Top ten der Heilpflanzen: Kamille

Wer kennt sie nicht – die Kamille ist bis heute eine geschätzte Heilpflanze.

Dass die Kamille zu den bekanntesten Heilpflanzen gehört, ist sicherlich mit auf die lange Geschichte ihrer Anwendung zurückzuführen. Denn schon bei den Heilkundigen des alten Ägyptens standen die gelben Blüten in vielfältigen Diensten. Übrigens nicht nur zur Linderung menschlicher Leiden, sondern auch als »Arzt der Pflanzen«: Man pflanzte die Kamille in unmittelbare Nähe kranker Pflanzen, da man glaubte, sie könne diese von ihrer Krankheit heilen.

Die Kamille – Von anno dazumal bis heute

Der »Pflanzendoktor« Kamille wird in vielen Herbarien und Rezeptsammlungen genannt und auch das »Lorscher Arzneibuch« wartet mit einigen Präparationen auf, in denen er vertreten ist: In Arzneien gegen Fieber, Lungenbeschwerden und Schmerzen an den Backenzähnen. Ferner geben die Lorscher Mönchärzte Anleitung zur Bereitung eines Kamillenöls. Dieses, bereits bei den Ägyptern zu kosmetischen Zwecken und zur Balsamierung der Toten in Gebrauch, empfehlen sie für eine Mundspülung gegen schmerzendes und geschwollenes Zahnfleisch: „Koche mit Wein vermischtes Kamillenpulver auf die Hälfte ein und spüle damit kräftig den Mund: es hilft sofort«.

Fraglich ist in medizinhistorischen Kreisen noch, welche der vielerlei Kamillearten in den alten Schriften denn nun gemeint ist. Vieles spricht allerdings dafür, dass es die »Echte Kamille« ist, die wir auch heute anwenden und die vermutlich erst im Gepäck der Benediktiner aus Südeuropa zu uns kam.

Botanische Eckdaten

Der kleine Korbblütler mit goldgelbem Blütenkopf ist anspruchslos in seinen Lebensbedingungen: Er wächst auf Brachland, Wiesen, Äckern. Bei der Ernte sollte man darauf achten, ob man die Kamille eher zur inneren Einnahme oder für Bäder verwenden will. Für ersteres benötigt man vor allem die Blütenköpfchen, für letzteres auch Stiele und Blätter.

  • Wissenschaftlicher Name: Matricaria recutita L.
  • Volksnamen: Kummerblume, Mägdeblume, Hermel, Mueterchrut, Apfelkraut, Gartenkamille, dicke Gramille, falschi Gramille, Härmelchen
  • Familie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Blütezeit: Mai bis Juni
  • Sammelzeit: Mai bis Juli
  • Vorkommen: Echte Kamille kommt in Süd- und Osteuropa auf Äckern, Ödland, Feldern oder Schuttplätzen vor, wird jedoch auch als Kulturpflanze angebaut; besonders in südlichen Ländern wie Spanien, Ägypten und Argentinien.
  • Verwendete Teile: Zu medizinischen Zwecken verwendet werden die Blütenkörbchen.

Wie uns Kamille hilft

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Kamille sind ihre ätherischen Öle. Weitere Bestandteile sind Flavonoide, Cumarine wie das Herniarin und Umbelliferon sowie Schleimstoffe. Diese Wirkstoffe haben viele Effekte: Das ätherische Öl der Kamille hat entzündungshemmende und krampflösende Wirkungen und besitzt zudem bakterizide und fungizide Eigenschaften. Darüber hinaus hemmt das Öl die Freisetzung des Verdauungsenzyms Pepsin im Magen und bewirkt damit eine Linderung von Beschwerden, die auf eine erhöhte Bildung von Magensäure zurückgehen – ein Schutzpuffer für den gereizten Magen und hilfreich zu Vorbeugung von Gastritis. Die weiteren Inhaltsstoffe der Kamillenblüten, die Flavonoide, wirken ebenfalls krampflösend und entzündungshemmend.

Eigenschaften von Kamille:

  • wirkt entzündungshemmend
  • ist krampflösend
  • hat antibakterielle und fungizide Eigenschaften
  • wirkt wundheilend
  • fördert die Schlafbereitschaft
  • beruhigt die Nerven
  • Risiken und Nebenwirkungen: Mitunter Pollenallergien durch Kamillenpollen.
  • Gegenanzeigen: Wer allergisch auf Korbblütler wie Kamille reagiert, sollte von ihrer Anwendung absehen.

Anwendung von Kamille

Die Kamille ist heute wie früher ein vielseitig eingesetztes Hausmittel. Man denke nur allein an den aus ihren Blüten zubereiteten Tee – ein altbekanntes Hausmittel.

In der modernen Pflanzenheilkunde finden aus den Blüten gewonnene Extrakte Anwendung, deren Wirksamkeit in einer Reihe von Studien belegt ist. Sie werden eingesetzt bei Krämpfen und entzündlichen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes sowie der Mundhöhle, bei Reizzuständen der Atemwege zur Inhalation. Zur äußerlichen Anwendung sind Extrakte aus Kamillenblüten bei entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen, beispielsweise Ekzemen, sowie bei bakteriellen Hauterkrankungen und infizierten Wunden angezeigt. Sehr bewährt sind auch Sitzbäder, Spülungen und Inhalationen mit den Kamillenblüten. Ein Kamillendampfbad beispielsweise ist ideal bei Akne sowie zur Inhalation bei Schnupfen, Bronchitis und entzündeten Nebenhöhlen.

Kamillenpräparate sind zum einen als Tee oder Tinktur erhältlich, zum anderen als Extrakte aus den Blüten.

Im Licht der Wissenschaft

Die Kamille kann nicht nur auf eine Jahrtausende währende Anwendung zurückblicken, sie ist auch Gegenstand einer breiten naturwissenschaftlichen Forschung. Bereits 1921 wurde der erste Kamillenextrakt patentiert und in einige Jahre später liefen die ersten pharmakologischen Studien mit Kamillenblütenextrakten und dem Wirkstoff Chamazulen.

Die entzündungshemmende und wundheilende Wirkung der Kamille wurde in Tiermodell- und Zellkulturmodell-Experimenten aus den 70er und 80er Jahren letzten Jahrhunderts belegt. In weiteren Untersuchungen erwiesen sich die ätherischen Kamillenöle hemmend gegen grampositive Keime wie Staphylo- und Streptokokken und gegen Dermatophyten wie unter anderem Candida albicans. Dass die Kamillenstoffe zudem eine Hemmwirkung auf Heliobacter pylori – ein Bakterium, das Magengeschwür verursachen kann – ausüben, wurde 2002 entdeckt. Auch die überlieferte Erfahrung der beruhigenden Wirkungen der Kamille hat inzwischen ihre wissenschaftliche Bestätigung gefunden.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Präparate mit Extrakt aus Kamillenblüten sind beispielsweise:

  • Kamille Spitzner N Lösung
  • Kamillin Robugen Konzentrat, Kamillin Bad Robugen
  • Markalakt Pulver
  • Matmille Bad oder Salbe
  • Pascoventral
  • Tonsilgon Dragees oder Tropfen
  • Ulcu-Pasc Tabletten
  • Weleda Nasenöl

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