Warum Dicke nicht dünner und Dünne nicht dicker werden

Manche können auch gar nichts essen und nehmen nicht ab. Manche können ununterbrochen essen und nehmen nicht zu. Neue Erkenntnisse der Universität Gießen.

Wer hat nicht schon mindestens einmal in seinem Leben eine Diät gemacht? Oder sollte man besser sagen, „versucht“? Ist es nun der Winterspeck, der wieder weg muss oder die Frühlingsdiät für die Bikinifigur oder es kneifen einfach die Hosen. Selten ist man wirklich zufrieden mit der eigenen Figur und beäugt neidisch die Schlanken. Doch auch unter den Dünnen gibt es Unzufriedenheit. Manche würden gerne zunehmen. Beides ist schwierig, wenn man nicht weiß, worauf es dabei ankommt und es ist oft von Misserfolgen begleitet. Dicke brauchen zum Abspecken genauso viel Biss und Geduld wie Dünne, um sich ein paar Kilo anzufuttern.

Was passiert im Körper?

Die Nahrung ist unser Hauptenergielieferant und 70% der Energiezufuhr verbraucht der Körper für die Erhaltung der Normaltemperatur. Über die Haut wird Wärme nach außen abgegeben und der Körper muss diesen Verlust permanent ausgleichen. Dafür wird immer wieder Energie verbraucht. Nur 30% dagegen werden für andere Stoffwechselprozesse benötigt. Der Energieverbrauch schwankt von Mensch zu Mensch und hängt ab von Größe, Gewicht, Konstitution, Alter und Aktivität.

Was ist der durchschnittliche Kalorienverbrauch?

Es gibt viele Tabellen, die den durchschnittlichen Kalorienverbrauch für unterschiedliche Menschen angeben und daraus wird häufig die täglich benötigte Kalorienzufuhr berechnet. Unzählige Diätvorschläge ergeben sich daraus, sei es klassisch wie FDH oder modern wie Weight Watchers. Ganz neue Ernährungsformen wurden entwickelt wie z. B. die Trennkost. Nicht wirklich falsch sind alle diese Empfehlungen, doch werden viele Faktoren dabei nicht berücksichtigt. Bewegung, Stress, Gesundheitszustand, Ernährungsweise und Hormonhaushalt – all das beeinflusst den Energieverbrauch und kann in Tabellen nicht wieder gegeben werden.

Die spezifische Körperoberfläche ist entscheidend

Die Justus Liebig Universität in Gießen hat mithilfe von 3D-Bodyscans die spezifische Körperoberfläche von unterschiedlich dicken und dünnen Menschen bestimmt und kam zu einer neuen Erkenntnis. Die spezifische Körperoberfläche ist das Verhältnis von Körpermasse zu Körperoberfläche. Daraus ergab sich, dass dieses Verhältnis bei dicken Menschen ca. 50% kleiner ist als bei dünnen. Der sich daraus ergebende AMI-Wert (Area-Mass-Index) liefert genauere Richtwerte zu dem idealen Gewicht und dem durchschnittlichen Kalorienverbrauch und könnte den bisherigen BMI (Body-Mass-Index) in Zukunft ersetzen.

Was bedeutet das für Abnehmen und Zunehmen?

Der Energieverbrauch von dünnen Menschen ist höher als von dicken Menschen, da sie eine höhere spezifische Körperoberfläche haben, über die eine Wärmeabgabe erfolgt. Der Körper braucht deutlich mehr Energie, um die Körpertemperatur stabil zu halten. Klingt logisch, denn dünne Menschen frieren auch schneller. Bei dicken Menschen sagt man umgangssprachlich, sie seien besser gepolstert und Fett hält warm. In der Tat ist es so, dass dicke Menschen weniger Wärme nach außen verlieren und deshalb einen niedrigeren Energieverbrauch haben. Weiterhin bewegen sich Dünne meist mehr und schneller und verbrauchen dadurch zusätzlich mehr Energie.

In der Konsequenz bedeutet das, dass eine reine Veränderung der Essgewohnheiten nicht zwangsläufig zu einer Veränderung des Körpergewichtes führt. Weniger oder mehr Kalorien zuführen, nützt nichts, wenn nicht auch der Energieverbrauch gesteigert oder gesenkt wird.

Wenn man abnehmen oder zunehmen will, muss man auch seine Lebensweise anpassen. Und es gilt, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Für Übergewichtige ist Joggen und Body Building eher nicht angesagt – es strengt zu sehr an, um ein Pensum zu schaffen, das den Energieverbrauch deutlich steigert und es belastet den Rücken und die Gelenke. Der ideale Sport ist in diesem Fall Schwimmen. Man muss nicht das eigene Körpergewicht tragen und der Körper braucht viel Energie, um im kalten Wasser die Körpertemperatur zu erhalten. Für dünne Menschen heißt es dagegen: auch mal abends mit der Tüte Chips faul auf der Couch sitzen und sich nicht mehr unnötig bewegen.

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