Folgen des Bedeutungsverlusts von Ehe und Familie

Die demographischen und wirtschaftlichen Folgen, wenn Paare seltener heiraten und der Geburtenrückgang voranschreitet.

Die Wandlungsprozesse in der Bedeutung der Ehe und der Wertevorstellungen der Menschen, die Ausdehnung beziehungsweise Verlängerung der Jugendphase und die neuen bevorzugten Lebensformen haben sichtbare Folgen auf die Struktur der Gesellschaft. Die Zahl der Alleinwohnenden ist deutlich gestiegen. Daraus folgen Konsequenzen wie ein verstärkter Mangel an Wohnraum und daraufhin steigende Miet- und Wohnpreise. Nicht nur dieser Lebensstil hat wirtschaftliche Folgen. Eine viel folgenreichere Entwicklung ist die des sozialen Strukturwandels der Familie. Seit Mitte der 60er Jahre ist ein starker Geburtenrückgang zu beobachten.

Auswirkungen der demographischen Veränderungen

Die Anzahl der Familien mit mehreren Kindern sinkt besorgniserregend, die der kinderlosen Paare und der Familien mit nur einem Kind steigt. Der Anteil der Ehen ohne Kinder nahm von 1972 zu 1990 um 34 bis 38 Prozent zu. Unser Renten- und Pflegesystem gerät durch den drastischen Geburtenrückgang aus dem Gleichgewicht. Es gibt immer weniger Nachkommen, die für immer mehr Rentner aufkommen müssen. In der Folge sinken die Renten und die Sozialabgaben steigen. Eine hohe Abgabenlast schmälert das zur Verfügung stehende Einkommen und stellt ein Hindernis für die Familiengründung dar. Die Lebensform der Ein-Kind-Familie bedeutet auf der einen Seite zwar weniger Belastung, bleibt aber häufig nicht ohne Folgen für die psychische Entwicklung des Kindes. In Ein-Kind-Familien findet häufig eine starke Fixierung auf das Kind statt und ein Aufdrängen der eigenen Vorstellungen und Erwartungen. Dem Kind fehlen häufig soziale Kompetenzen, die es durch ein Leben mit Geschwistern wahrscheinlich erlernt hätte.

Folgen von Scheidungen

Weitere Auswirkungen hat die enorme Scheidungsquote, die seit den 60er Jahren stark gestiegen ist. Die „zusammengefassten Scheidungsziffer“, die Summe der Scheidungsraten in einem Beobachtungsjahr, liegt heute zwischen 40 und 50 Prozent. Die meisten Ehen werden schon nach vier bis fünf Jahren geschieden. Infolge einer Scheidung erleben beide Partner nicht selten ein Gefühl des Scheiterns und den Verlust des Glaubens an die Ehe. Alleinerziehender Elternteile leiden häufig unter finanziellen, zeitlichen und psychischen Belastungen. Gerade für die Kinder kann eine Scheidung enorme psychische Folgen haben. Oft erleben sie erhebliche Beeinträchtigungen des Sicherheitsgefühls. Auf einmal steht das Kind zwischen zwei Fronten und die Eltern treten häufig in einen Konkurrenzkampf. Ein ebenfalls häufiges Symptom, dass bei einer verbitterten Reaktion eines der Elternteile auftritt, ist das verstörte Verständnis des Kindes gegenüber diesem Geschlecht. Es folgen Störungen des Sozialisationsprozesses, was sich häufig in den Schulleistungen widerspiegelt. Gleichzeitig neigen Scheidungskinder häufiger dazu, später eigene Ehen zu scheiden. Ob, auf welche Weise oder wie stark diese Folgen auftreten, hängt individuell von dem Kind und auch von seinem Alter zum Zeitpunkt der Scheidung ab. Somit bringt diese Entwicklungstendenz sowohl wirtschaftliche als auch psychische Auswirkungen mit sich.

Wertewandel in der Gesellschaft

Für die Zukunft in der Gesellschaft lässt sich ein immer deutlicherer Bedeutungsverlust der Institutionen Ehe und Familie vorhersehen. Während des immer gegenwärtigen Wandlungsprozesses werden moderne Werte und Einstellungen von den Menschen durch ihre Erziehung und auch durch die Verbreitung durch Medien akzeptiert und zu ihren eigenen gemacht ohne hinterfragt zu werden. Es entsteht gesellschaftliche Akzeptanz. Die Einstellungen und Ansprüche der Individuen sind Gründe, warum weniger Ehen geschlossen werden und Ehen häufiger geschieden werden. Moralische Werte verlangen heute keine Ehe für ein Zusammenleben von Mann und Frau.

Die Emanzipation der Frau macht eine Ehe als Versorgungseinrichtung überflüssig. Ehen können wieder geschieden werden, was zwar nicht unproblematisch und folgenlos ist, aber wichtig für die Menschen, die nach Selbstbestimmung, Glück und Zufriedenheit streben. Ebenso bewahrt das Zusammenleben auf Probe viele potenzielle Ehepaare vor dem Irrtum der Heirat. Werte wandeln sich nicht von selbst, sondern aufgrund äußerer Einflüsse. Viele dieser Entwicklungen sind geschehen, da die Gesellschaft sie gebraucht hat. Also sind die Wandlungen, die gleichzeitig die Ursachen für den Bedeutungsverlust der Ehe sind, positive Entwicklungen.

Bedeutung des Wertewandels

Doch auch diese haben negative Auswirkungen zur Folge. Die soziodemografischen Veränderungen wie die Abnahme der Geburten- und Eheschließungszahlen, der Anstieg der nichtehelichen Lebensgemeinschaften sowie die gestiegene Zahl der Scheidungen sind nicht zu übersehen. „Unter den Jüngeren werde knapp ein Drittel der Frauen und fast 40 Prozent der Männer ihr Leben lang ledig bleiben“, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf aktuelle Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung“(BIB).

Es herrscht eine allgegenwärtige Veränderung in Struktur und Funktion der Familie. Gleichzeitig tritt auch ein Verlust des Gefühls von Verlässlichkeit und Sicherheiten auf. Durch die Option und gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit zur Scheidung fehlt der Familie die Sicherheit der Ehe. Der Mensch erhält Sicherheiten nicht mehr durch die Familie, sondern überwiegend durch andere Institutionen wie Versicherungen oder Krankenkassen. Dies ist durchaus eine positive Entwicklung, bedeutet jedoch gleichzeitig, dass die Familie nicht mehr selbstverständlich im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens steht, wodurch ihre Bedeutung gesunken ist. Der Bedeutungsverlust der Ehe ist eine folgerichtige Konsequenz des gesellschaftlichen Wandels unserer Zeit. Die bedeutsamste Folge, die aus diesem Wandel resultiert, ist die Abnahme der Geburtenrate mit allen Konsequenzen einer Überalterung der Gesellschaft.

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