Schimpansen meiden die Ungewissheit, genau wie wir Menschen 

Die Aversion gegen Ungewissheit ist eine Verhaltensweise, die wir mit Schimpansen und vielen anderen Tieren teilen und die uns vor Verlust schützt.

Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach! Dieses Sprichwort beschreibt fundamentale Tendenzen des menschlichen Verhaltens. Anders ausgedrückt: Wenn es um existentielle Entscheidungen geht, versucht man sich instinktiv vor Verlust zu schützen. Studien zeigen, dass es die Ungewissheit ist, die vermieden wird. Vor der Wahl einer risikobehafteten Option mit bekannten Bedingungen und einer Option unbekannten Inhalts stehend, war der Mehrheit der Probanden das Risiko sympathischer als die Ungewissheit. Da Tiere ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen, stellt sich die Frage, woher diese Tendenzen kommen und wie weit sie verbreitet sind.

Lebenserfahrung oder angeborener Instinkt?

Ist die Vermeidung von Verlust das Resultat kulturellen und sozialen Lernens und damit abhängig von Erfahrung? Oder ist der Schutzmechanismus angeboren, also genetisch verankert? Das Verhalten unserer nächsten phylogenetischen Verwandten im Tierreich, das der Menschenaffen, kann Aufschluss darüber geben, in wieweit unsere Vorliebe zur Sicherheit vererbt ist. Alexandra Rosati und Brian Hare vom Department of Evolutionary Anthropology, Center of Cognitive Neuroscience der Duke University, Durham / USA, führten zu diesem Zweck eine Studie an Schimpansen und Bonobo-Affen, durch. Genau wie die menschlichen Probanden standen die Affen vor der Wahl zwischen bekanntem Risiko und Ungewissheit. Genau wie ihre Verwandten entschied sich die Mehrheit der Tiere gegen die Ungewissheit. Auch die Ergebnisse anderer Studien zeigen, dass der Mensch diese Verhaltenstendenzen mit Primaten und außerdem auch noch einer ganzen Reihe anderer Taxa teilt.

Tiere wissen, was sie nicht wissen

Physiologisch interpretiert bedeutet das, dass die Tiere ihren eigenen Wissensstand beurteilen können. Basierend auf den Erkenntnissen werden zwei Hypothesen diskutiert: Bei den Mechanismen, die für ökonomische Entscheidungen verantwortlich sind, handelt es sich entweder um evolutionär alte und dadurch unter den Spezies weit verbreitete; oder die beobachteten Übereinstimmungen sind auf evolutionäre Konvergenz zurück zu führen. Unter evolutionärer Konvergenz versteht man das Phänomen, dass sich bestimmte Merkmale nicht-verwandter Arten auf Grund ähnlicher Umweltbedingungen zu annähernd gleicher Funktion entwickeln. Unterschieden wird also zwischen den Möglichkeiten, dass viele Arten das Vernunftsgen von einem gemeinsamen Urahn geerbt haben, oder dass sich diese Veranlagung unabhängig von Vorfahren entwickelt hat, da sie einen evolutionären Vorteil bringt. Um diese Frage letztendlich beantworten zu können, sind wohl noch einige Verhaltensstudien an Tieren und Gen-Analysen nötig, ohne die Gewissheit, eine eindeutige Antwort zu finden.

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