Well-Aging mit Rotklee, Yams und Hopfen?

Hormonstoffe sollen Wechseljahrsbeschwerden lindern

Zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel beinhalten Pflanzenhormone, die Frauen das Altern erleichtern sollen. Werbung, Wundermittel oder Wirksamkeit?

Menopause, Klimakterium, Hormonumstellung – ein gesundes, genussvolles Älterwerden in zunehmend fordernden Zeiten ist gefragt: Die moderne Medizin wartet mit einem großen Angebot an Medikamenten für Frauen auf, die zu einem Großteil auch starke negative Nebenwirkungen haben. Alternativ und nebenwirkungsfrei hingegen werben Therapien mit pflanzlichen „Hormonstoffen“ aus Soja, Rotklee, Yams und Hopfen. Behaupten zumindest vermeintlich naturorientierte Unternehmen und ihre Befürworter. Obschon die Präparate nicht therapiewürdig sind.

Rotklee als „Allrounder in den Wechseljahren“

Auch der heimische Rotklee (Trifolium pratense) beinhaltet vermeintliche Phytoöstrogene. Sprach man dem Rotklee bereits im Mittelalter übernatürliche Kräfte zu, nutzte ihn in alten Zeiten zum Liebeszauber, so gerieten seine Wirkstoffe in den vergangenen Jahren zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit: Auch Rotklee ist reich an Isoflavonen.

„In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Phytoöstrogene des Rotklee bei der Therapie von Beschwerden in der Menopause eine wichtige Rolle spielen können: Durch die regelmäßige Zufuhr von Isoflavonen wird der Hormonhaushalt besser reguliert und teils normalisiert. Betroffene Frauen haben weniger Beschwerden und auch im Hinblick auf den Knochenbau, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind diese pflanzlichen Substanzen von besonderer Bedeutung. Mittlerweile wird angenommen, dass Phytoöstrogene – ähnlich wie die sogenannten selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERMS) eine selektive, eine von ihrer Umgebung abhängige Wirkung im Organismus haben können“, preisen sogenannte Experten den Wiesenklee.

Tatsächlich ist bei Rotklee in der rationalen Phytotherapie die Indikation der Wechseljahrsbeschwerden angezeigt: Hitzewallungen und Nachtschweiß werden günstig beeinflusst. Die Datenlage zum Beleg für diese Wirkungen jedoch ist dürftig, weitere Heilanzeigen sind nicht indiziert. Präparate kommen lediglich als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt, werden als Arzneimittel nicht zugelassen, Erfahrungen über Langzeitanwendungen fehlen.** Die Gabe von Isoflavonoide und Stilbenen als Kontrazeptiva führt nachweislich zu verstärktem Auftreten von Ovarialkarzinomen in der direkten Nachkommenschaft.

Hopfen – Pflanze mit alter Kultur und neuer Medienwirksamkeit

Hopfen gehörte von jeher zu den beliebtesten Heilpflanzen des Menschen. Bereits in der Antike war er bekannt, Mönche kultivierten ihn aufgrund seiner konservierenden Wirkung, entdeckten die den Sexualtrieb dämpfende Wirkung, die niemals in Gänze bewiesen werden konnte. Das erste Zeugnis für die therapeutische Verwendung findet sich beim arabischen Arzt Mesuè im 8. Jahrhundert, auch Hildegard von Bingen empfahl den Hopfen, doch im Laufe der Jahre wurden die Anwendungsgebiete stetig umfangreicher.

„Festgestellt wurden östrogenähnliche Wirkungen erstmals bei jungen Hopfenpflückerinnen, bei denen verfrühte Menstruationen auftraten. Dies erklärt auch, warum der Hopfen auf den Mann eher sexuell dämpfend wirkt“, schreiben vermeintliche Spezialisten. Vor allem der Inhaltsstoff Hopein sei ein potentes pflanzliches Östrogen, über den es bislang ebenfalls erstaunlich wenig wissenschaftliche Studien gebe. Erstaunlich wenig ist dabei glatt übertrieben: Wirksame Inhaltsstoffe konnten aus medizinischer Sicht bislang nicht geklärt werden, obschon sich Hopfenextrakte als wirksam erwiesen. Allerdings nicht durch die bloße Berührung beim Pflücken. Und lediglich zugunsten des Magen-Darm-Bereiches und als Sedativum.

Yams als Jungbrunnen und Spiegel weiblicher Hormone

Die Kletterpflanze Yams ist hauptsächlich in Südamerika, Afrika und der Karibik verbreitet, genutzt wird vornehmlich die Wurzel (Dioscoreae radix). „Sie ist besonders bekannt für ihren hohen Anteil an Diosgenin. Dieses ist dem menschlichen Hormon Progesteron sehr ähnlich und kann den periodischen Hormonwechsel im weiblichen Körper harmonisieren. Zusätzlich stimuliert es die Nebennieren, die Produktion von DHEA (Dehydroepiandrosteron) wird angeregt, welches den Alterungsprozess radikal verlangsamt.“

Die Tatsachen: DHEA ist in den letzten Jahren in der breiten Öffentlichkeit vor allem als „Jungbrunnen-Hormon“ bzw. „Anti-Aging-Droge“ beworben worden, da seine Konzentration im Blut wie die vieler anderer Hormone mit zunehmendem Lebensalter abfällt. Dies hat in den USA zu einem unkontrollierten Gebrauch des dortigen Nahrungsergänzungsmittel geführt, ohne dass es überzeugende wissenschaftliche Ergebnisse gab. DHEA wird auf der Liste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) als verbotenes Mittel aufgeführt, analytische Untersuchungen zeigen, dass in den Staaten freiverkäufliche DHEA-Präparate oft kein DHEA enthalten, häufig aber auch ein Vielfaches der auf der Packung ausgezeichneten DHEA-Menge. Damit bleibt unklar, was die Einnahme dieser Präparate wirklich birgt. In Deutschland gilt DHEA als verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es gibt bislang kein zugelassenes DHEA-Präparat.

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