Hautkrankheit & Heilpflanzenkunde

Krankheitsbilder und Behandlung mit Heilkräutern.

Ob Wunden, Pilze oder Neurodermitis: Die meisten Hauterkrankungen können mit Hilfe von Heilpflanzen gelindert oder auch sogar geheilt werden.

Bei Hautkrankheiten wie Juckreiz, Furunkeln, Ekzemen oder Neurodermitis muss man nicht immer sofort zu cortisonhaltigen oder verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen, auch die Heilkräfte der Natur können weiterhelfen oder die Medikation ergänzen.

Juckreiz (Pruritus)

Juckreiz kann durch äußere oder innere Einflüsse hervorgerufen werden. Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Trocknungsekzeme (Exsikkationsekzeme), mikrobieller Befall, Nesselsucht, Knötchenflechte (Lichen ruber planus), Krätze (Skabies, ausgelöst durch Krätzmilben) gehen häufig mit Juckreiz einher. Internistische Erkrankungen wie Leukämie, Schilddrüsenüberfunktion und Diabetes mellitus können Hautjucken ebenfalls verursachen. Die Ursache für Juckreiz sollte gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden, um eine adäquate Therapie, auch mit pflanzlichen Mitteln, vorzunehmen.

Entzündlich-eitrige Hauterkrankungen (Follikulitis, Furunkel, Karbunkel, Acne vulgaris)

Bei einer Follikulitis ist der Haarbalg entzündet, bei einem Furunkel ist daneben noch die Talgdrüse betroffen. Meist tritt nach einiger Zeit auch Eiter aus den betroffenen Hautstellen aus. Unter einem Karbunkel versteht man eine Gruppe von benachbarten Furunkeln. Bei allen Erscheinungen sind bakterielle Erreger beteiligt. Bei Acne vulgaris entstehen eitrige Entzündungen aus Mitessern. Dabei verstopft erhärteter Talg den Ausgang der Drüsen, sodass unter Beteiligung von Bakterien Pickel entstehen. Bei schweren eitrigen Erkrankungen können neben einer Therapie mit verschreibungspflichtigen Salben desinfizierend wirkende Pflanzenextrakte und zur Nachbehandlung gerbstoffhaltige Pflanzenextrakte eingesetzt werden. Bei leichten entzündlichen Erkrankungen kann eine Behandlung mit entzündungshemmenden, desinfizierenden Pflanzenextrakten ausreichen.

Akute und chronische Hautentzündungen (Dermatitis, Ekzem)

Bei einer Hautentzündung handelt es sich um eine Antwort der Haut auf schädigende Einflüsse. Dabei bilden sich keine Eiterherde aus. Hautentzündungen können durch Reize und Giftstoffe, Allergien oder durch Infektionen ausgelöst werden und sind häufig mit Juckreiz verbunden. Im Gegensatz zu einer akuten Hautentzündung (Dermatitis) kann sie auch wiederkehrend und langanhaltend (chronisch) sein (Ekzem).

Phytotherapeutika können die ärztliche Therapie ergänzen. Wegen der geringen Nebenwirkungen eignen sich pflanzliche Extrakte zur Intervallbehandlung bei chronischem Ekzem. Bei akut entzündlichen Verlaufsformen sollten kühle, wässrige Extrakte mit entzündungshemmenden Eigenschaften verwendet werden (Kamillenblüten- oder Schafgarbentinktur). Bei akut nässenden Verlaufsformen können kühlende Bäder, Umschläge, wässrige Lösungen und leichte Cremes mit entzündungshemmenden, antibakteriellen und gerbstoffhaltigen Pflanzenextrakten Linderung herbeiführen. Extrakte aus Bittersüßstängeln können den Juckreiz lindern. Bei subakuten und chronischen Verlaufsformen können wasserhaltige Cremes oder Salben (wenn es sich nicht um ein Ekzem, verbunden mit starker Talkproduktion – seborrhoisches Ekzem – handelt) eingesetzt werden. Milchschorf bei Säuglingen kann äußerlich mit einem abgekühlten Infus aus Stiefmütterchenkraut und gerbstoffhaltigen Pflanzenextrakten behandelt werden, in der Praxis lässt man ihn mittlerweile jedoch unbehandelt.

Neurodermitis

Es handelt sich um eine Dermatitis oder ein Ekzem mit Hautrötungen, Juckreiz und trockener, schuppender Haut, wobei eine abnorm erhöhte Bildung von Antikörpern (IgE) zu beachten ist. Meist ist Neurodermitis kombiniert mit Heuschnupfen (Rhinitis allergica) oder allergischem Asthma bronchiale. Die Haut neigt, bedingt durch die Vorschädigung, häufig zu bakteriellen und viralen Infektionen (Sekundärinfektionen), die rechtzeitig mit den entsprechenden verschreibungspflichtigen Mitteln behandelt werden müssen. Bei Verwendung von Phytopharmaka ist bei Neurodermitis eine Allergisierung sehr groß. Aus dem Grund sollte auf Pflanzen mit Allergisierungsgefahr (Korbblütler) verzichten werden. Innerlich und äußerlich kann Borretschsamenöl oder auch Nachtkerzenöl verwendet werden, der äußere Gebrauch der fetten Öle eignet sich nicht bei einem akuten Schub mit Nässen. Hier sollten kühlende, gerbstoffhaltige Pflanzenextrakte eingesetzt werden. Bei chronischen Verlaufsformen hat sich das Einreiben mit Rotöl (Johanniskraut) bewährt.

Lippenherpes (Herpes simplex) und Gürtelrose (Herpes zoster)

Es handelt sich um Virusinfektionen mit Herpes simplex-Viren bzw. Windpockenerregern (Varicella zoster-Virus). Diese Erreger ziehen sich nach einer Erstinfektion in bestimmte Areale des Zentralen Nervensystems zurück (z.B. Spinalganglien), um unter bestimmten Umständen (Immunschwäche, UV-Bestrahlung, Stress, Menstruation) über Nervenbahnen wieder an die Oberfläche zurückzukehren. Dort verursachen sie schmerzhafte Bläschen, die unter Verschorfung abheilen.

Pflanzliche Präparate aus Melissenblättern und die darin enthaltenen Gerbstoffe verändern die Zelloberflächen so, dass die Viren nicht mehr eindringen können. Ätherische Öle aus Teebaum- oder Bergamotteöl (Achtung, unter Sonneneinstrahlung erfolgt Lichtsensibilisierung) sollen die Ausbreitung der Viren ebenfalls hemmen. Sowohl prophylaktisch wie auch bei Ausbruch beider Formen haben sich in der Erfahrungsmedizin Zubereitungen aus Rotöl sehr bewährt.

Vorzugsweise wird bei Herpes zoster das Rotöl direkt aufgetragen, bei Lippenherpes empfiehlt es sich, Rotöl mit Bienenwachs zu verfestigen und als Lippenpflegestift zu applizieren. In seltenen Fällen können die Schmerzen, die bei einer Gürtelrose auftreten auch nach Abheilen der Hautareale bestehen bleiben (Post-Zosterneuralgie). Als mildes Mittel wird auch hier Rotöl eingesetzt. Bei länger als drei Tage dauernder Anwendung von Cayennepfefferextrakten entsteht ein Taubheitsgefühl, das bei Schmerzen durch Gürtelrose das Schmerzgefühl unterdrückt – eine Abheilung auf der Haut muss dringend vorher erfolgt sein, sonst ist die Hautreizung zu stark.

Warzen

Warzen werden meist durch Viren verursacht und treten oft an Händen oder Füßen auf, da sie vornehmlich im Feuchtbereich übertragen werden. Die Behandlung mit Lebensbaumtriebspitzen-Urtinktur hat sich nur bei sehr kleinen Warzen bewährt. Ansonsten ist auf Schöllkraut zu verweisen; Feigwarzen gehören immer in fachärztliche Behandlung (Urologe, Gynäkologe). Dort wird ein Podophyllotoxin (verschreibungspflichtig) aus Fußblattwurzeln eingesetzt.

Pilzinfektionen (Soor und Windeldermatitis)

Soor ist eine durch Sprosspilze (Candida albicans) hervorgerufene Krankheit, die sich äußerlich auf der Haut in Juckreiz, Hautrötung und Schälen äußern kann. In der Mundhöhle erscheinen weißliche Beläge, die nur schwer abzuwischen sind, leicht zu bluten beginnen. Die Infektion kann sich von dort bis hin in den Darm erstrecken – eine ärztliche Diagnose ist erforderlich.

Windeldermatitis kommt häufig bei Säuglingen und Kleinkindern vor, bei denen sich durch die dicht schließende Windel und das feuchte Klima die Ausbreitung von pilzlichen Erregern begünstigt ist. Nach Beseitigen der Pilze durch synthetische Mittel kann die Heilung mit Kamillenblütenzubreitungen oder Ringelblumenextrakten in Pasten, die Zinkoxid enthalten, gefördert werden. Auch Stiefmütterchenkrauttees werden eingesetzt.

Fußpilzinfektionen durch desinfizierende ätherische Öle zu behandeln, ist einzig bei hartnäckigen Verlaufsformen sehr langwierig. (Thymian-, Salbei- oder Teebaumöl).

Wundliegen (Dekubitus)

Bei langer Bettlägerigkeit kommt es oft zum Wundliegen besonders belasteter Hautareale. Hier können neben speziellen druckentlastenden Kissen und häufiger Veränderung der Position auch entzündungshemmende oder gerbstoffhaltige Extrakte ggf. in Form von Cremes eingesetzt werden.

Wunden

Wird die Haut verletzt, unterscheidet man primäre und sekundäre Wundheilung. Bei der ersteren von glattrandigen, nichtinfizierten Wunden wie Schnitt-, Stich-, Schürf- und Kratzwunden kommt es innerhalb von sechs bis acht Tagen zum Wundverschluss; zur sekundären Wundheilung zählen infektionsgefährdete Riss-, Biss-, Quetsch-, Platz-, Zerr- oder Brandwunden unter Auffüllen von Gewebslücken durch Granulationsbildung und Gewebeneubildung. Verzögerungen oder Komplikationen können beim Bestehen von Stoffwechsel- oder Durchblutungsstörungen, Infektionen in Wundnähe, Blutergüssen oder Einnahme bestimmter Medikamente wie Cortison oder blutgerinnungshemmenden Mitteln (Antikoagulantien, Acetylsalicylsäure) auftreten.

Frische Wunden werden nicht mit Wasser ausgespült, nur bei Bissverletzungen durch Tiere sollte dies geschehen. Bei Bissverletzungen ist ein Arzt aufzusuchen.

Nässende Wunden werden mit wässrigen Auszügen behandelt. Umschläge von Teeauszügen empfehlen sich, gerbstoffhaltige Drogen oder Ackerschachtelhalmkraut. Eine Ölbehandlung darf wegen Emboliegefahr nicht durchgeführt werden, so dass Heilpflanzen, deren wundheilfördernde Inhaltsstoffe sich am günstigsten in fetten Ölen oder Alkohol extrahieren lassen, hier nicht anwendet werden können (Kamille, Scharfgarbe, Ringelblume in Ölauszügen und Tinktur). Allenfalls lassen sich alkoholische Auszüge mit Wasser oder wässrigem Tee verdünnen und in Form von Umschlägen anwenden.

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