Olivenöl schützt ältere Menschen vor Schlaganfall

Wenn Menschen über 65 Jahre häufig Olivenöl zu sich nehmen, erkranken sie weniger oft an einem Insult. Eine Studie aus Frankreich.
Französische Wissenschaftler sind dem Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum von Olivenöl und dem Risiko für einen Schlaganfall nachgegangen. Die Ergebnisse dieser Studie veröffentlichten sie am 15. Juni 2011 in der „Neurology“, der Fachzeitschrift der American Academy of Neurology. Demnach hat das Olivenöl einen protektiven Faktor in Bezug auf einen Schlaganfall und sollte eigentlich dringend auf dem Speiseplan von jedem Menschen über 65 Jahre stehen. Allerdings ist nicht geklärt, warum und wie genau das Olivenöl wirkt.

Mittelmeerdiät und Erkrankungsrisiken

Die Qualität dessen, was wir täglich zu uns nehmen, bestimmt erwiesenermaßen auch über Gesundheit und Wohlbefinden. Vermutungen, Annahmen, Spekulationen und Ideen gibt es dazu viele. Würde man versuchen, alle diese Ratschläge zu befolgen, würde es schwierig werden am eigenen Esstisch. Und trotzdem gibt es immer wieder Beweise, dass Lebensmittel, die ohnehin bei vielen Menschen auf dem täglichen Speiseplan stehen, die Gesundheit unterstützen. Getrockneten Äpfeln zum Beispiel hat man im April 2011 einen kardioprotektiven Effekt bestätigt, cholesterinsenkende Lebensmittel hingegen sind im gleichen Monat als Lügner enttarnt worden, sie halten nicht, was sie versprechen.

Dass die sogenannte Mittelmeerdiät für viele Menschen als die passendste Form der Ernährung propagiert wird, ist schon länger en vogue. Auch wenn man gar nicht so ganz genau weiß, warum es wirkt, ist doch klar, dass die Mittelmeeranrainer im Durchschnitt weniger an ernährungsbedingten Erkrankungen leiden. Einem Teil dieser Mittelmeerdiät, nämlich dem Olivenöl, widmeten sich nun französische Wissenschaftler, mit der Fragestellung, ob ältere Menschen in Bezug auf einen Schlaganfall davon profitieren oder nicht.

Drei-Städte-Studie in Frankreich

In drei französischen Städten (Bordeaux, Dijon und Montpellier) wurden mehr als 8870 Menschen ausgewählt, die mindestens 65 Jahre alt waren und bis zum Studienbeginn noch keinen Schlaganfall erlitten hatten. Von diesen wurden 7625 Personen nach der von ihnen konsumierten Menge Olivenöl in drei Gruppen eingeteilt – die erste Gruppe nahm überhaupt kein Olivenöl zu sich (23 Prozent), die zweite Gruppe mäßig (40 Prozent), die dritte Gruppe verzehrte große Mengen Olivenöl beim Kochen, als Dressing oder zu Brot (37 Prozent). Verwendet wurde, wenn überhaupt, ausschließlich Extra Vergine Öl, dies deshalb, weil es 98 Prozent allen verkauften Olivenöls in Frankreich darstellt. Bei 1245 Personen wurde der Fettsäurespiegel im Plasma gemessen, als Marker für den Ölkonsum. Daneben wurden auch zusätzliche Risikofaktoren für einen Insult berücksichtigt, zudem die generelle Ernährungsweise, körperliche Aktivität und der Body-Mass-Index der Probanden.

Schlaganfälle und Olivenölkonsum

In der Gesamtheit der Probanden traten innerhalb von gemittelten 5,25 Jahren Beobachtungszeitraum 175 Schlaganfälle auf. Nach Bereinigung der Daten um sportliche Aktivität, Body-Mass-Index und generelle Risikofaktoren für einen Insult wurde sehr deutlich, dass die Anzahl der Schlaganfälle mit der Menge des konsumierten Olivenöls beziehungsweise dem Fettsäurespiegel korrelierte. In der ölverzehrenden Gruppe hatten die Ölesser gegenüber den Ölverweigerern ein um 41 Prozent geringeres Insultrisiko. In der Gruppe mit dem gemessenen Fettsäurespiegel hatte das Drittel mit den höchsten Plasmawerten ein um 73 Prozent geringeres Risiko für einen Schlaganfall als das Drittel mit den geringsten Plasmawerten.

Welche Stoffe genau den schützenden Effekt haben, ist nach wie vor aber nicht geklärt. Möglicherweise entsteht dieser indirekt, durch generell höheren Konsum gesunder Nahrungsmittel im Gefolge des Öls. Um das zu klären und damit zu verbindlichen Ernährungsempfehlungen zu kommen, müssten noch weitere Studien durchgeführt werden. Bis dahin liegen Menschen über 65 Jahre aber sicher nicht falsch damit, wenn sie die zu sich genommenen Öle häufiger durch Olivenöl ersetzen.

Warum sind Schlaganfälle so gefährlich?

Einem Insult liegt eine plötzlich eintretende Durchblutungsstörung des Gehirns zu Grunde, durch die fehlende Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen sterben dabei Nervenzellen ab. Bis zu einem gewissen Grade kann der Körper das kompensieren, schwierig wird es, wenn großflächige Durchblutungsstörungen auftreten oder diese sehr lang anhalten. Die Folgeerkrankungen und Einschränkungen, die Insultpatienten zu verkraften haben, gelten als die volkswirtschaftlich teuerste Erkrankung, sie sind die häufigste Ursache für dauerhafte Behinderung in den Industrienationen, in Deutschland dazu die zweithäufigste Todesursache.

Auf der individuellen Ebene kommt hinzu, dass großflächige Insulte mit vielen Ausfallserscheinungen sehr belastend sind, sowohl für die Betroffenen selbst als auch für Angehörige. Je nach Ort der Durchblutungsstörung können dabei besonders die Motorik und ganze Bewegungsabläufe verloren gehen oder sehr eingeschränkt sein, aber auch kognitive Einbußen sind möglich und aphasische Störungen (Störungen der Sprache), die die Kommunikation mit Betroffenen sehr schwierig gestalten können.

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