Die Skater vom Dom – vom Umgang mit Fehlern

Die Skater am Kölner Dom zeigen, wie Fehler produktiv bewältigt werden können.

Fehlerbewältigung, der produktive Umgang damit ist ein hässliches Dauerthema. Es ist ja irgendwie schwierig, über den Splitter im Auge des Nachbarn zu debattieren, während man selbst schwer an seinem Balken trägt.

Vertuschte Fehler

Es gibt so viele, dumme Fehler. Fehler passieren uns ständig, jeden Tag, und sie zu verschleiern, führt manchmal zu Katastrophen. Vertuschte Fehler vertuschen Lernmöglichkeiten. Vertuschte Fehler vertuschen Ängste und machen Angst. Vertuschte Fehler führen zu weiteren vertuschten Fehlern. Vertuschte Fehler verhindern, Fehler zu überwinden.

Vielleicht kommt eines Tages der Tag, an dem wir perfekt werden, ohne unsere Fehler zu überwinden. Ich glaube nicht, dass das so passieren wird, auch wenn ich mich danach sehne, in einer Welt zu leben, wo ich und andere weniger Fehler machen.

Reden und Nichts-Tun

Wir vertuschen Fehler, oder wir beschimpfen die, denen wir sie zuschreiben. Kinder können wir ermahnen, Partner anraunzen, Mitarbeiter rügen. Hilft alles nichts, macht nur schlechte Stimmung, und verdirbt oft genug einem selbst die gute Laune, manchmal auch den eigenen Ruf. Das hilft alles nicht weiter. Auch die anderen, unsere Berater und Therapeuten, die reden nur, die tun ja nichts. Dürfen sie ja auch gar nicht. Ist ja nicht ihr Job.

Das deutsche Zentrum für produktive Fehlerbewältigung

Kommt nach Köln, auf die Domplatte. Dort ist das informelle deutsche Zentrum für produktive Fehlerbewältigung: Die Skater vom Dom. Jeden Tag, zu jeder Jahreszeit, nur morgens und bei Regentagen ist das Zentrum schütter besetzt. Die Skater vom Dom sind eine informelle, fluktuierende Gruppe in der keineswegs jeder jeden kennt.

Öffentliche Fehler

Ihre Gemeinsamkeit, ihre Marke, ihr USP: Sie machen öffentlich Fehler. Manche von ihnen stehen ganz sicher auf den Brettern, viele gar nicht so sehr. Sie fahren, machen Drehungen, fahren Figuren, alles Sachen, die sicher irgendwelche geheimen, coolen Namen haben. Na ja, machen. Sie üben noch, die Skater vom Dom. Die Domplatte ist ein recht belebter Platz. Manchmal passieren den Skatern Fehler, dass ich mich weg wenden muss, um nicht vor Lachen zu implodieren. Das wäre ungefähr so, als würde sich ein Adept der Querflöte irgendwo an eine Ecke stellen und aus reiner Freude Musik machen, ohne Klingelkästchen, in den man aus Mitleid oder Achtung etwas hineinwerfen kann. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur an die Möglichkeit denke, mich auf diese Art zu blamieren.

Die Skater von der Domplatte haben einen Mut im Leib, der größte Bewunderung abverlangt. Sie üben, oft auf einem Niveau, das ich freundlich als Liebhaberniveau bezeichnen würde, und machen einen Fehler nach dem anderen. Losfahren, Fehler machen, stoppen, losfahren, Fehler machen. Bis es klappt oder zumindest etwas besser klappt. Blaue Flecke natürlich inklusive.

Die Gruppe

Das machen Jungen, die gerade der Grundschule entwachsen sind, wie erwachsene Männer. Es ist eine Gemeinschaft der Lernenden auf sehr unterschiedlichen Lernniveaus. Hüfthängende Jeans sind in der Überzahl, aber deutlich nicht Pflicht. Manche Bretter sehen teuer aus, andere ziemlich billig. Jeder darf mitmachen. Und keiner wird ausgelacht.

Tun

Das erfordert Übung. Das erfordert ständiges Tun. Das erfordert Mut und eine gewisse gütige Gelassenheit eigenen und anderen Schwächen gegenüber. Die Skater können nicht unbedingt mit ihren Brettern umgehen, mit ihren Fehlern aber schon. Sie werden weit damit kommen, da bin ich mir sicher. Es kommt mir sehr männlich vor. Sehr sexy.

Die Domplatte, das deutsche Zentrum für produktive Fehlerbewältigung. Hast du das Instrument? Lass uns losgehen.

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