Spritzenlose Spritzen – das Ende vom Pieken und Quieken

Amerikanische Forscher stellen eine Form der Injektion vor, die ohne Nadeln und ohne Schmerz auskommt. Sie könnte auch die teuren Insulin-Pumpen ersetzen.

Die ärztliche Spritze ist nicht sonderlich beliebt in der Bevölkerung. Schlecht gesetzt verursacht sie nicht nur überflüssige Schmerzen und manchmal auch Blutergüsse; manche Menschen leiden geradezu unter einer Angst vor Spritzen und meiden deshalb den Arztbesuch. Doch in Zukunft könnte ihnen dafür der Grund fehlen.

Das Prinzip des künstlichen Depots

Die Idee ist einfach und auch nicht ganz neu. Im Prinzip funktionieren diese spritzenlosen Spritzen wie Raucherpflaster. das Medikament wird nicht direkt subkutan (d.h. unter die Haut) injiziert, sondern zunächst in einem kleinen Depot auf die Haut geklebt. Dieses Depot teilt das Medikament in kleine Portionen auf und „presst“ diese dann durch das Gewebe hindurch. Dabei entstünden keine Schmerzen. Damit wird ein anderes Injektionskonzept, das ebenfalls ohne Nadeln arbeitet, in Zukunft ersetzt werden. Auch dieses ältere Modell hat das Medikament direkt in den Körper injiziert, wobei die Technik dazu führte, dass häufig Adern und Nerven getroffen wurden. Das führte zu Blutungen und Schmerzen.

Ein Injektor in Form einer Computer-Maus

Das Gerät, das der indisch-amerikanische Chemieingenieur Samir Mitragotri vorstellt, ist so klein wie eine Computer-Maus für einen Laptop. Es ist in neutralem Weiß gehalten, lässt sich mittig auseinanderziehen und passt sich durch eine flexible Grundfläche dem Körper an. Patienten können hier ohne viel Mühe selbst ihre Medikamente einsetzen. Gerade für Insulin-Patienten sei es, so Mitragotri, das ideale Gerät. Vorstellbar sind aber auch Grippeimpfungen und alle anderen Impfungen und Behandlungen, die hautnah und in Form von Depots gegeben werden.

Für Insulin gut, aber nicht für alles

Laboruntersuchungen zeigen, dass das Gerät durch Mikrospritzer ein Medikament durch die Oberhaut drückt. Statt eines stechenden Schmerzes spüre der Patient nur noch ein gewisses Kribbeln. Ganz ohne Reizung gehe es eben doch nicht. Tests an totem Gewebe und Tieren zeigen jedoch, dass die spritzenlose Spritze absolut zuverlässig wirke. Mit etwas über zehn Dollar sei es außerdem wesentlich günstiger als zum Beispiel Insulinpumpen, die über 5.000 $ kosten, und sogar günstiger als Grippespritzen. Man könne das Gerät leicht reinigen und wieder verwenden. Unbrauchbar sei es allerdings bei allen Medikamenten, die rasch gegeben werden müssten oder bei denen ein Depot angelegt werden müsse, das sich tiefer im Körper befindet.

Andere Formen der nadelfreien Injektion: Pflaster und Gels

Es gibt mittlerweile eine ganze Menge Möglichkeiten, Spritzen zu ersetzen. Das typischste Beispiel ist das Raucherpflaster. Ähnliche Systeme nutzen Mikrostrukturen aus Polymeren, die auf die Haut aufgesetzt werden können. An der Unterseite befinden sich winzige Spitzen, die die Haut anritzen. Dieses Material ist zugleich durchlässig für ein Medikament, welches sich zwischen dieser Schicht und einer schützenden Oberfläche befindet. Solche Pflaster eignen sich nicht nur für Patienten, die Angst vor Nadeln haben. Patienten können sich so leicht selbst behandeln.

Andere Möglichkeiten sind aufsprühbare Flüssigkeiten, die durch ihre besondere chemische Struktur von der Haut leicht aufgenommen werden. So können auch Medikamente, die sonst nicht die Haut durchdringen, präpariert werden. Diesen ähnlich sind sich auflösende Folien und Gele. Nichts von diesen Techniken ist wirklich neu. Neu sind nur die Möglichkeiten, zahlreiche Medikamente durch entsprechende Präparierung auf diese Weise zu verabreichen.

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