YouTube entdeckt das Rauchen wieder

Die Gesundheitspolitik glaubte das Rauchen durch Werbeverbote und Rauchverbote abschaffen zu können. Bei YouTube wird Widerstand geleistet.

Seit nunmehr drei Jahrzehnten setzt die Gesundheitspolitik weltweit immer neue und strengere Werbeverbote gegen Tabakwaren und Rauchverbote im öffentlichen Raum und in der Gastronomie durch. Bald soll durch neutrale Packungen, die nur mehr mit Warnhinweisen und Schadstoffangaben graphisch gekennzeichnet sind, Produktinformation und Markenwerbung überhaupt verboten werden. Aber es regt sich Widerstand in den neuen Sozialen Medien. Ein Teil der jungen Internetgemeinde stellt den Tabakkonsum in „vollen Zügen“ und mit äußerstem Genuss ins Netz. Eine neue Bewegung ist im Entstehen. Während in Deutschland und Österreich noch über das gänzliche Rauchverbot bei Bierfesten und in der Gastronomie diskutiert wird, tobt der gesundheitspolitische Kampf längst im Web 2.0. wie etwa bei YouTube.

Studie aus Neuseeland bestätigt Gegenbewegung

Eine Studie einer Universität aus Neuseeland hat sich mit der Analyse von YouTube und der dort auftretenden Werbung für Tabakwaren beschäftigt. Man gab die fünf in Neuseeland bekanntesten Zigarettenmarken ein: Marlboro, L&M, Benson and Hedges, Winston und Mild Seven und kam zu erstaunlichen Ergebnissen. Nicht weniger als 163 Videoclips enthielten Hinweise auf Tabakmarkenwerbung. Ein Großteil der untersuchten Clips, man geht von mehr als 70 % aus, stellt Personen dar, die die angegebenen Marken durch Rauchen verzehrten. In nahezu allen Fällen war das Markenlogo deutlich erkennbar. Die im Durchschnitt meisten Zugriffe hat die Marke Marlboro mit durchschnittlich 104.000 Zugriffen pro Tag. Ein Clip kam sogar auf 2 Millionen Zugriffen. Neben einigen wenigen alten Werbeclips, die immer wieder auftauchen, ist jedoch der Großteil aus der jüngsten Vergangenheit und durch zivile Internetuser „selbst gemacht“. Deshalb gehen die Vorwürfe der Gesundheitspolitik und der Studienautoren, dass hier eine gezielte Marketingkampagne der Tabakindustrie insgesamt oder einzelner Tabakfirmen dahinter stecke, auch völlig ins Leere.

Tabakindustrie fühlt sich zu unrecht kritisiert

Vor diesem Hintergrund fühlt sich die Tabakindustrie, allen voran Philip Morris und British American Tobacco, die sich in Stellungnahmen dazu bereits geäußert haben, auch zu Unrecht kritisiert. So stellten beide Weltkonzerne klar, dass sie keinerlei Werbematerial auf der Plattform online gestellt hätten oder Dritte dazu animiert hätten. Philip Morris wies sogar nach, dass sie vor kurzer Zeit sogar mit Online-Betreibern Kontakt aufgenommen hätten, um Markenwerbung für ihre Produkte dort zu löschen. British American Tobacco legte den Inhalt einer freiwilligen Vereinbarung zwischen einer Reihe von Tabakindustriefirmen vor, wo bereits 2002 die Werbung auf Websites eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen wurde. Manche Experten aus dem Tabaksektor schließen sogar nicht aus, dass die Anti-Raucherbewegung hier ein neues Feld der Auseinandersetzung mit dieser Thematik erschlossen hat, dass in seiner Zielsetzung zu noch strengeren Regelungen führen oder überhaupt in ein Totalverbot von Tabakwerbung und Tabakgenuss münden soll.

Anti-Raucher-Bewegung „Action on Smoking and Health“ Gewehr bei Fuß

Dazu passt die Tatsachen, dass die US-amerikanische Anti-Raucher-Bewegung „Action on Smoking and Health“ Gewehr bei Fuß für weitere Aktionen gegen den Tabakgenuss und die Tabakwerbung steht. Diese einflussreiche gesundheitspolitische Bewegung will die Obamaadministration dazu bewegen, sowohl in den USA als auch der Weltgesundheitsorganisation WHO im Resultat ein völliges Tabakverbot durchzusetzen. Die neuen Sozialen Medien sollen hier im Zentrum der Kampagne stehen. Damit soll auch jeder Privatperson das „Recht auf sein eigenes Bildnis als Raucher“ untersagt werden.

Recht auf eigenes Bildnis als Raucher auch bald verboten

Die junge Internetgemeinde steht also vor der Herausforderung, dass ein Verbot des Rechts auf ein eigenes Bildnis als Raucher im Netz bereits offen betrieben wird. Man darf gespannt sein, mit welchen strategisch und operativ zur Verfügung stehenden Mitteln der Technik und Kommunikation die Internetgemeinde diesen Verboten zu entfliehen gedenkt. Der Sportsgeist in den Köpfen der YouTube-Generation ist jedenfalls entfacht.

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