Sozialkritik: Satire und Karikatur

Gesellschaftliche und politische Missstände an den Pranger gestellt. Sozialkritik in Form von Satiren und Karikaturen hat eine lange Tradition. Mit beißendem Spott wird der Gesellschaft ihr Spiegelbild vorgehalten, Verhalten bloßgestellt.

Schon in der Antike – ungefähr ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. – wurden satirische Verse und Dramen verfasst. Einer der ersten großen Satiriker war Horaz (65-8 v. Chr.), ein römischer Lyriker, der vor allem sexuelle Ausschweifungen und ungehobelte Umgangsformen anprangerte.

Till Eulenspiegel: ein Schalk, der Sozialkritik übte

Satirische Erzählungen späterer Zeit sind beispielsweise die Geschichten des Till Eulenspiegel, dessen „Untaten“ etwa 150 Jahre lang in der Bevölkerung mündlich weitergegeben wurden, bis sie im Jahre 1500 – auf Niederdeutsch – niedergeschrieben bzw. gedruckt und 1515 ins Oberdeutsche übersetzt wurden.

Zeitweise wurde das Buch auf den Index gesetzt, so von Philipp II, der sich bemüßigt sah, es in den spanischen Niederlanden zu verbieten. Kein Wunder. Handelte es sich doch bei Till Eulenspiegels Narreteien nicht um reinen Schabernack oder lustige Streiche, sondern vielmehr um die Bloßstellung und Verspottung der Mächtigen – gleich, welcher Couleur.

Till Eulenspiegel war ein listenreicher Schalk, der die sozialen Machtstrukturen des 14. und 15. Jahrhunderts anprangerte und vor allem die Handwerksmeister aufs Korn nahm, die ihre Lehrlinge und Gesellen zur damaligen Zeit als billige Arbeitskräfte missbrauchten.

Die Satire: die gnadenlose Bloßstellung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse

Eine Satire geht bei ihrer Sozialkritik sehr gründlich vor und verfolgt eine konkrete Absicht. Sie ist aggressiv, erhebt Anklage gegen politische oder gesellschaftliche Verhältnisse, indem sie menschliche Schwächen, Laster oder auch gesellschaftliche und politische Missstände, Gegebenheiten oder Formen überspitzt und übertrieben darstellt.

Auf die ihr eigene, witzige, spöttische oder ironische Art und Weise stellt sie Menschen, Ereignisse oder Zustände gnadenlos bloß. Vertrautes erscheint absurd. Das bisher als so selbstverständlich Hingenommene rückt dadurch ins Bewusstsein – als Etwas, das es zu hinterfragen – und möglicherweise sogar zu verändern gilt. Bekannte Satiriker des 19. Jahrhunderts sind Mark Twain, Charles Dickens oder auch Heinrich Heine, die die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit zum Teil sehr bissig und schonungslos attackierten.

Zu den großen Satirikern des 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum gehören beispielsweise Christian Morgenstern und Karl Kraus oder auch – nach 1945 – Heinrich Böll und Friedrich Dürrenmatt.

Satiren unterliegen keiner bestimmten Literaturgattung. Selbst manche Fabeln und Märchen, die noch heute in Kinderbüchern zu finden sind, waren zu ihrer Zeit als Satire konzipiert. Sie sind Zeitspiegel der jeweiligen Gesellschaft und ihrer politischen Gegebenheiten.

Aber nicht nur literarische Texte dienten als Ausdruck von Sozialkritik. Auch satirische Zeichnungen wie die Karikatur waren und sind geeignete Mittel, um auf gesellschaftliche oder politische Missstände aufmerksam zu machen.

Die Karikatur: Zerrbild, Spottbild und Fratze als Spiegel der Gesellschaft

Die Karikatur weist als Stilmittel des Humoristischen bzw. Satirischen ebenfalls eine lange Tradition auf. Schon bei den alten Ägyptern, Griechen und Römern dienten solche Zerrbilder der allgemeinen Erheiterung bzw. als Ausdruck für soziale Kritik. Auch Leonardo da Vinci übte sich darin.

Die Karikatur ist eine bildliche Darstellung der Satire und, wie diese auch, zeitbezogen. Sie ist eine Zeichnung von Personen oder Ereignissen, die durch Überbetonung oder Hervorhebung charakteristischer Merkmale diese meist politischen Figuren, Zustände oder Ereignisse dem Spott oder der Lächerlichkeit preisgibt.

Auch wenn sie heutzutage nicht mehr denselben Stellenwert hat wie zur ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert, hat sie dennoch in manchen Tageszeitungen ihren festen Platz. Aber auch solch eine Karikatur kann man in all ihren Facetten nur dann verstehen, wenn man politisch auf dem Laufenden ist.

Ein heute noch – nicht nur bei Kindern – beliebter Karikaturist, der seine Zeitgenossen bzw. die damaligen gesellschaftlichen und menschlichen Schwächen in liebevoll-humoristischer, manchmal jedoch auch recht bösartiger Weise aufs Korn genommen hat, ist Wilhelm Busch (1832-1908).

Sowohl die Satire als auch die Karikatur unterliegen einer langen Tradition, sie waren und sind legitime Mittel, um der Gesellschaft und der Politik der jeweiligen Zeit einen Spiegel vorzuhalten.

Und auch, wenn die Zeiten sich ändern: Manche (alten) Missstände sind heute aktueller denn je …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.