Die Wiederentdeckung der Langsamkeit: Yin Yoga von Paul Grilley

Yin Yoga ist der Ruhepol unter den modernen Yogastilen. Der Fokus liegt auf der Dehnung des Bindegewebes. Dafür werden die Übungen lange und still gehalten.

Yoga, so wie er im Westen praktiziert wird, konzentriert sich meist ausschließlich auf die dynamische, rhythmische Kräftigung und Dehnung der Muskulatur. Rhythmus und Dynamik sind zwei typische Aspekte des Yang, genauso wie Bewegung, Veränderung oder Aufstieg. Auch Sportarten wie Joggen, Radfahren, Krafttraining, Ballspiele oder Schwimmen basieren auf dem Konzept des Yang. Der Gegenpol dazu ist nach taoistischer Lehre das Ying, welches eher statisch, versteckt und beruhigend ist. Der Amerikaner Paul Grilley hat in Anlehnung an die taoistischen Lehren einen Yogastil entwickelt, welcher sich auf die Flexibilität der Gelenke und des Bindegewebes, welches die Gelenke umgibt, konzentriert: Yin Yoga.

Yin Yoga versteht sich nicht als geschützte Marke. Der Name steht vielmehr für nur einen Teil eines größeren Konzeptes, genannt „Taoistischer Yoga“.

Ying und Yang im Alltag

Ying und Yang beschreiben alle Aspekte von (Natur-)Erscheinungen und bilden jeweils den Gegenpol des anderen. Ohne Ying kann kein Yang existieren und ohne Yang kein Ying. Es müssen immer beide vorhanden sein. Alles was existiert, kann durch Ying und Yang charakterisiert werden: Gedanken, Steine, der Körper und eben auch Yoga-Asanas.

Ying und Yang im Yoga

Betrachtet man den menschlichen Körper, dann sind alle Muskeln dem Yang zugeordnet, da sie weich und elastisch sind. Das Bindegewebe hingegen gehört dem Ying an. Es ist steif und unelastisch. Wenn wir im Yoga unsere Übungen machen und unsere Gelenke bewegen, werden sowohl Muskeln als auch Bindegewebe gedehnt. Die meisten Yoga-Stile wie zum Beispiel Ashtanga, Power Yoga, Vinyasa Flow, Jivamukti oder Bikram Yogakonzentrieren sich primär auf den muskulären Part und weisen damit zu viel Yang auf, welches nicht durch Ying-Übungen ausgeglichen wird.

Was macht Ying Yoga?

Ying Yoga konzentriert sich in seinen Übungen auf die Dehnung des Bindegewebes, welches sich um die Gelenke herum befindet. Der entscheidende Unterschied zu anderen Yogastilen ist, dass im Yin Yoga die Asanas sehr lange gehalten werden, manchmal bis zu zehn Minuten. Dadurch ist es möglich, das Bindegewebe zu verändern. Dieses kann nicht durch dynamische Bewegungen gedehnt werden, sondern nur durch kontinuierlichen Druck bzw. Wärmezufuhr. Man stelle sich dafür ein Kaubonbon vor, welches auseinandergezogen werden soll: am Anfang wird man feststellen, dass eine Dehnung durch bloßes Ziehen unmöglich ist. Entweder es passiert gar nichts oder man reißt das Bonbon auf einmal in der Mitte durch. Hält man es jedoch eine Weile in der Hand, dann wird es weich und kann geformt werden – so wie das Bindegewebe, während einer länger dauernden Asana.

Typische Übungen aus dem Yin Yoga

Yin Yoga unterscheidet sich in seinen Übungen nicht erheblich von klassischen Stilen, die Asanas tragen teilweise nur andere Namen. So praktiziert man die Schnecke (sonst: Pflug), den schlafenden Schwan (sonst: Taube) oder das Baby (sonst: Heuschrecke).

Für wen Yin Yoga geeignet ist

Yin Yoga ist für jeden geeignet. Die sanften Übungen und ihre Modifikationen ermöglichen sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen eine effektive Yogapraxis. Yin Yoga sollte von jedem praktiziert werden, der sich sonst sehr yanglastig bewegt, also (Leistungs)Sportler und Yogis aus dynamischen Stilen. Aber auch zur Rehabilitation oder für ältere Menschen ist der ruhige Yogastil sehr zu empfehlen.

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