Japanische Kampomedizin

Japanische Phytotherapie und ihre Hintergründe.

Neben der TCM gibt es noch eine Alternative aus Japan: Die Kampomedizin, letztlich eine japanische Heilpflanzenkunde mit Therapie, auch japanische Phytotherapie genannt.

Ein wichtiger Bestandteil der fernöstlichen Heiltherapien ist die japanische Phytotherapie, auch Kampo genannt.

Der Begriff kam eigentlich erst auf, als es galt, die einheimische Medizin gegen die westliche Medizin abzugrenzen, der Name leitet sich aus dem Wort Han ab, das durch Lautverschiebung zu Kan und dem Wort Ho wurde. Han bezeichnet die chinesische Han-Dynastie (206 v.Chr. bis 220 n.Chr.), Ho beinhaltet Begriffe wie Technik, Verfahren, Weise.

Auch wenn diese „Abstammung“ somit auf die chinesische Medizin verweist, ist die moderne japanische Kampomedizin eine eigenständige Heilkunde.

Vier medizinische Richtungen Japans in denen die Phytotherapie von Bedeutung ist

  • Die TCM, Traditionelle Chinesische Medizin beruht auf einer eigenen Philosophie. Sie ist in Schriften erläutert, ausgebaut und wird als Kampomedizin bezeichnet. Sie spielt in Japan im phytotherapeutischen Bereich die wichtigste Rolle.
  • Die sogenannte Kaden-yaku-Medizin geht von der Kampomedizin aus, wird aber nur von wenigen religiösen Vereinigungen und Personen genutzt.
  • Die japanische Volksmedizin, die seit langem traditionell verwendet wird.
  • Die europäischen Therapieformen, basierend auf dem Einsatz von Heilpflanzen.

Vorteile der Kampomedizin in der praktischen Anwendung gegenüber der TCM-Phytotherapie

Die Gemeinsamkeiten zwischen dem industrialisierten Japan und den Industriestaaten des Westens sprechen automatisch für ähnliche Probleme: Zivilisatosen, Allergien, Probleme von Stress und die Notwendigkeit von Entgiftungsmechanismen. Die Zahl der chronisch erkrankten Menschen mit funktionellen Störungen wächst im Land der aufgehenden Sonne genauso wie in unseren Gefilden.

Gleiche Probleme bedeutet aber auch, gleiche Aufgaben zu haben. So bestimmen neue Krankheiten die tägliche Praxis, einhergehend mit der zunehmenden Wichtigkeit, auf genau diese eingehen zu können: „Zivilisationskrankheiten“ werden Europa, Nordamerika und Japan verbinden, steht doch der „Kampf“ gegen identische Gegner an. Grund genug allerdings, sich auch der Kampomedizin zuzuwenden, diese traditionellen Phytotherapie nachzuvollziehen.

Bewertung der Kampomedizin

Schon seit über 1 500 Jahren werden pflanzliche Arzneien in festgeschriebenen Kampo-Rezepturen therapeutisch verwandt, in den vergangenen Jahrzehnten wurden sie zahlreichen Studien für ein modernes Gesundheitswesen unterzogen. Dabei wurden nicht nur wesentliche Ergebnisse erzielt, sondern auch ein Qualitätsstandard entwickelt.

Mehr als einhundert moderne Fertigpräparate, die aus Arzneidrogen nach Kampo-Rezepturen hergestellt werden, werden einzeln oder ergänzend zu schulmedizinischen Mitteln verschrieben, meist in Form von Tabletten, Pulvern, Granulaten oder Salben; insbesondere bei funktionellen und chronischen Erkrankungen wie beispielsweise chronischer Bronchitis, Hepatitis, Durchblutungsstörungen, Zyklusproblemen, Wechseljahresbeschwerden und Allergien.

Das Gesundheitswesen und Kampo

Die Ausbildungsregeln Japans erlauben erst nach einem ausgiebigen Studium, kampomedizinisch zu behandeln. Entsprechend ist es auch nur approbierten Ärzten erlaubt, Phytotherapeutika zu verschreiben. Als Arzneimittel unterliegen sie den gleichen rechtlichen Bestimmungen hinsichtlich pharmazeutischer Qualität und Wirksamkeitsnachweis wie alle pharmazeutischen Substanzen.

Während andere asiatische Länder solche strengen Vorschriften nicht besitzen, gleicht Japan hier den Standardisierungen der westlichen Staaten. Ein deutlicher Vorteil gegenüber der TCM. Innerhalb der japanischen Qualitätskontrolle werden für jede einzelne Drogencharge Untersuchungen vorgenommen und in einem Prüfprotokoll veröffentlicht.

Nicht überflüssig, aber auch nicht „umsonst“ – im Gegenteil: Japanische Heilpflanzen sind etwa dreimal teurer als chinesische. Und werden somit von den deutschen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen bezahlt.

Tradition, Erfahrung und Konsequenz

Traditionelle Arzneimittel die vornehmlich auf Erfahrung und dem Wissen der Vergangenheit beruhen, sind selten belegt, mit Studien erforscht. Dies aber heißt nicht, dass man die Wirkung der Präparate in Frage stellen darf, zumal zahlreiche Mittel ebenfalls nicht eindeutig belegt, aber durchaus hilfreich sind (Baldrian beispielsweise zur Beruhigung. Die Wirkung ist nachzuweisen. Die Erläuterung nach dem „Warum“ bleibt offen. Bis heute.)

Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch reagiert anders auf ein Medikament, auf eine Krankheit. Wie soll ein isolierter Stoff eines lebendigen Wesens, einer Pflanze, somit immer kalkulierbar und in Studien belegbar sein? Wieso sollte ein chemisch hergestelltes Mittel, ein isolierter Wirkstoff einer Pflanze mit seinen Folgen nachvollziehbarer sein, als ein Kraut?

Die Erfahrung spricht dagegen. Die europäische Phytotherapie verfügt über vielerlei Erfahrungswerte. Die japanische nutzt Heilkräuter immerhin auch seit über 1500 Jahren.

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