Was ist Neuroplastizität des gehirns?

Neuroplastizität: die Umgestaltung des Gehirns durch neues Denken. Unser Gehirn ist veränderbar und kann sich selbst reparieren. Wir selbst haben die Möglichkeit, unser Gehirn bis ins hohe Alter umzugestalten.

Natürlich wissen wir, dass Gedanken Dinge verändern können. Wir nehmen uns vor, positiv zu denken. So banal dies zu sein scheint, so unklar sind uns die Möglichkeiten, so wenig begreifbar ist für uns die Macht unserer Gedanken. Wir allein beeinflussen den Aufbau unseres Gehirns. Wir selbst bestimmen was und wie wir etwas wahrnehmen, interpretieren, bewerten. Indem wir unser Gehirn umgestalten, formen wir uns selbst. Wir sind Hauptdarsteller und Regisseure unseres Lebens.

Sich selbst erfüllende Prophezeiungen

Vielleicht kennen wir das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Wir gehen z.B. davon aus, dass unser nächstes Gespräch wieder nicht zum Ziel führt, da unser Gesprächspartner nach wie vor schwierig ist. Mit dieser Einstellung verhalten wir uns unmotiviert, unsicher, in jedem Fall nicht überzeugt vom positiven Ausgang dieses Gesprächs. Unser Verhalten beeinflusst so tatsächlich das Verhalten unseres Gegenübers. Unser Gesprächspartner wird genau das tun, was wir erwartet haben. Wir geben ihm keine Chance, es anders zu machen. Selbstverständlich funktioniert dieses Phänomen auch umgekehrt. Wir glauben an eine Sache und schon gelingt sie. Wir erinnern uns an unsere Siege und sind wieder erfolgreich. Denn solche positiven Gedanken motivieren, stärken und verleihen uns eine überzeugende, selbstsichere und positive Art. Die Dinge scheinen uns zuzufliegen. Und wir glauben, dass dies etwas mit Glück zu tun hat.

Zu selten nutzen wir die Möglichkeit, unser Handeln durch unser Denken zu beeinflussen. Eine einfache Methode, unser Potenzial zu entfalten. Anstatt dessen vergessen wir unter Alltagsstress, dem Leistungsdruck und dem sozial üblichen Jammern, welche Möglichkeiten wir haben. Die Macht unserer Gedanken öffnet uns Tore, macht uns frei. Freiheit, Einfluss, die Option zur Veränderung und Weiterentwicklung. Das fehlt den meisten. Wir warten darauf, dass sich etwas ändert. Dabei liegt die Lösung in uns selbst. Es ist auch unser Hang zur Bequemlichkeit. Wir haben doch ohnehin zu viel um die Ohren. Wer hat schon die Zeit, sich über die Art des eigenen Denkens Gedanken zu machen? Zu leicht ist es, einfach so weiter zu machen, wie wir es gewohnt sind. Alles bleibt beim Alten, wir müssen uns an nichts Neues gewöhnen, auf keine Veränderungen einstellen. Niemand in unserem Umfeld wird überrascht sein, warum wir plötzlich etwas anders machen.

Neuroplastizität

Es ist jedoch kein Aufwand. Es lohnt sich. Denn wie Forscher der Neuroplastizität, der Theorie der Veränderbarkeit des Gehirns, herausfanden, ist unser Gehirn auch noch im Erwachsenenalter jederzeit formbar! Diese Veränderung erfolgt nicht durch einen medizinischen Eingriff, sondern durch einen winzig kleinen anderen, neuen Gedanken. Ein kleiner Gedanke kann unser Leben verändern, aber auch in kleinen Schritten auf Dauer Großes bewegen.

Wie sieht nun der Ablauf der Informationsverarbeitung in unserem Gehirn aus?

Unser Gehirn besteht aus einer Vielzahl von Nervenzellen, die miteinander kommunizieren. Typische Gedankenmuster laufen ab, indem Informationen auf die gewohnte Art verarbeitet werden, die jedes einzelne Gehirn entsprechend seiner individuellen Entwicklung und gemachten Erfahrungen zulässt. Informationen bewegen sich als elektrische Impulse auf von uns gesetzten Nervenbahnen, werden verarbeitet, gekoppelt und von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergeschickt. Dann lösen sie einen weiteren Gedanken oder eine Handlung aus. Wie Wissenschaftler herausfanden, ist unser Gehirn sogar so flexibel, dass jeder Teil der Großhirnrinde in der Lage ist, jedes elektrische Signal zu verarbeiten. Die verschiedenen Hirnareale sind nicht so spezialisiert, wie man annahm. Es ist sogar möglich, dass Hirnareale völlig andere Funktionen übernehmen, als man diesen zugeteilt hat und dadurch defekte Areale nahezu ersetzen können. Defekte oder blockierte Nervenbahnen werden durch ältere umgangen. Oder es entstehen neue Verbindungen von Nervenzellen. Unser Gehirn strukturiert sich neu. Durch einen neuen Gedanken werden neue Bahnen gelegt. Unsere Nervenzellen werden neu verschaltet. So entstehen neue Möglichkeiten der Verknüpfung von Informationen. Im Gehirn können dieselben aufgenommenen Informationen neue Wege gehen und so einen anderen Output erzeugen.

Visualisierung als Training für die Realität

Neurowissenschaftler erkannten, dass schon allein das Spielen eines Klavierstückes in Gedanken dieselben Gehirnareale in derselben Intensität aktiviert wie das Klavierspielen in der Realität. Ein Pianist ist in der Lage, das Klavierspielen ohne ein Instrument zu trainieren. Sogar das motorische Zentrum für die Bewegung der Finger und Hände ist in diesem Fall aktiv. Man stellte schon viel früher fest, dass das detaillierte Vorstellen einer bevorstehenden Situation wie ein reales Training wirkt. Jemand der nicht Fahrradfahren kann und sich vorstellt, er fahre Rad, wird es dann bei den ersten realen Versuchen wesentlich schneller lernen.

Wenn wir uns vorstellen, einen gewohnten Ablauf anders zu machen und diesen detailliert durchspielen, entstehen neue Möglichkeiten, die in der Realität schneller zum Ziel führen. Die Fesseln der gewohnten Gedanken werden gelöst. Selbst wenn es anfänglich abstrus erscheint, völlig neu in Bezug auf eine gewohnte Situation zu denken, ist dies eine effiziente Möglichkeit, eine Situation anders als sonst, passender zu meistern. Hierbei gilt das Trial-and-Error-Prinzip. Fehler dürfen gemacht werden. Sie ermöglichen Innovation. Nur so kann das Potenzial unseres Gehirns mehr und mehr entfaltet werden. Wir können jederzeit durch neue Gedanken neue Wege in unserem Gehirn bauen, auf denen Informationen anders als gewohnt geleitet werden. Durch mehr Assoziationsmöglichkeiten werden Problemlösungen schneller gefunden, wird das eigene Potenzial entfaltet und effizienter eingesetzt.

Neustrukturierung des Gehirns

Neu denken, bedeutet, offen zu sein für Neues. Damit sich unser Gehirn neu strukturiert, müssen wir es so oft wie möglich trainieren, indem wir Neues lernen. So können auch alte nicht mehr genutzte, inaktive Nervenbahnen und Nervenzellen wieder aktiviert werden. Durch die Vernetzung von alten und neuen Nervenzellen vergrößern wir den aktiven Part unseres Gehirns und damit unsere Möglichkeiten, zu denken. Werden wir nun mit einer neuen Situation konfrontiert, sind wir in der Lage, diese Situation oder dieses Problem aus mehr Perspektiven zu beleuchten. Eine passende Verhaltens- oder Denkweise ist schneller parat. Indem wir die Flexibilität unseres Gehirns nutzen, werden wir selbst flexibler. Wir formen unser Gehirn und damit uns selbst. In unserem System gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, sondern nur Denk- oder Handlungsweisen, die besser oder schlechter passen. Je komplexer wir denken können, desto passender wird unser Denken und Handeln, desto schneller erreichen wir unsere persönlichen Ziele. Wir können jetzt damit beginnen.

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