Ist Bio gesünder?

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Bio-Lebensmittel zeichnen sich nicht nur durch weniger wertmindernde, sondern auch durch mehr wertfördernde Inhaltsstoffe aus.

Ob Bio-Lebensmittel generell für uns Menschen gesünder sind als konventionelle, gilt nach wie vor als wissenschaftlich nicht abgesichert. Und doch deutet sehr viel darauf hin. Professor Dr. Emmerich Berghofer vom Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität für Bodenkultur in Wien erklärt, dass man zum Beispiel bei Bio-Getreide Hinweise auf eine unterschiedliche Zusammensetzung im Vergleich mit konventionellem Getreide hat.

Bio-Getreide: Mehr Stärke, weniger Proteine

Die Unterschiede lassen sich vor allem auf das unterschiedliche Stickstoffangebot bei der landwirtschaftlichen Produktion zurückführen. „Wenn dieses nicht so üppig ist, was eher für den ökologischen Landbau zutrifft, verschiebt sich die Syntheseleistung der Pflanze mehr in Richtung kohlenstoffhaltiger Inhaltsstoffe wie Stärke, Zellulose und nicht-stickstoffhältige, sekundäre Metabolite“, so der Experte. Das erkläre den geringeren Protein- und Klebergehalt von Bio-Getreide, was sich auf die Koch- und Backeigenschaften auswirken kann.

Mehr ekundäre Metaboliten in biologischen Lebensmitteln

„Im ökologischen Anbau müssen sich die Pflanzen gegen diverse negative Faktoren, zum Beispiel Mikroorganismen oder Fraßschädlinge, besser durchsetzen. Daraus resultiert eine vermehrte Bildung von sekundären Metaboliten, die auch positive ernährungsphysiologische Eigenschaften haben können“, erklärt Berghofer die Arbeitsthese. Außerdem könnte ein erhöhter Gehalt an diesen Substanzen für geschmackliche Unterschiede verantwortlich sein.

Wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe in Bioprodukten

In der Ernährung spielen nach neueren Untersuchungen sekundäre Pflanzenstoffe – derer es mehr als 10.000 verschiedene gibt – eine entscheidende Rolle. Denn sie sind in natürlich vorkommenden Konzentrationen pharmakologisch wirksam. Viele – zum Beispiel Flavonoide und Carotine – stehen zur Diskussion, beim Menschen gesundheitsfördernd oder heilend zu wirken, etwa hinsichtlich einer Stimulierung des Immunsystems, einer krebsvorbeugenden Wirkung und eines günstigen Einflusses auf das Herz-Kreislauf-System.

Studie: sekundäre Pflanzenstoffe in Bio-Lebensmitteln

Aus einer Studie von Bio-Ernte-Austria geht hervor, dass entsprechend der wenigen bisher durchgeführten Untersuchungen der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen in biologisch erzeugten Produkten um zehn bis fünfzig Prozent höher sein könnte. Dies wäre aus dem Verbot des Einsatzes von Pestiziden in der biologischen Landwirtschaft erklärbar. Ebenso wichtig seien allerdings die Standortbedingungen (Sonneneinstrahlung, Ausreifung) und die richtige Sortenauswahl – heißt es in der Studie. Sie wurde erstellt von Dr. Alberta Velimirow vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Biologischen Landbau und Ingenieur Werner Müller vom Büro für ökologische Risikoforschung. Die Untersuchung basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche zur Qualität biologisch erzeugter Lebensmittel und auf eigenen Versuchen am Ludwig-Boltzmann-Institut.

Studie: Mineralstoffe und Vitamine in Bioprodukten

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine biologische Ernährung jedenfalls ein erheblich reduziertes Risiko im Zusammenhang mit Pestizidrückständen, Nitrat sowie Zusatzstoffen bei der Produktion mit sich bringt. Weiters verweist Biologin Velimirov auf eine Übersichtsstudie der Soil Association, aus der hervorgeht, dass in 53 Prozent aller relevanten Vergleichsstudien ein höherer Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen wie Ballaststoffen, Mineralstoffen und Vitamin C in den biologisch erzeugten Varianten nachgewiesen wurde. 43 Prozent der Versuche zeigten keinen Unterschied. „Das heißt, in 96 Prozent überwiegt der Vorteil einer biologischen Ernährung, wenn man auch die vorher angeführten Vorzüge bedenkt!“, so die Wissenschaftlerin.

Widersprüchliche Studienergebnisse zu biologischen Lebensmitteln

Bisher oft widersprüchliche Ergebnisse von Untersuchungen in diesem Forschungsbereich – und damit auch unterschiedliche Expertenmeinungen – sind laut Dr. Velimirov unter anderem auf Schwachstellen bei den Probenvergleichen zurückzuführen, wenn diese zum Beispiel von Anbaugebieten mit unterschiedlichen Wetter- beziehungsweise Bodenverhältnissen kommen. In den letzten Jahrzehnten ist es gelungen, integrative Untersuchungsmethoden zu entwickeln, die die dynamischen Aspekte eines Produkts mit berücksichtigen. Dr. Velimirov selbst ermittelt in ihren Testreihen ernährungsphysiologische Werte ebenso wie Geschmackswert, Haltbarkeit und elektrochemische Eigenschaften.

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