Giftige Gase? Machen wir selbst!

Die einfachen, eigentlich giftigen Gase Schwefelwasserstoff, Kohlenmonoxid und Stickstoffmonoxid steuern natürlicherweise unseren Körper.

Die Sammlung kleiner, Zellen durchdringender Gasmoleküle mit vielfältiger Wirkung auf unseren Körper wird derzeit erweitert. Stickstoffmonoxid, ein ganz einfaches Molekül aus der Verbindung von einem Stickstoff- und einem Sauerstoffatom, ist schon länger für seine die Blutgefäße erweiternde Wirkung bekannt. Kohlenmonoxid, bestehend aus einem Kohlenstoff- und einem Sauerstoffatom, ist als Gift aus unvollständiger Verbrennung gefürchtet. Seit kurzem reiht sich Schwefelwasserstoff ein. Auch dieses einfache Molekül, bestehend aus einem Schwefelatom und zwei Wasserstoffenatomen, lenkt eine Reihe von Vorgängen in unserem Körper.

Lehrmeister Schwefelwasserstoff

Mit Schwefelwasserstoff verbinden wir ungute Vorstellungen, denn kleinste Mengen wirken tödlich. Schon nach wenigen Atemzügen kann man das Bewusstsein verlieren und die Atmung gelähmt werden. Schwefelwasserstoff wird gebildet aus Schwefel-haltigen Substanzen beim Abbau von tierischen und pflanzlichen Materialien. Quellen sind daher Jauchegruben oder Abwasserkanäle. Zum Glück reagiert unsere Nase sehr empfindlich auf das stinkende Gas und wir tun gut daran, solche Orte schleunigst zu verlassen.

Umso überraschender klingt, dass dieses nach faulen Eiern riechende Gas in vielen Organismen, vom Bakterium bis zum Menschen, zentrale Aufgaben als Informationsüberbringer übernimmt. Weil die Bestandteile des Gases so klein sind und sich sowohl im Wasser als auch im Fett wohlfühlen, durchdringen sie die üblichen Barrieren von Zellen mit Leichtigkeit und gelangen überall hin. Die Herstellung erfolgt in Leber, Niere oder vor allem Gehirn aus einem körpereigenen, Schwefel-haltigen Stoff. Im für Lernen und Gedächtnis zuständigen Gehirnbereich öffnet das Faulgas die Übertragungskanäle der Nerven für einige Minuten bis Stunden. So stellt man sich heute auf zellulärer Ebene Lernprozesse vor. Weiter kann es die Durchblutung durch Erweiterung von Blutgefäßen erhöhen.

Kohlenstoffmonoxid und Stickstoffmonoxid

Kohlenmonoxid könnte ähnlich wie Schwefelwasserstoff wirken, da zelluläre Lernprozesse bei seiner Abwesenheit gehemmt werden. Auch dieses für Menschen heimtückische Gas wird im Körper hergestellt. Der Ausgangsstoff ist gut bekannt: Es ist der rote Blutfarbstoff, bei dessen Abbau Kohlenmonoxid anfällt. Auch dieses bewirkt Gefäßerweiterung und hält Entzündungen im Zaum. Es ist an der Geruchswahrnehmung beteiligt und reguliert unseren Tagesrhythmus.

Das erste solche kleine Gasmolekül mit gefäßerweiternder Wirkung, das Stickstoffmonoxid, machte daher wohl nur den Anfang einer Reihe. Was damals noch einen Nobelpreis wert war, sorgt jetzt trotzdem für Überraschung. Alle drei Gase werden im Körper hergestellt. Wie Schwefelwasserstoff wirkt Stickstoffmonoxid auch im Gehirn, außerdem bei der Freisetzung von Hormonen und Überträgerstoffen zwischen Nervenzellen. Nicht zu unterschätzen sind, wie bei den anderen beiden Gasen, die zerstörerischen Wirkungen. So nutzen Fresszellen des Körpes Stickstoffmonoxid zur Zerstörung von Mikroorganismen. Die Kehrseite wiederum ist der mögliche Angriff auf körpereigene Zellen. Auch hier liegen Wohl und Wehe nah beieinander.

Für die Art der Informationsübermittlung durch diese drei Gase gibt es auch schon einen Namen: Gasotransmitter.

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