Chronomedizin: Die innere Uhr beeinflussen

Erkenntnisse aus der Chronobiologie sinnvoll einsetzen. Ist der Rhythmus unserer inneren Uhr erst einmal gestört, kann es zu den verschiedensten gesundheitlichen Störungen, ja sogar zu Krebs kommen.

Bei Gesundheitsstörungen, die auf einer Störung unserer inneren Uhr beruhen, sind nach neuesten Erkenntnissen verschiedene Therapiemaßnahmen als Rhythmusgeber möglich. Dies können die zeitlich genaue Einhaltung von Essenszeiten, aber auch chronobiologisch wirksame Arzneimittel sein.

Wie kann man die innere Uhr beeinflussen?

Um die innere Uhr zu beeinflussen, gibt es allerdings auch Alternativen: Als äußerer Taktgeber dient dabei die gesellschaftliche Aktivität, vor allem aber die Sonne. Meist ist es nicht möglich, den Beginn der Schul- oder Arbeitszeiten zu verändern, dennoch sollten Nachtmenschen – soweit möglich – vermehrt morgens und mittags nach draußen gehen und sich dem Licht aussetzen, um abends früher müde zu werden. Hingegen sollten Eulen nachmittags und abends helles Licht meiden oder sogar eine Sonnenbrille tragen.

Entrainment – Die innere Uhr einstellen

Die Synchronisation der inneren Uhr wird als Entrainment bezeichnet. Das Ausmaß am Vor- oder Nachstellen der inneren Uhr hängt von der so genannten „Zeitgeberstärke“ ab, also zum Beispiel von der Intensität des Lichts. Am besten funktioniert das Vorstellen der inneren Uhr mit Tageslicht. Wer dagegen mittags oder abends in eine sehr helle Lichtquelle schaut, setzt der inneren Uhr wieder neue Signale und bringt das System durcheinander, die Uhr wird nachgestellt. Um die innere Uhr langfristig umzuprogrammieren und mit dem Tagesrhythmus zu synchronisieren, kann es sinnvoll sein, in der Woche und auch am Wochenende früher ins Bett zu gehen und den Wecker auf die Zeit des Sonnenaufgangs zu stellen.

Die richtige Ernährung für die innere Uhr

Weiterhin kann man mit bestimmten Lebensmitteln gezielt auf die innere Uhr einwirken. Das Schlafhormon Melatonin reguliert die Wach- und Schlafphasen. Um es bilden zu können, ist der Botenstoff Serotonin notwendig. Dieses wiederum benötigt zum Bau den Eiweißbaustein Tryptophan, welches unter anderem in eiweißreichen Lebensmitteln wie Thunfisch und Milchprodukten vorkommt. Durch eiweißarme Kost gelangt häufig zu wenig Tryptophan ins Gehirn. Wer zirka eine Stunde vor dem Schlafengehen eine kleine Portion Eiweiß mit einer geringen Menge Kohlenhydrate (zum Beispiel eine Scheibe Brot, ein Teelöffel Honig, ein Stück Obst) zu sich nimmt, sorgt für einen Anstieg des Insulinspiegels, wodurch verstärkt Eiweiß in die Muskelzellen aufgenommen werden kann. Das Tryptophan kann nun fast ungehindert ins Gehirn gelangen, um daraus Serotonin und letztendlich das müde machende Melatonin herzustellen. So findet man leichter in den Schlaf.

Inzwischen ist bekannt, dass sich mit Hilfe von Licht (als Medikament) zum Beispiel die Symptome der saisonalen Depression vermindern lassen. Für die Entwicklung weiterer Therapieformen ist allerdings noch einige Forschungsarbeit nötig.

Anpassung des Tagesrhythmus als Therapieziel

Würde sich der Mensch ausschließlich nach seiner inneren Uhr richten, läge die durchschnittliche Schlafzeit bei den meisten zwischen 0.15 und 8.15 Uhr, was es erschwert, soziale Zeitpläne einzuhalten. Chronobiologen fordern deshalb eine Anpassung der Schul- und Arbeitszeiten an diese Schlafzeiten. In Bezug auf den Schulbeginn um 8.00 Uhr oder früher ist nicht gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler genug Schlaf bekommen (ihre innere Uhr lässt sie nicht früh genug einschlafen) und sich in den ersten Unterrichtsstunden nicht ausreichend konzentrieren können. Schlafmangel kann darüber hinaus die Fähigkeit, das Erlernte im Schlaf zu festigen, beeinträchtigen. Studien zufolge führt schon eine Verschiebung des Schulbeginns um eine halbe Stunde zu weniger Verspätungen, deutlichen Leistungsverbesserungen und zu einer geringeren Krankheitsanfälligkeit.

Chronomedizin – Bald keine Zukunftsvision mehr

Die Erkenntnisse aus der Chronobiologie könnten in der Medizin der Zukunft angewendet werden, um beispielsweise gesundheitliche Gefahren eines Lebens gegen die innere Uhr zu begrenzen, aber auch, um einzelne Methoden zur Diagnose und Therapie zu verbessern. Sollten zum Beispiel Adipositas oder auch Bluthochdruck tatsächlich auf eine Störung der inneren Uhr zurückzuführen sein, eröffnen sich damit völlig neue Möglichkeiten für ihre Behandlung. Weil darüber hinaus auch die Wirkung von Medikamenten von der Tageszeit der Verabreichung abhängig ist, hat sich ein spezieller Bereich der Chronobiologie heraus entwickelt, welcher sich mit der Bestimmung des optimalen Zeitpunkts für die Gabe von Medikamenten beschäftigt – die Chronopharmakologie. Durch optimale zeitliche Verabreichung wäre nur eine geringere Dosis bei gleicher Wirkung und weniger Nebenwirkungen nötig.

Wie die innere Uhr funktioniert und wie Sie Ihren eigenen Chronotyp bestimmen, erfahren Sie in einem weiteren Beitrag zu diesem Thema.

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