Warum Männer nicht reden?

Warum er gerade in einer Beziehung Schwierigkeiten hat, über Gefühle zu sprechen.

Die Fähigkeiten, Gedanken und Gefühle auszudrücken oder Gehörtes zu verstehen und zu interpretieren, sind allgemein bei jedem Individuum unterschiedlich. Es gibt jedoch erkannte Unterschiede in der Interaktion bei Männern und Frauen, wie Emotionen und Gefühle verstanden und auch selbst formuliert werden.

Männer und die Kommunikation

So sind in Beziehungen häufiger die Männer als die Frauen diejenigen, die damit Schwierigkeiten haben. Bei einer MRT-Untersuchung, also bei der Magnetresonanztomographie, an der Indiana University School of Medicine wurden Männer und Frauen hinsichtlich ihrer Aktionen beim Zuhören untersucht. Bei Männern war der linke Schläfenlappen die Zeit über aktiv, bei Frauen jedoch zudem auch der rechte Schläfenlappen. Es konnte nicht geklärt werden, ob die Ursachen allgemein in der differenzierten Erziehung der Geschlechter oder an der unterschiedlichen Gehirnstruktur liegen. Ob es nun biologische Gründe sind oder die Sozialisation Schuld ist, die Art der Verarbeitung beim Zuhören kann bei keinem der Geschlechter als erfolgreicher oder besser bewertet werden. Es handelt sich nur um die „normalen“ Reaktionen bei unterschiedlichen Geschlechtern ohne dabei eine jegliche Wertung vornehmen zu können. Es ist nicht geklärt, welche der beiden Arten besser funktioniert.

Sozialisation der Männer

Die Problematik beginnt in der Kindererziehung. Eltern prägen ihren Jungen oft ein, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen. „Indianer kennen keinen Schmerz“. Sensibilität wird nicht belohnt, sondern unterdrückt. Weinen ist meist verpönt. Der Junge soll tapfer, mutig, stark und schmerzfrei sein. Später als erwachsener Mann leugnet dieser Junge dann jegliche schwachen Gefühle bis er sie sogar verdrängt. Diese unspezifische Bewältigungsstrategie des Leugnens bei unerwünschten Gefühlen kann am Ende sogar die Fähigkeit eines Menschen verringern, selbst angenehme Emotionen in starker Weise wahrzunehmen. Weniger „Gefühlsachterbahnen“ und Detailfreuden werden erlebt. Der Mann wird sachlicher in seinem Handeln und Denken und verfügt eher über begrenzte emotionale Sensibilität.

Warum Männer nicht über Gefühle reden

In einer Beziehung dann oder auch gerade in der Ehe erwartet die Frau von ihrem Mann, dass er sich ihr öffnet und über seine Gefühle spricht. Dabei geht es nicht nur um Gefühle füreinander, sondern auch allgemein um das Austauschen untereinander. Da wundert es nach einer solchen Erziehung, die der Mann häufig als Kind durchlebt hat, nicht, dass ihm das schwer fällt. Diese geht völlig gegen das Zulassen von Gefühlen, die Schwäche und Verletzlichkeit zeigen. Er wurde so erzogen, dass schwache Gefühle wie Angst, Einsamkeit oder Unsicherheit für einen Jungen nicht akzeptabel und letzten Endes bei ihm nicht vorhanden sind. Über negative Gefühle redet er nicht. So entstehen bei der Aufforderung zu solchen Gesprächen in der Beziehung häufig Frustrationen auf beiden Seiten. Dabei muss der Mann nicht unbedingt nicht darüber reden wollen, sondern er kann es schlicht und einfach nicht. Er hat es nie geübt, es wurde ihm im Gegenteil geradezu ausgetrieben. So hat der Mann nicht selten Schwierigkeiten bei emotionaler Nähe und Offenheit. Männer lügen meist nicht, wenn es um Gefühle geht. Sie nehmen manche Gefühle gar nicht mehr wahr.

Was Frauen von Männern warten

Selbst als erwachsene Männer erwarten die Frauen von ihnen, dass sie stark, männlich und schmerzfrei sind. Beim gemeinsamen Dvd-Abend, wenn dem Mann bei einer rührenden Szene eine Träne entrinnt, wird er oft lächerlich gemacht. Sie sind in Kriege und Schlachten gezogen ohne Furcht und Schmerz. Der Mann soll handeln, ein „Mann der Taten sein“. Wo Frauen sich bei der Partnersuche nun doch als erstes durch ihr Aussehen auszeichnen, so sind es beim Mann die Leistungen, die er erbringt. Doch dann in der Beziehung wird erwartet, dass er im Haushalt und bei der Kindererziehung hilft, emotional sensibel ist und über seine Gefühle spricht. Vom Mann wird widersprüchliches erwartet. Er steht vor einer Zwickmühle.

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