Interjektionen: Psst! Zwischenrufe erlaubt!

Ausdruck spontaner Empfindungen oder reine Lautmalerei. Interjektionen sind sehr lebendige und ausdrucksstarke Wörter. Meist ohne inhaltlichen Sinn, aber klangvoll, bedeutungstragend und voller Gefühl.

Die Interjektion ist die üblicherweise als letzte aufgeführte Wortart im Deutschen. Sie gehört zu den unveränderbaren Wortarten und wird weder konjugiert noch dekliniert oder gesteigert. Aus dem lateinischen „interiectio“ (= das Dazwischenwerfen) entlehnt, nennt man sie auf Deutsch auch Ausrufe-, Ausdrucks- oder Empfindungswort.

Die Interjektion als nachahmendes Lautgebilde

Nun ist ein Ausruf nicht unbedingt ein Wort im eigentlichen Sinne, sondern meist ein expressives Lautgebilde ohne konkreten inhaltlichen Sinn. Es drückt häufig einen inneren Zustand aus, eine Empfindung oder ein Gefühl oder soll ein Geräusch lautgetreu wiedergeben. Aus dem alltäglichen Sprachgebrauch ist es nicht wegzudenken. Jeder, der mit kleinen Kinder oder Tieren zusammenlebt, benutzt tagtäglich Lautgebilde wie pfui, aua, och, hatschi, nanu, brumm-brumm und dergleichen mehr. Eine der Theorien über den Ursprung der Sprache, die sogenannte Wau-Wau-Theorie, besagt sogar, dass Sprache entstand, indem Menschen Laute ihrer Umgebung, speziell Tiergeräusche, nachahmten.

Lautmalereien in Kindersprache und Literatur

Reine Lautmalereien oder Lautnachahmungen werden in der Fachsprache Onomatopoesie oder Onomatopöien genannt und bezeichnen eine rhetorische Figur, genauer eine Klangfigur. Man findet sie sowohl in der Alltagssprache als auch in der Literatur. Sie sind affektreiche Wörter innerhalb eines Gesprächs. Und Merkmal zum Beispiel von Kindersprache, die sich an Nachahmung orientiert und eben auch Geräusche lautgetreu wiedergibt, statt die Namen der Tiere oder Gegenstände zu nennen. Lautmalereien haben einen viel höheren Wiedererkennungswert. Und sie wecken durch ihre ausgesprochen klangvollen und gefühlsbetonten Laute entsprechende Wohl- oder Missgefühle. Von der Klangfarbe erfundener Lautmalereien – und der Freude daran – leben auch Kinderreime oder Zaubersprüche im Märchen.

Lautmalereien versteht jeder, sie sind Wörter, mit denen man Laute und Geräusche für die Sinne nachvollziehbar und anschaulich ausdrücken kann. In der Comicsprache gehören sie unbedingt dazu, denn die Sprechblasen bieten naturgemäß nicht viel Platz für umständliche Beschreibungen von Gefühlsregungen. Aber auch große Literaten, Dichter und Spötter haben in ihren Dramen, Romanen oder Gedichten Interjektionen verwendet. Ob Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane, Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch oder Christian Morgenstern – sie alle haben aus unterschiedlichen Gründen zu dieser rhetorischen Figur gegriffen und Lautgebilde benutzt oder neu geschaffen, die ihre Sprache noch lebendiger und ausdrucksvoller machte.

Man kann Interjektionen verschiedenen Bedeutungsgruppen zuordnen, allein gebrauchen oder in Verbindung mit einem anderen Wort oder Satz. Sie können kurze, spontane Äußerungen sein, die den inneren Zustand eines Menschen sehr treffend wiedergeben oder andere zu etwas auffordern wollen. Und je nach Bedeutung auch Zwischenrufe, mit denen man Begeisterung, Zustimmung oder auch Ablehnung ausdrücken kann.

Arten und Bedeutungen von Interjektionen

Ein Großteil von Interjektionen sind spontaner Ausdruck körperlicher oder seelischer Empfindungen. Hier eine kleine Auswahl:

  • körperlicher Schmerz: au, aua, autsch
  • seelischer Schmerz: ojemine, ach, o weh, herrje
  • Ekel: igitt, pfui, bäh
  • Freude: juhu, hurra, ah, juchheißa, jippi
  • Erstaunen, Überraschung: oh, oha, nanu, ach, hui
  • Verachtung, Geringschätzung: bah, papperlapapp, p
  • Zustimmung, Interesse: hm, ah ja, aha

Andere sind Ausrufe, Aufforderungen oder Zwischenrufe:

  • He, du da! Hallo! Pst, sei leise! Husch, husch, ins Körbchen! Jetzt aber dalli!
  • Boah! Wow! Ne!

Die dritte Gruppe ahmt Laute von Menschen und Tieren und Geräusche jedweder Couleur nach:

  • lachen, kichern: haha, hihi, hehe, hähä, hoho
  • Pausenfüller bzw. Verzögerungslaute beim Reden: äh, hm, eh, tja
  • niesen: hatschi
  • gähnen: huah
  • Tierlaute: miau, kikeriki, summ, tirili
  • andere Laute und Geräusche: ticktack, bums, klirr, schwups, blubb-blubb

Der Gebrauch von Interjektionen

Einzelne Lautgebilde können durchaus einen kompletten Satz ersetzen und sind, so gesehen, auch als selbständige Sätze zu werten. Häufig ist dabei auch die Körpersprache sehr ausgeprägt.

  • Oh! (Das gefällt mir aber gut!)
  • Na!! (Lass das sofort sein!)
  • Puh! (Ist das anstrengend!)
  • Hi! (Grußwort)

Natürlich können Interjektionen auch in Verbindung mit anderen Sätzen stehen, ihnen isoliert vorangehen, Bestandteil eines Satzes sein oder als Zitat oder wörtliche Rede daherkommen …

  • Aha, das wusste ich doch sofort!
  • Und schwups packt er sie am Kragen.
  • „He, heraus! Du Ziegen-Böck! Schneider, Schneider, meck, meck, meck!“ (Wilhelm Busch)

… eine Aussage bestärken, um Aufmerksamkeit heischen oder „endlos“ aneinandergereihte Satzteile oder Sätze miteinander verknüpfen …

  • wa, gell, ne, woll

… oder einem inhaltlich verblassten Verb zu einem expressiven Ausdruck verhelfen.

  • Alles geht mal wieder hopplahopp.
  • Es machte knack.
  • Da macht der Reiter plumps.

Interjektionen haben meist keinerlei wirkliche Bedeutung, trotzdem sind sie eindeutig zu verstehen. Und es ist allemal faszinierend, wenn einige Interjektionen – ähnlich wie Geräusche oder Gerüche – wohlige Erinnerungen an Kindheitserlebnisse wecken:

  • eiapopeia, enemenemuh, tritratrullala …

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