs- und Förderungssystem, wie es die Deutsche Krebsgesellschaft (Berlin) und die Deutsche Krebshilfe (Bonn) praktizieren? „Trotz aller Erfolge sind die Standards der medizinischen Versorgung von Krebs-Patienten bundesweit bislang noch sehr unterschiedlich“, erläutert Prof. Bargou. „Der Zertifzierungsprozess fördert die Etablierung von Zentren, um allen Krebskranken eine noch bessere, individuell zugeschnittene Behandlung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu ermöglichen.“ Mit einem erfolgreichen Zertifizierungsverfahren weisen die Krankenhäuser und Netzwerke nach, dass sie die hohen Anforderungen an die Versorgung onkologischer Patienten erfüllen.

Organkrebszentrum und Onkologisches Zentrum

Im Zertifizierungs- und Anerkennungsprozess gibt es für die Zentren drei Ebenen, die sich im jeweils geforderten Leistungsangebot unterscheiden. Die Basis stellen die Organkrebszentren dar, in denen häufige Tumorarten wie Brustkrebs, Darmkrebs oder Prostatakrebs behandelt werden.

Die zweite Ebene bilden die Onkologischen Zentren. In Onkologischen Zentren werden mindestens zwei Organkrebszentren und – falls vorhanden – weitere Behandlungseinrichtungen für Tumorerkrankungen zusammengefasst. Ziel ist es, möglichst viele Querschnittfächer, wie zum Beispiel Tumordokumentation, Chemotherapie und Psychoonkologie, an einer Einrichtung zentral zu koordinieren. „Dies sorgt für einheitliche Konzepte, steigert die Effizienz und fördert eine zentrale Qualitätskontrolle“, beschreibt Dr. Jutta Riese, Geschäftsführerin des CCC Mainfranken.

Diese Ebene hat das Onkologische Zentrum des Universitätsklinikums Würzburg als Einrichtung des CCC Mainfranken bereits im November 2010 durch eine entsprechende Zertifizierung erreicht. Seither umfasst das dortige Onkologische Zentrum ein Brustkrebszentrum, ein Hautkrebszentrum, ein Darm- und Pankreaszentrum sowie die Versorgung von Patienten mit hämatologischen Neoplasien, gastrointestinalen, thorakalen, urogenitalen und Tumoren des Nervensystems, Sarkomen, endokrinen Tumoren, Schilddrüsenkarzinomen und Tumoren aus dem Kopf-Hals-Bereich.

Onkologisches Spitzenzentrum mit Netzwerkstruktur

Während die erste und zweite Ebene von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert werden, hat die Deutsche Krebshilfe ergänzend dazu nach US-amerikanischem Vorbild Förderprogramme für Onkologische Spitzenzentren, so genannte Comprehensive Cancer Centers, ausgeschrieben. Nur universitäre Zentren können sich als Spitzenzentren bewerben. Diese dritte, zusätzliche Ebene außerhalb des eigentlichen Zertifizierungsrahmens, hat das CCC Mainfranken nun erreicht. „Um als Spitzenzentrum anerkannt zu werden, muss die Einrichtung neben der Spitzenmedizin auch bahnbrechende Erfolge in der Forschung nachweisen und das Netzwerk mit den regionalen Mitgliedseinrichtungen stärken“, berichtet Prof. Bargou. Letzteres weist daraufhin, dass das CCC Mainfranken keine auf das Universitätsklinikum Würzburg beschränkte Einrichtung ist, sondern vielmehr die Krebs-Kompetenz der gesamten Region bündelt. „Wir kooperieren intensiv mit Kliniken und niedergelassenen Fach- und Hausärzten in Mainfranken. Dabei veranstalten wir gemeinsame Tumorboards und Fortbildungen und unterstützen bei der Tumordokumentation“, schildert Prof. Berthold Jany, Missionsärztliche Klinik Würzburg. „Einen Teil der Fördersumme werden wir auch gezielt einsetzen, um die gemeinsame Durchführung klinischer Studien zu verstärken“, ergänzt Bargou. Weitere Mitglieder des Spitzenzentrums sind neben der Missionsärztlichen Klinik das Juliusspital in Würzburg, das Klinikum Aschaffenburg, das Leopoldina Krankenhaus in Schweinfurt, das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, das Klinikum Coburg und das Thoraxzentrum des Bezirks Unterfranken in Münnerstadt. Hinzu kommen Facharztpraxen in Würzburg, Schweinfurt, Wertheim und Aschaffenburg.

Eine Speerspitze der Krebsforschung

Eine Kernaufgabe Onkologischer Spitzenzentren ist die Krebsforschung. Sie arbeitet darauf hin, dass Ergebnisse aus der Laborforschung möglichst rasch in neue Therapieansätze umgesetzt und den Patienten angeboten werden können. Beim CCC Mainfranken wird dies durch die seit dem Jahr 2008 bestehende Early Clinical Trial Unit (ECTU) möglich. Prof. Bargou erläutert: „Es gibt Formen und Stadien von Tumorerkrankungen, bei denen konventionelle Behandlungsmethoden an ihre Grenzen stoßen. In diesen ansonsten therapeutisch aussichtslosen Fällen können wir vielen Kranken weitere Angebote machen.“ So kann die ECTU als Studienambulanz zum Beispiel zum Wohle der Patienten mit neuen, experimentellen Substanzen und Behandlungsverfahren therapieren.

Die am 6. Juli 2011 zugesagte Förderung für das CCC Mainfranken beträgt eine Million Euro pro Jahr über einen Zeitraum von drei Jahren. „Wir werden die insgesamt drei Millionen Euro mit dem Ziel einsetzen, die Behandlung und Begleitung von Tumorpatienten noch weiter zu verbessern“, unterstreicht Prof. Bargou.

Eines von bundesweit elf Spitzenzentren

Die Deutsche Krebshilfe fördert Onkologische Spitzenzentren in Deutschland seit dem Jahr 2007. Als neues Fördermitglied stößt das CCC Mainfranken zu bundesweit zehn anderen Zentren dazu. Damit reiht sich Würzburg ein in eine Riege mit den Universitätsstandorten Berlin, Dresden, Erlangen/Nürnberg, Essen, Frankfurt/M., Hamburg, Heidelberg, Köln/Bonn, Tübingen und Ulm. „Diese elitäre Gruppe bildet ein Netzwerk, das im Rahmen von Arbeitsgruppen Standards für verschiedene Themen in der Onkologie erarbeitet und damit auch politischen Einfluss nimmt“, ergänzt Prof. Bargou.

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