Wie wirkt Qigong

Was haben Qigong, Tai Chi und Akupunktur gemeinsam? Die traditionelle chinesische Medizin nimmt an, dass Energieblockaden zur Entstehung von Krankheiten führen. Qigong-Übungen sind ein Weg, um diese zu lösen. Qigong kann in China auf eine über 5000 Jahre alte Tradition zurückblicken. Seinen Höhepunkt hatte es zur Zeit der „Streitenden Reiche“, wie man die Epoche zwischen 770 und 221 vor unserer Zeitrechnung nannte. Es soll über Tausend verschiedene Formen geben haben. Taoisten praktizierten Qigong anders als Konfuzianer und Buddhisten. Mit der zunehmenden Verbreitung des Buddhismus in China wurden die praktischen Übungen des Qigong um theoretische Inhalte bereichert. Doch am meisten verbreitet ist das taoistische Qigong. Ebenso wie Tai Chi Chuan stellt es eine wichtige Säule der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) dar.

Was bedeutet Qigong und wie wirkt es?

Qi – oder Chi wie in Tai Chi – wird im Allgemeinen mit Lebenskraft gleichgesetzt. Dabei bedeutet Qi im Chinesischen eigentlich Luft oder Gas. Die traditionelle chinesische Medizin definiert „Yuanqi“ als die ursprüngliche vitale Energie im menschlichen Körper. Heute ist uns der Begriff Chi auch aus der Akupunktur bekannt. Mit Verbreitung der chinesischen Medizin im Westen fanden diese Vorstellungen auch in Europa zunehmend Anklang. Zumindest die Akupunktur ist heute von der Schulmedizin anerkannt. So wird die Behandlung bei bestimmten Krankheitsbildern von den Krankenkassen bezuschusst. Wie die Akupunktur, gehen auch Techniken wie Qigong oder Tai Chi Chuan von bestimmten Energiekanälen im menschlichen Körper aus, den Meridianen.

Damit deckt sich dieses System weitgehend mit der aus dem tibetisch-indischen Kulturraum stammenden Lehre von den Chakren als Energiezentren. Allen ist die Vorstellung gemeinsam, dass Energieblockaden im Körper über kurz oder lang zur Entstehung von Krankheiten führen. Durch das regelmäßige Praktizieren bestimmter Übungen kann man diese Blockaden lösen, Krankheiten vorbeugen und/oder die Beschwerden lindern. Auch wer (noch) nicht krank ist, profitiert vom Training. Qigong erhöht die Beweglichkeit, stärkt den Gleichgewichtssinn, regt die Stoffwechselvorgänge an und sorgt für einen klaren Kopf.

Die Grundlagen des Taoistischen Qigong

Nach der traditionellen Lehrmeinung des Tao gibt es fünf Stufen des Qigong. Diese bauen aufeinander auf und tragen malerische Bezeichnungen, die auf den Kreislauf des Lebens schließen lassen:

  1. Verwandlung des Samen in Sperma
  2. Verwandlung des Spermas in Qi
  3. Verwandlung des Qi in Geist
  4. Rückführung des Geistes ins Nichts
  5. Verbindung des Nichts mit Tao

Die Grundausbildung beschränkt sich auf die ersten beiden Stufen. Die Übenden entwickeln ein Gefühl für das Qi und dafür, wie die Lebensenergie im Körper fließt. Durch regelmäßiges Trainieren spürt man zudem im Laufe der Zeit, an welchen Stellen im Körper die Energie blockiert ist. Durch Qigong werden diese Blockaden gelöst und das Qi strömt frei entlang der sogenannten Mittellinien von Brust, Bauch, Rücken und Kopf. Dieser Energiestrom wird als „Kleine Zirkulation“ bezeichnet. Die nächste Phase – quasi Qigong für Fortgeschrittene – umfasst Stufe 3. Wenn sich das Qi in Geist verwandelt, ist die „Große Zirkulation“ möglich. Dabei werden alle wichtigen Energiekanäle des menschlichen Körpers durchströmt. Diese entsprechen den Hauptmeridianen der klassischen Akupunktur. Erreicht man mit den Stufen 4 und 5 die Rückkehr des Geistes ins Nichts, verspürt man ein Gefühl der absoluten Leichtigkeit und Leere.

Nichts scheint mehr wichtig, und die Welt scheint für einen Moment stillzustehen. Der Kopf genießt völlige Gedankenleere und der Körper befindet sich in einer Art Schwebezustand. Damit gleicht diese Phase jener Ebene, die von erfahrenen Übenden auch durch Tiefenentspannung und Meditation erreicht werden kann. Dennoch will Qigong keine mystische Praxis für Eingeweihte sein. Auf dem Markt gibt es eine ganze Reihe von praktischen Qigong-Ratgebern. Lehrbücher und Kursleiter betonen einhellig, dass jeder das höchste Niveau erreichen kann. Dafür braucht es „nur“ regelmäßiges Training von mindestens 20 Minuten pro Tag und Geduld. Die beiden Grundstufen beherrscht man bei konsequentem Üben schon nach etwa drei Monaten. Wer die Vervollkommnung anstrebt, darf sich danach vorwagen bis zur „Verwandlung von Qi in Geist“. Dafür sollte man sich aber schon mindestens anderthalb Jahre Zeit nehmen.

Die Übungspraxis des Qigong

Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Qigong-Formen. Am bekanntesten ist wohl der Wildgans-Typ. Er besteht aus insgesamt 64 Körperhaltungen und Bewegungsabläufen. Ein kompletter Durchgang dauert circa zehn Minuten. Wem das zu aufwändig ist, der kann auch einzelne Übungen der Grundform zur Beruhigung und Entspannung anwenden. Das Muschel-Qigong zum Beispiel betont den Energieausgleich von Yin (Sonne) und Yang (Mond). Es besteht aus drei Teilen:

  • Aufwecken der Muschel
  • Öffnung der Schale
  • Sammlung von Qi

Doch für egal welche Form man sich entscheidet, wichtig ist beim Qigong stets der korrekte Bewegungsablauf. Denn nur wenn die Bewegungen exakt wie vorgeschrieben ausgeführt werden, kann eine Anregung der einzelnen Meridiane erfolgen. Ansonsten ist Qigong zwar immer noch entspannend, wird aber nicht seine volle gesundheitsfördernde Wirkung entfalten. Deshalb lernt man die Technik am besten unter Anleitung. Kurse werden nicht nur an der VHS geboten, sondern auch in Zentren oder Kliniken für TCM. Dort sind Korrekturen durch den Therapeuten an den Bewegungsabläufen oder der Körperhaltung möglich, bevor die fehlerhafte Übung in Fleisch und Blut übergeht. Zuhause heißt es dann täglich trainieren (fürs Üben steht das „gong“ in Qigong). Für die Grundstufe reichen zehn Minuten. Wer das umfassende Programm absolviert, braucht zwanzig bis dreißig Minuten Zeit. Qigong am späten Abend kann das Einschlafen erschweren. Wer morgens vor dem Frühstück üben möchte, sollte zumindest ein kleines Glas Wasser trinken. Ansonsten ist es ratsam, mindestens 1/2 Stunde Abstand zu den Hauptmahlzeiten einzuhalten. Wenn das Wetter mitspielt, übt man am besten im Freien an der (möglichst) frischen Luft. Denn auch die Atmung spielt beim Qigong eine entscheidende Rolle.

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