Entscheidungsunfähigkeit, ein ernstzunehmendes Problem

Jeden Tag treffen wir unzälige Entscheidungen. Was jedoch, wenn man Angst davor hat? Was sagt die Wissenschaft dazu? Welche Probleme können dabei entstehen?

Wir alle treffen täglich Dutzende Entscheidungen. Dies fängt bei Banalitäten an, welche so selbstverständlich geworden sind, dass wir sie nicht mehr als Entscheidung sehen. Würden Sie es denn als eine große Überlegung ansehen, ob Sie morgens lieber Wurst oder Käse auf den Toast nehmen, oder ob Sie noch eine zweite Tasse Kaffee trinken?

Andere Entscheidungen sind da schon schwerwiegender: Kaufe ich lieber das rote Auto oder soll ich das Schwarze kaufen? Im Allgemeinen treffen wir diese bzw. so gut wie alle Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“. Manchmal beziehen wir Freunde und Familie in eine Entscheidung mit ein, treffen aber die Entscheidung an sich selbst.

Die Wissenschaft beschäftigt sich eingehend mit diesem Thema

Manche Menschen haben allerdings Schwierigkeiten damit, Entscheidungen zu treffen. Sie wiegen die einzelnen Optionen gegeneinander ab und kommen dennoch zu keinem Ergebnis. Im Gegenteil, je mehr Sie darüber nachdenken, desto unsicherer werden Sie. Dies führt in der Regel zu Schlafstörungen, was wiederrum die Entscheidungsfähigkeit negativ beeinflusst. Das Fachmagazin Sleep hat hierzu im Jahr 2009 einen Artikel veröffentlicht.

Forscher haben auch herausgefunden dass der Botenstoff Dopamin wesentlichen Einfluss auf unsere Entscheidungen hat. Das menschliche Gehirn simuliert unmittelbar vor einer Entscheidung alle möglichen Alternativen und berücksichtig alle Emotionen die aus den verschiedenen Möglichkeiten entstehen. Die Variante mit der Positivesten Emotion, wird mit dem Amin Dopamin „versehen“ und daraus resultiert die Entscheidung. Tali Sharot und Ihre Kollegen vom Londoner University College haben einen Artikel im „Current Biology“ dazu veröffentlicht.

Entscheidungsunfähigkeit tritt in der Regel bei Menschen auf, die auch an anderen Ängsten leiden. Eine Therapie ist in der Regel sinnvoll und auch angebracht um die Angst vor Entscheidungen bzw. vor den eigenen Entscheidungen zu mildern. Betroffene zögern Entscheidungen möglichst lange hinaus, in der Hoffnung, dass sich das Problem von selbst erledigt. Diese Angst nennt man in der Fachsprache Decidophobie, dieses Wort wird aus zwei Begriffen zusammengesetzt nämlich: desidere (lateinisch) = entscheiden und phobos(griechisch) = Furcht.

Der Alltag mit Decidophobie

Diese Form der Angst kann extreme Formen annehmen, so dass die Betroffenen oft nicht in der Lage sind, ein geregeltes Leben zu führen. Wenn zum Beispiel einfache Entscheidung, im beruflichen Alltag zur Qual werden. Auch eine Partnerschaft aufzubauen kann durchaus Problematisch werden, wenn der/die Betroffene Angst vor der Entscheidung hat, ob er den Gegenpart noch einmal wieder treffen möchte, oder wann eben dieses Treffen stattfinden soll. In einer bestehenden Partnerschaft kann dies sogar dazu führen, dass der Partner die Last nicht länger teilen kann.

Angstpatienten haben oft das Problem, dass Freunde und Familie kein Verständnis dafür haben, das Angst in ausgeprägter Form krankhaft werden kann. Menschen die unter Decidophobie oder einer anderen Angstform leiden, benötigen ein starkes Umfeld und Rückhalt von Familie und Freunde. Eine Therapie sollte unbedingt in Betracht gezogen werden. Selbsthilfegruppen und auch spezifische Internetforen ergänzen das Angebot.

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