Rapsöl-Test – jedes dritte Pflanzenöl mangelhaft

Stiftung Warentest testete 26 raffinierte Rapsöle & native Bio-Öle. Ob natives und kaltgepresstes Bio-Rapsöl, ob raffiniertes Rapsöl, für viele Experten gilt es als das gesündeste Pflanzenöl – doch 9 von 26 Rapsölen schmeckten mangelhaft.

Gesunde Pflanzenöle gehen den Gaumen wie Öl runter, besonders wenn sie schmecken. Schmeckt das Rapsöl saatig-nussig, wird man es als Salatöl nicht überdrussig: Im Besonderen, da Rapsöl als das gesündeste Speiseöl gilt – hier sind sich die Rapsöl-Experten einig. Rapsöl weist nach Meinung vieler Ernährungsexperten die ideale und gesunde Fettsäureverteilung auf. Mit dem botanischen Namen „Brassica napus ssp. napus“ gehört Raps zu den Kreuzblütlern und ist nah mit dem Kohl verwandt. Seit der Einführung von 0-Raps und 00-Raps ist das Rapsöl wie ein geölter Blitz in den Olymp der meistverkauften Speiseöle aufgestiegen. Doch nicht alle Rapsöle schmecken saatig und nussig. Während ein holzig-strohiger Geschmack noch tolerierbar ist, wird bei einem ranzigen Geschmack die Testnote ranzig: Stiftung Warentest ließ die Nasen von vier geschulten Prüfpersonen an einem Spezial-Rapskernöl, 9 raffinierten Rapsölen und 16 nativen kaltgepressten Rapsölen schnuppern, 9 mal hat es die Prüfnasen stichig-modrig und kalt erwischt: wegen sensorischer Fehler Testurteil „mangelhaft“.

Die gesunden Fettsäuren des Rapsöls

Die einfach ungesättigte Omega-9-Fettsäure Ölsäure ist mit 51 bis 70 Prozent die Leitfettsäure des Rapsöls. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) ist mit 15 bis 30 Prozent die zweifach ungesättigte Omega-6-Fettsäure Linolsäure die zweithäufigste Fettsäure im Rapsöl, gefolgt von 5 bis 14 Prozent der dreifach ungesättigten Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure. Daneben gibt es noch etwa 2,5 bis 7 Prozent der gesättigten Palmitinsäure und 0,1 bis 4 Prozent Gadoleinsäure. Gadoleinsäure gehört wie die Ölsäure zu den so genannten MUFAs, zu den einfach ungesättigten Fettsäuren (MUFA, Mono-Unsaturated Fatty Acids); dagegen gehören die Linolsäure und die alpha-Linolensäure zu den mehrfach ungesättigten PUFAs (Poly-Unsaturated Fatty Acids). Das PUFA-Verhältnis der Omega-6-Fettsäure Linolsäure zur Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure beträgt im Rapsöl etwa 2:1.

9:1 & 2:1 – das kleine mehrfach ungesättigte Fettsäuren-Einmaleins

9:1 klingt als Fußballergebnis nach einem klaren Kantersieg, im PUFA-Einmaleins bedeutet 9:1: „Der Anteil von n-3 PUFA in der Ernährung liegt zwischen 0,7 und 0,9 % der Energiezufuhr, das Verhältnis von S n-6 zu S n-3 PUFA bewegt sich zwischen 7,2 und 8,6.“, so die aktuelle evidenzbasierte Leitlinie „Fettkonsum und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wir nehmen also beim Essen durchschnittlich etwa neun mal mehr Linolsäure als alpha-Linolensäure zu uns. Dies ist so sicher wie das 2:1-Verhältnis von Linolsäure zu alpha-Linolensäure im Rapsöl.

Die 5:1-Fettsäurenverhältnis-Hypothese

Liest man etwas über PUFAs, tritt man ständig in das 5:1-Fettsäurenverhältnis-Fettnäpfchen, es stammt aus den Referenzwerten für PUFAs der DGE. Hier wird das Rapsöl mit seinem 2:1-PUFA-Verhältnis als das gesündeste Speiseöl dargestellt, da man so vom 9:1- auf das empfohlene 5:1-Fettsäureverhältnis kommen kann. Doch das empfohlene 5:1-Fettsäureverhältnis ist zum Beispiel im Bezug auf koronare Herzkrankheiten (KHK) nichts anderes als eine Hypothese: „Die Evidenz für einen Einfluss des Verhältnisses von Linolsäure zu α-Linolensäure in der Nahrung auf die Prävention der KHK wird als unzureichend eingestuft.“, so lautet das Fazit der evidenzbasierten DGE-Leitlinie von 2006. Eine Hypothese, die auch anfangs 2009 von der „American Heart Association“ in das Land der Fettsäure-Mythen gestellt wurde. Ob also das Fettsäureverhältnis von Olivenöl oder Arganöl ernährungsphysiologisch viel „ungesünder“ ist, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Neben fetten Seefisch ist Rapsöl aber für uns mitteleuropäische Landratten ein wertvoller Lieferant der Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure – wenn es nicht stichig-modrig schmeckt.

Native kaltgepresste Bio-Rapsöle höchstens befriedigend

Viele Rapsöle kommen als so genannte native kaltgepresste Bio-Rapsöle in den Handel. Stiftung Warentest beschnüffelte deshalb neben 6 nativen und kaltgepressten Rapsölen auch 10 Bio-Rapsöle. Von den nativen Rapsölen überzeugten mit guten Testurteil „Vita D´or“ von Lidl, „Bellasan“ von Aldi-Süd und „Gut & Günstig“ von Edeka. Ein befriedigendes Testurteil erhielten „Butella“ von Aldi-Nord, „Fit & Aktiv“ von Netto und „Frisan“ von Norma. Die nativen kaltgepressten Bio-Rapsöle befriedigten die feinen Prüfnasen bestenfalls mit dem Testurteil „befriedigend“: Nur das Bio-Rapsöl von Rewe und der Teutoburger Ölmühle erhielten diese Testnote, alle anderen Bio-Rapsöle vergrätzten das feine Riechepithel der Prüfer-Riechkolben mit stichig-modrigen oder anderen unangenehmen Fehlaromen: Das Qualitätsurteil „mangelhaft“ erhielten deshalb die Bio-Rapsöle von Alnatura, Bio Planète und Rapunzel, sowie die Bio-Rapsöle „Bio Wertkost“ von Edeka, „Vitaquell“ von Fauser, „Naturkind“ von Kaiser´s Tengelmann, „K Classic Well You“ von Kaufland und „Bio Bio“ von Plus. Die Fehlaromen waren derart prägnant, dass die Bio-Rapsöle so nicht verkauft werden dürften. Nach Stiftung Warentest ist natives Rapsöl meist hitzestabiler und spritzt weniger. Doch ob natives Rapsöl oder raffiniertes Rapsöl: Beide Pflanzenöle sind gleich gesund.

Raffinierte Rapsöle gut und befriedigend

Raffinierterweise schnitten über die Hälfte der neun raffinierten Rapsöle mit dem Testurteil „gut“ ab. Testsieger wurde das Rapsöl „vita“ von Brändle, gefolgt von „Kunella Feinkost“, „Vita D´or“ von Lidl, Rinatura und „Vegola“ von Netto. „Befriedigend“ erhielten das raffinierte Rapsöl von Rapso, „Bellasan“ von Aldi-Süd, „Tip“ von Real und „Holstensegen“ von Aldi-Nord. Als besonderes Spezialöl schnitt das hitzestabile Rapskernöl der Teutoburger Ölmühle wegen sensorischer Fehler nur mit „mangelhaft“ ab.

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