Hungrige Geister

Spukgeschichten aus aller Welt: Asien. Die Angst vor einem leidgeprüften, grauenvollen Dasein nach dem Tode spiegelt sich oft in Geistergeschichten wieder und wird in vielen asiatischen Legenden verarbeitet.

Mythen sind oftmals eng mit dem jeweils landestypischen Volksglauben verknüpft und reflektieren Wahrnehmungen, Befürchtungen, Wünsche und Erwartungen, die über naturwissenschaftliche Erkenntnisse hinausgehen.

Asiatischer Geisterspuk

Die Angst vor einem leidgeprüften, grauenvollen Dasein nach dem Tode spiegelt sich oft in Geistergeschichten wieder und wird in vielen asiatischen Legenden verarbeitet. Unter anderem schildert die Erzählung von Er Gui von dem traurigen Dasein, das einen habgierigen Menschen erwartet, sobald er seinen physischen Körper verlassen hat. Anstatt im Paradies landet er als Objekt seiner eigenen Begierden in einer Art Vorhölle.

Charakteristika

Er Gui, Gaki, Jikininki gehören allesamt zur Gruppe der hungrigen Geister, sind von grüner oder grauer Farbe, leiden durch die konstante Unterernährung unter einem dicken, aufgeblähten Bauch und ernähren sich überwiegend von menschlichen Leichen, Exkrementen oder Fäkalien. Damit diese seltsamen Wesen existent bleiben können, benötigen sie zusätzlich eine enorme Menge an negativer Energie, die sie den Emotionen Angst, Schrecken und Entsetzen entnehmen können.

Die Nahrungsaufnahme wird dieser speziellen Geistergattung enorm erschwert, da der Mund des gefräßigen Kerlchens nicht größer als ein Stecknadelkopf, die Speiseröhre niemals dicker als ein feines Haar und das Schlucken mit unermesslichen Schmerzen verbunden ist.

Den Durst zu stillen ist der ausgemergelten Kreatur unmöglich, denn sobald sie dem Wasser zu nahe kommt, wird ein mysteriöser, chemischer Prozess in Gang gesetzt, der das nasse Element in ein lodernden Feuer wandelt.

Verweilt ein Hungergeist längere Zeit an einer bestimmten Stelle, wird der Boden unter seinen Füßen unerträglich heiß, was zur Folge hat, dass der immerwährend Darbende konstant und rastlos in Bewegung bleiben muss.

Volksglauben

Das boshafte Wesen streift durch Asiens Gassen und Küchen, immer auf der Suche nach etwas Essbaren. Dass Hungergeister keine Knie haben und somit nicht um Ecken gehen können, machen sich alle Abergläubischen zunutze und bauen entweder einen rechtwinkeligen Gang oder zumindest eine erhöhte Türschwelle in den Eingangsbereich ihre Häuser, um die unheilbringenden Wesen fernzuhalten; denn ihnen wird nachgesagt, dass sie Kummer, Unruhe, Zwietracht und Streit unter die Menschen bringen und im schlimmsten Fall den Körper eines Lebenden besetzen.

Allerdings können die ruhelosen Geister das unselige Schicksal jederzeit ändern, indem sie ihre Taten von Herzen bereuen und sich der Liebe zuwenden. Jedes ihrer aufrichtigen Gebete, jede Bitte um Gnade und Barmherzigkeit wird sogleich erfüllt.

Ablassfeste

Um den Ahnen bei der Errettung beizustehen feiert man im asiatischen Raum das Geisterfest und fleht, stellvertretend für die Toten, um Erlösung von dessen Höllenqualen. In China fällt dieser Tag auf den 15. Tag des siebten Monats (laut Mondkalender).

Doch nicht nur auf dem größten Kontinent der Welt liegt den Menschen das Seelenheil der Dahingeschiedenen am Herzen, auch in unseren Breitengraden gedenken wir der Verstorbenen. An Allerseelen werden Gräber gesegnet, Fürbitten ausgesprochen und Almosen verteilt, um armen Sündern das Leben im Fegefeuer zu erleichtern oder sie gänzlich davon zu erlösen.

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