Die Rettung der Maori-Muttersprache

Eine Erfolgsgeschichte aus Neuseeland zum Tag der Muttersprache. Drei neuseeländische Basisbwegungen haben es mit staatlicher Hilfe geschafft, die Maori-Sprache vor dem Aussterben zu bewahren. Ein Rückblick auf die letzten 40 Jahre.

Als ich in den späten 50er Jahren an einer Oberschule in Neuseeland unterrichtete, sagten viele der Maori-Jungs in meiner Klasse, dass sie zuhause Maori sprächen. Aber in den 70ern ergab eine Studie, dass nur wenige Kinder – wenn überhaupt – in ihrer Muttersprache erzogen wurden. Die Wiederbelebungsbewegung der Maori-Sprache begann in den späten 70er Jahren mit ein paar Universitätskursen, aber sie war auf drei Basisbewegungen in den 80er Jahren gestützt, die staatliche Unterstützung und Anerkennung bekamen.

Maori-Bewegung Te Ataarangi

Die erste war Te Ataarangi. Katerina Mataira, eine bekannte Maori-Schriftstellerin und Lehrerin an der Waikato University, war beeindruckt von der Silent-Way-Methode für Sprachunterricht, die Caleb Gattegno mithilfe von Cuisinaire-Stäben entwickelt hatte. Sie hat sie einem anderen Aktivisten, Ngoingoi Pewhairangi, demonstriert, der bei der Ausbildung der ersten Tutoren half. Sie gründeten Te Ataarangi. Das erste jährliche Treffen fand in Mangatu statt, einem Maori-Dorf in der Nähe von Gisborne. Dieser Ort wurde ausgewählt, weil er mit dem Ringatu-Glauben assoziiert wird, einer religiösen Gemeinschaft, die 1867 durch Te Kooti Rikirangi nach seinem Studium des Alten Testaments gegründet wurde.

Die fünf Grundregeln von Te Ataarangi sind: „Sprich kein Englisch, verhalte dich nicht unangemessen; schubse andere nicht oder verhalte dich anderen gegenüber herablassend; wenn du dran bist, darfst du antworten; behalte anderen gegenüber eine positive Einstellung.“ Kurse sind für Nicht-Maoris offen. Te Ataarangi betont Spiritualität und strebt an, eine Verbindung zu schaffen zur Sprache, zur whakapapa (Ahnen) einer Person und zur Maori-Kultur. Manche Tutoren betrachten die Kurse fast wie eine religiöse Erfahrung, andere versuchen, die Atmosphäre einer traditionellen wananga (Maori-Schule) zu etablieren, um ihren Schülern zu ermöglichen, den Alltagsdruck und persönliche Ängste hinter sich zu lassen.

Te Ataarangi und Waikato Polytechnic

Das Te Ataarangi-Programm behauptet, bisher über 30.000 Lernwilligen die Sprache beigebracht zu haben. Es ist in zehn Regionen organisiert, jede mit Ablegern mit unterschiedlich vielen Lehrern und Mitgliedern. Jede Region sammelt Mitgliedschaftsbeiträge von 20 NZ-Dollar ein, niemand wird ausgeschlossen und die Mitgliedschaft umfasst alle, die sich über Freunde und Familie Te Ataarangi anschließen möchten. Es gibt daher keine Schätzung der Mitgliederzahlen.

Ab 1985 war es ein Jahrzehnt lang mit der Waikato Polytechnic verbunden, ab 2003 mit staatlicher Unterstützung als tertiäre Bildungseinrichtung namens Te Whare Wananga o Awanuiarangi etabliert. Gemeinsam haben sie 2000 angefangen, einen Bachelor-Studiengang und weitere zertifizierte Programme anzubieten. Es gab Meinungsverschiedenheiten zwischen Te Ataarangi, einer hochgradig informellen Organisation, und der Universität mit ihren festen Kursen und Regularien. In der Zwischenzeit hatte Te Ataarangi zu anderen Institutionen Kontakt: Nelson Marlborough Institute of Technology, The Western Institute of Technology at Taranaki (Te Wananga Maori), Auckland University of Technology und Auckland Teachers College.

Maori-Bräuche und -Traditionen

Te Ataarangi ist eine wichtige Komponente in der Wiederbelebung der Maori-Sprache, die die Lücke zwischen den übriggebliebenen älteren Muttersprachlern und Kleinkindern schließen will, die die Sprache in Vorschul- und Schul-Programmen lernen. Es ist eine Basisbewegung mit wenig externer Unterstützung, die eher wie eine Großfamilie funktioniert als wie eine Bildungsinstitution. Während Schüler lernen, binden sie sich an ihre Mitschüler und diese Bindung weitet sich aus auf die ganze whanau (Großfamilie) von Te Ataarangi.

Te Ataarangi betont die Bewahrung der Maori-Bräuche und -Traditionen, inklusive Tätowieren, das Erlernen von traditionellem Handwerk wie Weben, das Komponieren und Aufführen von Liedern und Tänzen – alles in einer spirituellen Atmosphäre, die ihre religiöse Assoziation wiederspiegelt. Ihre Anführer sind Maori-Aktivisten, aber sie konzentrieren sich auf sprachliche und kulturelle statt auf politische Aktivitäten und auf die Entwicklung wirtschaftlicher Macht für die Sippen, die für Siedlungen gekämpft und unter dem Waitangi Tribunal erhalten haben.

Sprachnester zur Spracherneuerung

Te Ataarangi bekam bald Gesellschaft von kohanga reo (Sprachnester), 1981 vorgeschlagen bei einem Treffen von Maori-Anführern und -Pädagogen, die meinten, dass Großeltern, die noch fließend sprechen und mit Vorschul-Kindern arbeiten, der schnellste Weg zur Erneuerung der Sprache seien. Die ersten beiden wurden 1982 in Vororten von Wellington eröffnet und trafen sich in Kirchenräumen. Ich war später im Jahr in Wellington und habe sie besucht.

Zwei starke Eindrücke sind geblieben – ein Großvater, der einen Zweijährigen vor eine Tafel setzte, und englisch sprechende ältere Kinder, die nach der Schule kamen, um ihre Geschwister abzuholen. Die Bewegung breitete sich schnell aus: Bereits 1983 gab es Hunderte Center, bis 1987 500 und 1994 über 800. Jetzt wird sie von einer Stiftung verwaltet und erhält staatliche Finanzierung.

Maori-Schulen

Viele Eltern waren mit der Vorschul-Erfahrung so zufrieden, dass sie sich eine Ausweitung wünschten. Das Hauptergebnis war die Entwicklung von unabhängigen Maori-Immersions-Grundschulen. Es gab eine unabhängige Maori-Schule, als ich Neuseeland 1987 besuchte, um mir zweisprachige Maori-Bildung an staatlichen Schulen anzusehen. Während meines Aufenthalts in Auckland wurde ich zu einem Treffen der whanau einer Auckland kohanga reo eingeladen, die auf der Suche nach einer Grundschule war, die das Maori ihrer Kinder erhalten würde.

Unerfolgreich bei ihrer Suche, gründeten sie ihre eigene unabhängige Schule und nannten sie kura kaupapa Maori. Ihr Ansatz wiederspiegelte die kohanga reo: In der Schule würde nur auf Maori unterrichtet werden – Englisch war lange auf dem Schulgelände verboten – und die Leitung sollte in den Händen der whanau (Großfamilie: Eltern, Lehrer und Kinder) sein. Auch diese Idee wurde populär und bis 2006 wurden 71 einzelne kura gegründet, finanziert durch eine Bildungsrevolution, durch die jede Schule in Neuseeland eine unabhängige Bildungseinheit wurde mit einem eigenen Kuratorium.

Optimistischer Ausblick für Maori-Sprache

Diese drei Basisbewegungen bilden den Kern der Wiederbelebungsbewegung der Maori-Sprache als Muttersprache. Sie werden unterstützt durch die staatliche Anerkennung von Maori als Amtssprache, Maori-Unterricht an staatlichen Schulen und der Gründung von maori-sprachigem Fernsehen.

Insgesamt haben 40 Jahre Basisbewegung und staatliche Aktivitäten erreicht, die Maori-Sprache aus dem ernsthaft gefährdeten Zustand zu befreien, in der sie sich in den 60ern befand. Die Anzahl der Sprecher wurde erhöht, wichtiger noch, es gibt jetzt jüngere Sprecher, Anzeichen eines erneuten Gebrauchs zuhause und Eltern die beginnen, mit ihren Kindern die Sprache zu sprechen. Es gibt staatliche Anerkennung und Unterstützung, sowie Toleranz für die Sprache unter Nicht-Maori.

Man darf annehmen, dass die ehrgeizigeren Ziele mancher Aktivisten – alle Maori und die meisten Neuseeländer sollen die Sprache sprechen – überoptimistisch sind und es gibt sogar Anzeichen eines Plateaueffekts bei den Immersionsprogrammen, aber mit kontinuierlichen gemeinschaftlichen Anstrengungen kann Maori als eine der wenigen bedrohten Sprachen zuversichtlich auf die nächsten 100 Jahre blicken.

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