Gewürzöl-Test – 7 von 19 Würzölen mangelhaft

Stiftung Warentest testete aromatisierte Öle mit Pestiziden & PAKs. Würzöl-Alarm: Würzöle mit Schadstoffen & synthetischen Aromastoffen gewürzt: nur 7 Gewürzöle mit Basilikum-, Butter-, Knoblauch-, Orangen- & Zitronengeschmack waren gut.

„Stehe auf, Nordwind, und komm, Südwind, und wehe durch meinen Garten, daß seine Würzen triefen!“; wenn die Gewürzaromen aus dem Garten des Hohelied Salomos richtig geerntet in hochwertigen Pflanzenölen triefen, können leckere Geschmackskombinationen und Aromavariationen entstehen, welche die Küche geschmacklich bereichern, sofern sie unsere Nahrungsmittel nicht zusätzlich mit Schadstoffen anreichern. Stiftung Warentest bereichert das Würzölwissen des gemeinen Würzölwürzers und ließ einen scharfen Testwind durch die Inhaltsstoffe von 19 Gewürzölen fahren: Den Testern wehten aromatische Düfte um die Nase, sie kosteten aber auch ranziges, synthetisches und verdorbenes. 7 Würzöle würzten „gut“, 4 „befriedigend“, 1 „ausreichend“, aber 7 Würzöle wurden mit „mangelhaft“ bewertet.

Stiftung Warentest testet nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft

Damit jedes Würzöl beim Test sein Fett abbekommt, analysierte, schmeckte & schnüffelte eine Gruppe aus fünf geschulten Test-Schnüffelhunden nach typischen Geschmack, Geruch und Mundgefühl, denn die sinnliche Wahrnehmung von Pflanzenölen ist eine komplexe Sache. Noch komplexer wird die Sache, wenn die Würzöle im Labor mittels der gaschromatographischen Spürnase auf die Fettsäure-Zusammensetzung und mittels weiterer chromatographischer Verfahren auf Schadstoffe geprüft werden. Die automatischen Spürnasen erschnüffelten erstaunliches.

Würzölwürze Benzo(a)pyren – 7 Öle wurden mangelhaft bewertet

Nicht nur mit Chillipulver war das „Lee Kum Kee Chili Oil“ aus einem Asien-Supermarkt gewürzt, die Tester waren bestürzt: Die chromatographischen Spürnasen erschnüffelten auch noch reichlich Pestizidrückstände, das Lösungsmittel m-Xylol und zur Geschmacksabrundung zusätzlich polycyclische aromatische Kohlewasserstoffe (PAK). Unter den PAKs wurde auch Benzo(a)pyren nachgewiesen, es verändert im Tierversuch das Erbgut, ist sowohl krebserregend als auch fortpflanzungsschädigend und kann diese Wirkungen auch bei Menschen haben. Als Gipfel des Genusses schmeckte das Chiliöl auch noch ranzig, ebenso wie das „Casa Morando Italienisches Trauben-Kernöl mit Rosmarin“ von Aldi (Nord). Beide Würzöle sind somit sensorisch „mangelhaft“, gelten als verdorben und dürften folglich nicht einmal verkauft werden. Das Trauben-Kernöl mit Rosmarin triefte außerdem mit für Menschen schädlichen 3-MCPD-Estern – mit einem Esslöffel des Casa Morando Öls nimmt ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener 120 Prozent der täglich tolerierbaren Menge auf. In anderen Würzölen erschnüffelten die Spürnasen synthetische Aromastoffe, obwohl natürliche Aromen versprochen werden: So im „International Collection Trüffelöl Olivenöl aromatisiert mit weissen Trüffel„, „Vom Fass Steinpilzöl Natives Olivenöl extra mit Steinpilzaroma“ und „Teutoburger Ölmühle Rapskernöl Butter Geschmack„. Dagegen waren „Kania Würzöl Zitrone“ von Lidl und „Finest Gourmet Olivenöl extra nativ mit Rosmarin-, Pfeffer-Einlage“ von Norma stark oxidativ belastet.

Würzöl-Test: 4 mal „befriedigend“, 1 mal „ausreichend“

Befriedigend erhielten „Casa del Mare Natives Olivenöl extra aromatisiert mit Rosmarin„, das teuerste Öl im Test „Ursini Chili-Würzöl Auf der Basis von nativem Olivenöl extra und getrockneten Chilischoten„, „Primadonna Natives Olivenöl Extra mit Chilischoten, Rosa Pfeffer-Körnern und Lorbeerblättern“ von Lidl und „Distelöl mit Kräutern und Gewürzen“ von KaDeWe. Noch mit „ausreichend“ wurde „Kunella Feinkost Trüffelöl“ bewertet.

Gewürzöl-Testsieger mit Buttergeschmack

Wie Butter ging den Testern der Testsieger „Albaöl Schwedische Rapsöl-Zubereitung mit Buttergeschmack“ runter, es kostet 8 Euro pro Liter. Dem Butteröl folgten vier Bioöle: „Ölmühle Solling Basilikumöl Kräuter- und Gewürzöl„, „Rapunzel Citrolive Ölmischung mit nativem Olivenöl extra Demeter„, das mit 6,75 Euro pro Liter günstigste „GutBio Rapsöl aromatisiert Feines Gourmet Würzöl Orange Bio“ von Aldi (Nord) und „Bio Planète o’citron Ölmischung aus extra nativem Olivenöl und Zitronen„. Die beiden weiteren gut getesteten Gewürzöle waren „Vita d’or Traubenkernöl mit Chilischoten, Lorbeerblättern und Knoblauch“ von Lidl und „Gewürztes Öl Knoblauch mit Vitamin E“ von Mazola. Stiftung Warentest würzte den Würzöl-Test zusätzlich mit Rezepturen für die eigene Gewürzöl-Herstellung, damit die zubereitete Speise würzig wohl bekommt.

Alles in Butter? Stellungsnahmen zum Würzöl-Test

Beim Testergebnis des „Teutoburger Ölmühle Rapskernöl Butter Geschmack“ ist vermutlich noch nicht alles in Butter. In einer Stellungsnahme an die Redaktion gab die Teutoburger Ölmühle wissenschaftliche Butter zu den Fischen. Darin erklärt der Geschäftsführer Dr. Michael Raß, dass der „Lieferant für das Butteraroma“ eidesstattlich versichert, „dass das von uns verarbeitete Aroma ein natürliches Aroma ist.“ Das Raps-Kernöl mit Buttergeschmack sei daher „voll verkehrsfähig und hätte aufgrund der Untersuchungsergebnisse ein gutes Gesamturteil bekommen müssen.“ Momentan werde mit Stiftung Warentest die Sachlage aufgeklärt.

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