Hochbegabung als Lehrer erkennen – Wie man hochbegabte Kinder in der Schule findet und fördert?

Nicht nur für Eltern, auch für Lehrer ist es wichtig, Hochbegabung bei Kindern erkennen und fördern zu können, und Hochbegabte in den Unterricht zu integrieren.

Ist es schon für Eltern nicht einfach, Hochbegabung bei einem Kind zu erkennen, so tun sich Lehrer doppelt so schwer: Sie sehen das Kind nur für eine begrenzte Zeit pro Tag in einer stark reglementierten Umgebung und mit einer klar definierten Rollenverteilung.

Merkmale der Hochbegabung im Klassenzimmer

Innerhalb des Klassenzimmers kann sich Hochbegabung so zeigen:

· Das Kind hat keinen Spaß an altersentsprechenden Spiel- und Lernangeboten.

· Es ist sich selbst und anderen gegenüber kritisch und möchte alles richtig machen (Perfektionismus).

· Es fühlt sich „anders als die anderen“, oft ohne den Unterschied genau definieren zu können.

· Im Kindergarten langweilt sich das Kind. Es macht bei bestimmten Spielen nicht mit und stört stattdessen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Es interessiert sich für Dinge, für die es eigentlich noch nicht alt genug ist, und kann sich oft nicht in die Gruppe einbringen.

· In der Schule können verschiedene Verhaltensweisen auftreten:

  • Das Kind fühlt sich unterfordert.
  • Es gilt als „Streber“, ist deshalb unbeliebt bei den anderen.
  • Es spielt den „Klassenclown“, um dazu zu gehören.
  • Es bringt schlechte Leistungen, oft absichtlich („Underachiever“), um bei den anderen beliebter zu werden.
  • Erwachsene werden ständig mit Fragen bombardiert.
  • Es versteht unter Umständen komplizierte technische Abläufe und kann dieses Wissen auch anwenden.
  • Es diskutiert mit Erwachsenen (anderen Lehrern, Eltern etc.) über Themen, die gleichaltrige Kinder nicht interessieren.
  • Es wird oft von Lehrern nicht aufgerufen, weil „es ja sowieso alles weiß“.

Ist ein Kind als hochbegabt identifiziert, so liegt es auch in der Verantwortung des Lehrers, dieses Kind adäquat zu fördern. Maßnahmen, Schulversuche etc. gibt es viele, und es werden immer mehr; die am weitesten verbreiteten sind:

Förderungsmaßnahmen für hochbegabte Kinder in der Schule

1. Anreicherung

· Innerhalb der Klasse: im Klassenunterricht gibt es immer Phasen, in denen Kinder – alle Kinder – individuell gefördert werden können. Hier gilt es, den hochbegabten Kindern ihrem Lernniveau und -tempo entsprechende Aufgaben zu geben.

· Innerhalb der Schule: hier ist es möglich, das hochbegabte Kind stundenweise am Unterricht höherer Klassen im Fach seiner Begabung, z. B. Mathematik, teilnehmen zu lassen. Auch Wahlfächer oder Förderkurse für höhere Jahrgangsstufen können reizvoll sein.

· Außerhalb der Schule: Im sprachlichen und musischen Bereich gibt es viele Kurse außerhalb der Schule, die für das Kind geeignet sein können. In vielen Städten sind auch Universitäten bereit, hoch- und spitzenbegabte Kinder stunden- bzw. fächerweise aufzunehmen.

2. Beschleunigung (Akzeleration)

Dies beschreibt Maßnahmen, die letztendlich eine Verkürzung der regulären Schulzeit bedeuten, wie das vorzeitige Einschulen, Überspringen einer Klasse oder das so genannte Fachspringen (Teilnahme am Unterricht der höheren Klasse nur in bestimmten Fächern). Zwar geht die Schulzeit so schneller vorbei, der Unterricht selbst wird aber nicht auf das Lernverhalten und die Besonderheiten des hochbegabten Kindes angepasst.

3. Zusammenfassung Hochbegabter in Gruppen oder Klassen (Separation)

Oft als soziale Isolation von der „wirklichen Welt“ kritisiert, bietet die Separation auch diverse Vorteile:

  • Kinder und Jugendliche regen sich gegenseitig an.
  • Unterrichten ist auf einem höheren und den Unterrichtsstoff vertiefenden oder erweiternden Niveau möglich
  • Lehrer können speziell ausgebildet werden.
  • Kinder erfahren ihre intellektuellen und lerntechnischen Grenzen
  • Kinder lernen Frustrationen und Misserfolge kennen und bewältigen.
  • Sie sind keine isolierten Außenseiter mehr.
  • Der Unterricht ist auf das schnelle Auffassungs- und Lerntempo der Begabten ausgerichtet.

Alle oben genannten Maßnahmen können natürlich auch kombiniert angewandt werden; weit wichtiger als spezielle Maßnahmen ist jedoch das Grundverständnis, das hochbegabte Kinder im Regelunterricht, der ja auf das Mittelmaß ausgerichtet ist, nicht adäquat gefordert werden und wie alle Schüler ihrem Lernverhalten und -tempo entsprechend gefördert werden müssen.

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