Lebensmitteln mit Omega-3-Fettsäuren anreichern?

Omega-3-Fettsäuren sind im richtigen Maß der Gesundheit förderlich. Doch die Dosis macht es. Zu viel kann schaden. Daher rät das BfR zur Beschränkung bei Anreicherungen.

Omega-3-Fettsäuren sollten in aller Munde sein. In allen Medien wird der verstärkte Verzehr von Nahrungsmitteln mit hohem Anteil dieser Fettsäuren empfohlen. Eine Heerschar von Produzenten preist Fischöl und andere Präparate mit Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA über alle erreichbaren Medien an. Nun gießt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) etwas Wasser in das fettige Geschäft. In einer Stellungnahme vom 26. Mai 2009 empfiehlt es, die Anreicherung von Nahrungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren durch die Festlegung von Höchstmengen zu begrenzen.

Der Anlass des BfR für die Bewertung der Omega-3-Festtsäuren

Es wird durch die EU-Kommission geprüft, ob die Palette der Nahrungsmittel, die mit den neuartigen Algenölen angereichert werden dürfen, erweitert werden kann. Deshalb hat das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Bewertung des gesundheitlichen Risikos einer erhöhten Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA vorgenommen. Derzeit sind in der EU zwei DHA-reiche Öle, die aus marinen Mikroalgen gewonnen werden, für die Anreicherung von Milcherzeugnissen mit Ausnahme von Getränken, Frühstückscerealien und Streichfetten sowie für Nahrungsergänzungsmittel und diätetische Lebensmittel zugelassen.

Eine Aufnahme des Verzehr von Omega-3-Fettsäuren in der Bevölkerung

Im Rahmen der normalen Ernährung verzehren die Verbraucher in Deutschland durchschnittlich zwischen 127 Milligramm (das trifft auf junge Frauen zu) und 295 Milligramm (das wurde bei älteren Männern festgestellt) DHA und EPA am Tag. In den beiden Gruppen kommen auch sehr viel höhere Aufnahmemengen vor. Die liegen bei 369 Milligramm für Frauen und 827 Milligramm für Männer pro Tag.

Die Beurteilung von Omega-3-Fettsäuren durch das BfR

Die langkettige Omega-3-Fettsäuren sind in fetten Meeresfischen und anderen Meeresfrüchten besonders hoch konzentriert. Diesen langkettigen Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, abgekürzt DHA und EPA, werden allgemein Eigenschaften zugeschrieben, die der Gesundheit der Konsumenten förderlich sein sollen. An Omega-3-Säuren reiche Produkte werden in Form von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten und auch zur Anreicherung von Lebensmitteln eingesetzt.

Vor dem Hintergrund eines Novel Food Antrages für die Zulassung eines DHA-reichen Öls aus marinen Mikroalgen hat das BfR abgeschätzt, dass die Anreicherung von Lebensmitteln aus 14 Lebensmittelgruppen mit solchem Algenöl die bisherige Aufnahmemenge von langkettigen Omega-3-Fettsäuren etwa vervierfachen könnte. Dazu stellt dann das BfR fest, dass in verschiedenen Studien bei so hohen Aufnahmemengen negative Wirkungen zu erwarten sind. Dabei werden genannt:

  • eine Beeinträchtigung der natürlichen Immunabwehr, und zwar vor allem bei älteren Menschen
  • eine erhöhte Blutungsneigung
  • die Erhöhung des LDL-Cholesterinspiegels ab 0,7 Gramm DHA/EPA pro Tag
  • Es gibt Hinweise auf eine mögliche Erhöhung der kardiovaskulären Mortalität bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen bei Langzeitanwendung
  • Es gibt offene Fragen bezüglich der Wirkung auf Kleinkinder

Auch ist nach Ansicht des BfR bislang nicht abschließend geklärt, wie sich eine erhöhte Aufnahme der Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA langfristig auswirkt.

Das Ergebnis der Stellungnahme

Das Bundesinstitut für Risikobewertung vertritt die Auffassung, dass durch die Festlegung von Höchstmengen für die Anreicherung von Produkten mit Omega-3-Fettsäuren gewährleistet werden soll, dass die maximale Aufnahmemenge eines Konsumenten aus allen Quellen im Mittel unterhalb von 1,5 Gramm pro Tag ungesättigte Omega-3 Fettsäuren zu halten sei.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, für die Anreicherung von Lebensmitteln mit DHA und EPA, Höchstmengen festzusetzen Dies sollte unabhängig davon geschehen, ob diese Nahrungsergänzung aus Fischöl, Algenöl oder Fettsäureethylester stammt. Auch sollte darauf verzichtete werden, üblicherweise fettfreie Lebensmittel wie beispielsweise Erfrischungsgetränke mit Omega-3-Fettsäuren anzureichern.

Die Quintessenz für den Verbraucher

Als sinnvolle Menge für die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren wird in dem Artikel „Wie Omega-3-Fettsäuren wirken“ ein Wert von 400 Milligramm pro Tag genannt. Diesen Wert erreichen die meisten Menschen nicht. Daher kann eine zusätzliche Versorgung mit diesen Fetten sinnvoll sein. Aber mit Augenmaß. Rundum wird für Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren getrommelt. Wahre Wunderwirkungen werden prophezeit. Aber wie so oft im Leben: auch hier kommt es auf die richtige Dosis an. Insbesondere das richtige Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Viel hilft nicht viel, sondern schadet unter Umständen langfristig gar der Gesundheit und muss dazu noch teuer bezahlt werden.

Guter Rat ist bezahlbar

Also mit dem Arzt oder Ernährungsberater sprechen, ob und in welchem Umfang der zusätzliche Konsum von Omega-3-Fettsäuren Sinn macht. Eventuell ein paar Euro für die Bestimmung eines Omega3-Indexes im Blut zahlen und dann die Dosis anpassen. Und genau auf die Dosierung der Präparate achten. Denn es gibt durchaus Empfehlungen zum Konsum von mehr als 1,5 Gramm/Tag. Und statt teurer Nahrungsergänzung lässt sich auch mit kleinen Änderungen der Ernährung viel erreichen. Ein Fischtag pro Woche und das gute alte Leinöl aus dem Spreewald helfen bei der Steigerung der Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren.

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